Weinheim/Biblis

Erste regionale Kichererbsen-Ernte

Ökomodellregion Süd: Die erste Ernte ist in Biblis eingefahren und landet auf den Tellern der Werkskantine von Freudenberg in Weinheim

Auch in Südhessen werden mittlerweile Kichererbsen angebaut. Foto: Johannes Böhm
Auch in Südhessen werden mittlerweile Kichererbsen angebaut.

Sie ist kugelig und köstlich und vor allem kerngesund. Die Rede ist von der Kichererbse. Verarbeitet als Falafel oder Hummus ist sie schon längst ein beliebtes Lebensmittel, ein echtes Super-Food, das auch hierzulande verstärkt nachgefragt wird. In der heimischen Landwirtschaft ist sie noch ein seltener Gast. Deshalb kommt bislang vor allem Importware auf den Tisch. Doch jetzt hat ihr die „Ökomodellregion Süd“ ein herzliches Willkommen bereitet.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Mit dem Projekt „Hier bin ich! Die südhessische Kichererbse“ haben die Projektmanagerinnen Sylvia Barrero-Stadler und Alexandra Hilzinger ein Entwicklungsvorhaben gestartet: Ob die Anbaubedingungen in Südhessen stimmen und wie heimische Erzeugung einen wichtigen Beitrag zu nachhaltigen und gesunden Ernährungsweisen leisten kann, soll dabei ermittelt werden. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt, um weiteres Wissen zum Anbau zu generieren und Strukturen für die Aufbereitung, Verarbeitung und Vermarktung auszuloten. Wie aus einer Pressemitteilung der Ökomodellregion Süd hervorgeht, unterstützt das Land Hessen dieses Entwicklungsprojekt zur Schaffung von Kichererbsen-Wertschöpfungsketten mit Fördermitteln bis zu einer Höhe von 95 000 Euro. Den Zuwendungsbescheid hatte der hessische Landwirtschaftsminister Ingmar Jung bereits im August in einem der derzeit vier Partnerbetriebe überreicht.

Die Kichererbse liebt es warm und trocken

In der Region hat Siegbert Ochsenschläger vom Riedgockel in Biblis-Wattenheim als Partnerbetrieb vor wenigen Tagen seine Ernte eingefahren. Eine halbe Tonne wurde gedroschen. „Der Ertrag entspricht dem, was bei einem so feuchten Jahr zu erwarten war“, sagt der Landwirt. Die Kichererbse liebt es nämlich warm und trocken, Verhältnisse wie 2022 hätten ihr besser gefallen. Und doch ist die Projektpartnerschaft von Siegbert Ochsenschläger bereits in diesem Jahr eine Erfolgsgeschichte: Denn noch während die Erbsen auf dem Acker reiften, hat die Ernte des engagierten Landwirts bereits Abnehmer aus der regionalen Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung gefunden „Meine Kichererbsen gehen nach der Reinigung direkt in die Großküche der Firma Freudenberg in Weinheim“, freut sich Ochsenschläger. Begleitet und unterstützt wird er dabei von den Projektmanagerinnen der Ökomodellregion, die auch die Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucheraufklärung im Betriebsrestaurant übernehmen.

Serviert wird die hessische Kichererbse in der Werkskantine von Freudenberg in Weinheim von Küchenleiter Philipp Kögel zum Beispiel mit Riedgockel, Rote-Bete-Kichererbsen-Creme, gebackenen Kichererbsen und Hummus. Foto: Freudenberg
Serviert wird die hessische Kichererbse in der Werkskantine von Freudenberg in Weinheim von Küchenleiter Philipp Kögel zum Beispiel mit Riedgockel, Rote-Bete-Kichererbsen-Creme, gebackenen Kichererbsen und Hummus.

Freudenberg bereitet am Hauptsitz täglich mehr als 1000 Essen zu und die Kichererbse steht in ihren vielen Zubereitungsvarianten fast täglich auf dem Speiseplan. Dass jetzt eine regionale Kichererbse verfügbar wird, ist für Alexander Thiel von der Freudenberg Verpflegungsdienste KG ein Glücksfall. Denn der Betrieb ist auf dem Weg zur „Green Canteen“ („grüne Kantine“), einer EU-Gewährleistungsmarke, die Gastronomen für nachhaltiges Wirtschaften belohnt. So kurze Lieferwege wie vom Hof Ochsenschläger in Biblis bis nach Weinheim tragen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.

Kichererbse als zukunftsfähige Kulturpflanze

Bei Freudenberg wird schon länger auf regionale Herkunft der Speisen geachtet. Ihre Erzeuger bekommen ein Gesicht, indem sie auf dem Menüplan genannt werden. Zur regionalen Kichererbse von Siegbert Ochsenschläger wird das Projektteam der Ökomodellregion zusätzlich in den nächsten Monaten die Geschichte dahinter erzählen. Auch Verkostungen und kleine Umfrageaktionen sind angedacht. Wichtig ist den Projektmanagerinnen, nicht nur den Gesundheitsaspekt der Kichererbse in der Ernährung in den Vordergrund zu stellen. Auch ihre Bedeutung in der landwirtschaftlichen Fruchtfolge unserer Breitengrade soll beleuchtet werden: Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Trockenheit macht sie zu einer zukunftsfähigen Kulturpflanze. Auch die Bodenfruchtbarkeit wird verbessert, weil sie mit ihren Wurzelknöllchen eine Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien eingeht. Neben diesen positiven Umweltaspekten eröffnet sie insbesondere für die Außer-Haus-Verpflegung und die regionale Lebensmittelwirtschaft Perspektiven, hochwertige pflanzliche Proteine und die Vielfalt des südhessischen Anbaus in die Speisepläne von Schulen, Kantinen, Mensen und Restaurants zu integrieren. „Ein vielversprechender Anfang ist jetzt gemacht“, sind die Verantwortlichen überzeugt.