Gastspiel

Laudenbach: Theaterstück „Iwwa die Brick“ erinnert an Joy Fleming

Von „Neckarbrücken-Blues“ bis „Respect“ – Laudenbach feierte Joy Flemings musikalisches Erbe mit einer mitreißenden Hommage. Mit dabei: Tochter Heidi Kattermann, die intime Einblicke in das Leben der unvergessenen Sängerin gab.

Mit dem Gastspiel „Iwwa die Brick“ erinnerte die SPD anlässlich des Weltfrauentags an die Mannheimerin Joy Fleming. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Mit dem Gastspiel „Iwwa die Brick“ erinnerte die SPD anlässlich des Weltfrauentags an die Mannheimerin Joy Fleming.

Dickes Kompliment: „Laude’bach – ihr seid der Hammer!“

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Laudenbach. Welch eine Hommage an die unvergessene Mannheimer Ausnahmesängerin Joy Fleming. Sie kehrte in den Erinnerungen des Ensembles des musikalischen Bühnenstücks biografisch und musikalisch nach Laudenbach zurück, wo sie vor Jahren gemeinsam mit der örtlichen Big Band ein gefeiertes Konzert gab. Für die musikalischen Glanzpunkte sorgte insbesondere Susan Horn, begleitet von Pianist Claude Schmidt, der jahrelang für Joy Fleming spielte, während Heidi Kattermann, Tochter von Joy Fleming, gemeinsam mit dem Schauspieler Henry Dahlke die wichtigen Stationen des bewegten Lebens Flemings – unterstützt von einer Lichtbildshow – Revue passieren ließ, aber zusätzlich auch einige gesangliche Kostproben gab.

Gemeinsam gelang es, authentisch, witzig und ehrlich Einblicke in Leben und Wirken der großen Sängerin zu gewähren und das Publikum im ausverkauften Festsaal der Sonnbergschule zu begeistern, was ihm das Kompliment einbrachte „Laude’bach – ihr seid der Hammer!“. Doch ehe das Künstlerquartett den Abend bestimmte, oblag es zunächst der Ex-Vorsitzenden Vanessa Bausch, die Gäste zu begrüßen, unter ihnen der Landtagsvizepräsident und Kreisvorsitzende Daniel Born mit seiner Co-Vorsitzenden Dr. Andrea Schröder-Ritzrau und seinem Landtagskollegen Sebastian Cuny, der frühere Landtagsabgeordnete Hans-Georg Junginger sowie die Ortsvereinsführung mit Sven Olthoff und Yvonne Weiß. Bausch erinnerte an die bis 1911 zurückreichende Geschichte des Frauentags und das in diesem Jahr zu begehende Jubiläum, nachdem die Vereinten Nationen 1975, damit vor 50 Jahren, den 8. März zum „Tag für die Rechte der Frau“ ausgerufen hätten. Die Eröffnungsrede hielt die Fraktionssprecherin Ulrike Schweizer, die einst als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen auch einige Jahre für diese Veranstaltung verantwortlich zeichnete. Schweizer beschrieb den internationalen Frauentag auch über 100 Jahre nach seinem Entstehen als weiter unverzichtbar, und dies gelte nicht nur für den Kampf um Gleichstellung, sondern auch im Gedenken an die vielen Frauen, die unterdrückt würden, denen Gewalt angetan werde und die gar ermordet würden. „Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig“, stellte Schweizer fest und bedauerte, dass auch in Deutschland fast täglich eine Frau getötet werde. Schweizer listete die noch lange Jahre in der Bundesrepublik geltenden gesetzlichen Ungleichheiten auf und sah im Recht auf Selbstbestimmung zum Schwangerschaftsabbruch und in der ungleichen Bezahlung sowie der ungleichen Besetzung von Spitzenpositionen bleibende Herausforderungen. Sie richtete ihren Blick auf die Frauenanteile in den unterschiedlichen Parlamenten und Parteien und bedauerte, dass eine „frauenfeindliche Partei“ bei der letzten Bundestagswahl 20,8 Prozent der Stimmen habe erreichen können. Es sei die große Aufgabe, die Demokratie, die Freiheit und das Streben nach Gleichberechtigung zu verteidigen, sagte Schweizer und bemerkte „die Gleichstellung der Frau in Beruf und Gesellschaft ist erst dann erreicht, wenn auch in wichtigen Positionen von Unternehmen und Organisationen unfähige Frauen sitzen“.

Beginn mit Neckarbrücken-Blues

Das liebevoll inszenierte Bühnenstück wurde kraftvoll von Susan Horn mit dem legendären „Neckarbrücken-Blues“ eröffnet. Hier glaubte man, die leibhaftige Joy Fleming zu hören. Gleiches gilt auch für die äußere Erscheinung und die typische „Monnemer Schlappgosch“ von Heidi Kattermann. Beides ähnelt der von ihr geliebten und verehrten Mutter, was in den biografischen Einschüben sehr deutlich wurde. Gemeinsam mit Henry Dahlke beschrieb sie die schwierige Kindheit und Jugend ihrer Mutter „sweet little Erna“ im Haushalt eines gewalttätigen Vaters und später ungeliebten Stiefvaters, deren Kinderzimmer unter der Jungbuschbrücke gewesen sei. Im Alter von 16 Jahren habe sie für die in Mannheim stationierten amerikanischen Soldaten gesungen. Weil sie kein Englisch sprach, waren sämtliche Texte in Lautschrift vorbereitet. Es folgten Jahre mit der Band „Hit Kids“, die auch als Vorgruppe für ein Janis-Joplin-Konzert engagiert war, ehe Fleming 1971 ihre Karriere als Solosängerin begann und ein Jahr später mit dem „Neckarbrücken-Blues“ erfolgreich war. Tochter Heidi begleitete ihre Mutter immer wieder zu Auftritten und war dabei angespannter als ihre Mutter.

Im zweiten Programmteil erinnerte Horn zunächst stimmgewaltig an die leider wenig erfolgreiche Teilnahme Flemings am Europäischen Song Contest 1975 in Stockholm mit dem Song „Ein Lied kann eine Brücke sein“. Man blickte auf die Ehe mit Bernd Liebenow, der auch als Flemings Manager wirkte, und sorgte für Lacher, als man eine Szene an der damals noch bestehenden innerdeutschen Grenze mit dem zu einem Konzert reisenden Ehepaar Fleming/Liebenow mit dem systemgetreuen Grenzsoldaten (Horn) nachspielte. Als 1989 die Mauer fiel, veröffentliche Fleming „Sing And Take My Hand“. Ein Jahr später habe Fleming mit Liebenow und dem Pianisten Claude Schmidt das eigene Plattenlabel „Rö-Mo Records“ gegründet. Einige Jahre später sei der neue Lebensgefährte, der französische Komponist und Musiker Bruno Masselon, in ihr Leben getreten, den Fleming wegen seiner hageren Erscheinung als „moin Knoche“ beschrieb. Ihre Mutter habe sich zeitlebens für Kinder und Tiere engagiert und das auch mit Benefizkonzerten unter Beweis gestellt, beschrieb Kattermann. Sie war stolz, wie es ihrer Mutter gelungen sei, Karriere und die damit verbundenen weltweiten Tourneen mit der Erziehung ihrer Kinder zu bewältigen. Es sei ihr Credo gewesen: „Für Musik leb’ ich, für Musik sterb’ ich“ und habe ihren Antrieb auch wie folgt beschrieben: „Ich sing für Leute, die mich mögen. Ich singe auch für Leute, damit sie mich mögen.“ Die jeweiligen Lebensstationen wurden musikalisch unterlegt, ehe vor dem Schlusslied „Monnemer Dreck“ Schweizer gebeten wurde, die mitgebrachte Mannheimer Spezialität im Saal zu verteilen. Kattermann erinnerte an den Wunsch ihrer Mutter: „Leg’ ich mich zur ewische Ruh, deckt mich mit Monnemer Dreck zu“, dem man bei der Beerdigung in ihrem Wohnort Hilsbach gerecht geworden sei. Schließlich ging der Saal nochmals richtig ab, als bei der Zugabe „Respect“ (Aretha Franklin) Susanne Horn durch die Reihen ging. hb/tak