Laurence Kilsby singt in Weinheim
Der Träger des Theodor-Heuss-Kulturpreises beeindruckt in der Stadtkirche mit seiner kraftvoller, nuancenreicher Tenorstimme.
Bisherige Preisträger
Im Jahr 2017 erhielt der portugiesische Bariton André Baleiro den damals neu ins Leben gerufenen Theodor-Heuss-Kulturpreis.
2019 nahm die deutsche Sopranistin Nikola Hillebrand den Preis entgegen.
2022 wurde der Theodor-Heuss-Kulturpreis gleich an drei Preisträger verliehen: an die deutsche Sopranistin Michelle-Marie Nicklis, den italienischen Komponisten Emanuele Savagnone und an den amerikanischen Bariton Joonyeop Kim.
Dem Kunstlied gewidmet
Schon beim Wettbewerb „Das Lied“ des Heidelberger Frühlings überzeugte der 24-jährige englische Tenor mit seiner Vielseitigkeit und technischen stimmlichen Brillanz, die er auch bei seinem Konzert zur Verleihung des Theodor-Heuss-Kulturpreises in Weinheim vielfach aufblitzen ließ. Ein rein dem Kunstlied gewidmetes Programm forderte dabei nicht den schauspielerisch versierten Opernsänger, sondern den erzählerischen, mit Stimme und Text Bilder erzeugenden Interpreten. Dass Kilsby die vor allem mit Stücken der Romantik von Franz Schubert und Robert Schumann bestückte Liedfolge in Deutsch und nicht in seiner Heimatsprache darbot, dafür gebührt ihm zusätzlicher Respekt. Texte und Musik beschrieben irdisches Geschehen und himmlische Sehnsüchte.
Schon beim Eröffnungslied „Röselein, Röselein“ von Schumann zog Laurence Kilsby die Zuhörer mit seiner beeindruckenden stimmlichen Koloratur in seinen Bann und ließ seine Stimme im „Liebeslied“ desselben Komponisten gleich darauf wie ein sanft dahinplätschernder Bach fließen. Dem Preisträgerkonzert verlieh zudem Ella O’Neill am Flügel einen besonderen Glanz. Die Pianistin bildete in ihrer hochkonzentrierten, sensiblen Liedbegleitung eine homogene Einheit mit dem Tenor, der mit Franz Schuberts „Nacht und Träume“ schon in der ersten Programmhälfte einen Höhepunkt präsentierte. Die gesangliche transzendentale Meditation erhielt durch O’Neill die tragende, langsame, dem Irdischen entrückende Liedbegleitung. Das Kunstlied erlebte in dem von Alexander Kohl moderierten Preisträgerkonzert in Weinheim eine Sternstunde. Da passte es vortrefflich, dass Kohl beim Grußwort von Elisabeth Kramer, die in Vertretung von Oberbürgermeister Manuel Just die Grüße der Stadt Weinheim übermittelte, den Text von Friedrich Schillers „Die Teilung der Erde“ mit ihr abwechselnd rezitierte. Damit betonten beide die Bedeutung der Kultur für eine demokratische Gesellschaft.
Schließlich gratulierte auch Barbara Baun, die Vorsitzende der Jury, in ihrer Laudatio Laurence Kilsby zu dem von der FDP Rhein-Neckar gestifteten Theodor-Heuss-Kulturpreis.
Meister der Charaktere
Seine herausragende Stimme wird der junge Tenor in diesem Sommer unter anderem bei seinem Debüt bei den Berliner Festspielen und bei den BBC Proms unter Sir John Eliot Gardiner hören lassen. Bei den Salzburger Festspielen wird Kilsby, den Barbara Baun trefflich als Meister der Charaktere bezeichnete, im August als Iopas und Hylas in „Les Troyens“ von Hector Berlioz mitwirken.