Maske, Schnelltest und Impfen: Welche Maßnahmen die Weinheimer freiwillig ergreifen würden
Die Corona-Pandemie rückt langsam zurück ins Bewusstsein der Weinheimer. In einer Straßenumfrage teilen sie ihre Ansichten über Maßnahmen, persönliche Opfer und die Rolle des Virus in ihrem Alltag.
Das lang vergessen geglaubte Thema „Corona“ rückt wieder ein Stückchen näher. Zwar gibt es aufgrund fehlender Testergebnisse keine wirkliche Übersicht über die Lage. In der 38. Kalenderwoche (bis 24. September) wurden jedoch bislang 7918 laborbestätigte Covid-19-Fälle an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Johannes Nießen, Vorsitzender der deutschen Amtsärzte, mahnt angesichts möglicher Virusvarianten zur Vorsicht.
Aber was für eine Rolle spielt das Thema in den Köpfen der Weinheimer? Maske, Schnelltest oder Lockdown: Welche Maßnahmen sie für sinnvoll halten und welche Opfer sie bereit wären im Namen der allgemeinen Sicherheit zu bringen, war Gegenstand einer Straßenumfrage in der Weinheimer Fußgängerzone.
„Corona ist mehr als eine Grippe“, sagt Jessica Kohl. Die 32-Jährige muss es wissen: „Ich bin oft mit dem Virus in Kontakt gekommen, weil ich bei einem Hausarzt arbeite.“ Den Mundschutz würde sie auch heute grundsätzlich beim Arztbesuch empfehlen. Kohl ist bereits zweimal an Corona erkrankt. „Einmal vor und einmal nach der Impfung.“ Danach hatte sie mit Atemproblemen zu kämpfen. Sie ist sich sicher: „Das Virus geht nicht mehr weg.“ Die 32-Jährige geht im Zweifelsfall lieber mit einem Schnelltest auf Nummer sicher: „Das gibt mir ein gutes Gefühl.“ Als Trainerin der KG Weinheimer Blüten ist sie jedem Kind dankbar, das bei Symptomen einen Test gemacht hat (und bei positivem Ergebnis zu Hause geblieben ist). „Letzte Woche gab es im Training mehrere Ausfälle wegen Covid.“
Der Weinheimer Richard Koob: „Das Ganze wird von den Medien aufgebauscht.“ Es sei mittlerweile doch bekannt, dass das Virus wie eine Grippe ist. „Das soll nicht heißen, dass ich ein Coronagegner bin.“ Er selbst sei einmal geimpft worden. Eine weitere Impfung käme nicht mehr in Frage, da er unter Folgeschäden leide: „Seit der Impfung habe ich Schuppenflechte.“ Die ständige Nachfrage nach dem Impfstatus während der Pandemie setzte ihn unter Druck. Es sei ein politischer Druck, der von den Medien befeuert werde. „Ich finde es ziemlich heftig, was da diskutiert wird.“ Den Mundschutz in Bussen und Bahnen würde er befürworten. Aber andere Maßnahmen – wie den Lockdown – befürworte er nicht. „Die haben selbst gesagt, das hätte nicht sein müssen.“
Die gebürtige Weinheimerin Ursula Kunzelmann (79) und ihr Mann Heinz (91) aus Lampertheim haben keine Angst vor Corona. Vorsichtig sind sie dennoch, um sich und Mitmenschen vor Ansteckungen zu schützen. Dafür würden sie auch Opfer bringen, etwa Maske tragen und sich regelmäßig testen lassen. „Wenn es nötig ist, machen wir das“, sagt die 79-Jährige. Auch momentan nutzt sie hin und wieder Schnelltests, um auf Nummer sicher zu gehen. Einem Lockdown steht das Ehepaar eher skeptisch gegenüber. Obwohl der 91-jährige Gatte zugibt: „Nur so konnten wir das damals eindämmen.“ Nächste Woche lasse er sich impfen. „Ich bin fünfmal geimpft“, sagt er stolz.
„Ich bin dreimal geimpft und würde mich wieder impfen lassen“, sagt Dr. Renate Breithecker. Die 66-Jährige aus der Zweiburgenstadt ist bisher einmal an Corona erkrankt. Es war ein leichter Verlauf, „ich war nur zwei Tage im Bett“. Sie sei dreimal geimpft worden, habe den Stoff auch gut vertragen und keine Spätfolgen gehabt. „Ich kenne Menschen, die unter Long-Covid leiden. Es ist wichtig, sich und andere zu schützen.“ Bei einem erneuten Lockdown hätte sie vor allem Angst, wieder ihre Enkelkinder nicht sehen zu können.
„Ich mache mir keine Gedanken um Corona. Ich nehme es wie einen Schnupfen“, sagt die 55-jährige Susanne Kißler aus Weinheim. Sie ist bisher nur einmal an Corona erkrankt. Sie misst dem Thema Corona heute wenig Bedeutung bei. Von den bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie halte die 55-Jährige nicht viel. Und von erneuten Beschränkungen? „Wenn die Welt zusammenbricht: ja. Wenn es nicht nötig ist – dann nein, danke.“ Über die Möglichkeit eines erneuten Lockdowns habe sie sich bisher gar keine Gedanken gemacht. „Ich lebe einfach.“
Der 25-jährige Alessandro Schwarzenberger hatte einmal Corona. Unter den Nachwirkungen habe er eine ganze Weile gelitten. „Meine Ausdauer“, präzisiert der Weinheimer. „Angst vor Corona habe ich aber keine. Das ist jetzt ein Jahr her. Ich bin wieder fit.“ An Maßnahmen lehnt er vor allem die Ausgangsbeschränkungen ab. „Das war schlimm. Ich wusste nie, wann ich mit meinem Hund rausgehen konnte.“ Wenn es mit Corona wieder richtig losgehen würde, könnte er sich vorstellen, in Innenräumen wieder Maske zu tragen. Aber er ist überzeugt: „Es wird nicht mehr zum Lockdown kommen.“
Von Loredana Bland