"Mein Herz schlägt für das journalistische Handwerk"
David Schramm kennt vor allem die digitale Welt im Journalismus. KünstIiche Intelligenz verändert auch diese Branche massiv - doch er ist sich sicher, ohne Menschlichkeit wird es nicht gehen.
Weinheim. David Schramm erlebt seit 15 Jahren, wie sich Journalismus verändert. Aus gedruckten Seiten wurden digitale Angebote, aus Redaktionsschluss wurde Dauerbetrieb. Und nun steht der nächste große Wandel vor der Tür. „Die größte Veränderung im Onlinejournalismus ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI).“ Schramm ist 46 Jahre alt, zweifacher Vater und Leiter der Digital-Redaktion bei DiesbachMedien. Seit über einem Jahr gibt er sein Wissen über digitalen Journalismus in der Redaktion weiter. Er tut das in einer Zeit, in der sich vieles grundlegend verändert.
Mehr bieten als KI
„Dinge, für die Menschen vorher viel Zeit brauchten, können nun in Sekundenschnelle erledigt werden.“ Im emsigen, immer digitaler werdenden Redaktionsgeschäft ist das ein großer Vorteil. Doch eine universelle Lösung bietet die KI nicht. Entscheidend sei, wo die KI wirklich entlastet und wo die Redaktion noch ganz genau hinschauen muss. Der rasante Wandel der Technik gibt dem erfahrenen Digital-Redakteur durchaus zu denken. „Wir müssen lernen, als Menschen in diesem Beruf relevant zu bleiben.“ Als Journalist bedeutet das: einordnen, auswählen, zweifeln, nachfragen und Verantwortung übernehmen. Was im ersten Moment völlig selbstverständlich klingt, wird beim Blick auf eine KI, die immer mehr selbstständig ausführt, umso wichtiger. Schramm betont: „Wir müssen lernen, den Lesern die menschliche Leistung in unserem Geschäft klarer zu machen und am Ende mehr bieten, als beispielsweise Texte, die von einer KI geschrieben werden.“ Dabei geht es um persönliche Gespräche und Eindrücke oder eben Emotionen, die die KI nicht abbilden kann wie ein Mensch.
Tag des Lokaljournalismus
Der Tag des Lokaljournalismus findet am 5. Mai statt und wird 2026 zum zweiten Mal begangen.
Ziel ist es, die Bedeutung von lokalem Journalismus für Orientierung, Vertrauen, Zusammenhalt und demokratische Teilhabe sichtbar zu machen.
2026 beteiligen sich erstmals regionale Medienhäuser aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg gemeinsam.
Hinter der Initiative stehen IPPEN.MEDIA sowie die dpa und Highberg als Partner des Verlagsprojekts DRIVE.
Insgesamt haben sich dem Aktionstag schon über 100 Medienmarken angeschlossen.
Der Aktionstag steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission. Diese betont die Rolle freier, vielfältiger und verlässlicher Medien als Grundlage gesellschaftlicher Teilhabe.
Zusammenarbeit statt Konkurrenz
Dass diese Aufgabe groß ist, weiß Schramm. Printauflagen gehen zurück, Verlage müssen im Digitalen bestehen. Für ihn ist eine zentrale Frage, wie Online-Journalismus wirtschaftlich tragfähig werden kann. „Wir müssen Menschen exklusive und relevante journalistische Inhalte anbieten, die ihnen so wichtig sind und bleiben, dass sie bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen. “ Schön sei, dass anders als noch vor einigen Jahren der Konkurrenzkampf zwischen den Verlagen weniger geworden ist. Mittlerweile gibt es Zusammenschlüsse von Zeitungshäusern, die gemeinsam an Lösungen arbeiten, um den Journalismus in die Zukunft zu tragen. Zahlreiche Daten zeigen heute deutlich genauer, welche Themen online funktionieren und welche nicht. So sei es einfacher zu bewerten, welche Inhalte die Leser interessieren und welche Arbeitsweisen funktionieren.
„Es bereitet mir große Freude, mit den Menschen im Betrieb für Erfolg zu arbeiten.“
Ein Anker in einer Zeit der Unruhe und auch Verunsicherung ist für den Online-Redakteur die Familie. Die Verantwortung für sie hilft ihm, den Blick zu ordnen und auch einmal abzuschalten. Wenn das nicht gelingt, findet Schramm Abstand auf dem Basketballfeld oder auf dem Fahrrad. Dort wird der Kopf freier. Was ihn dennoch jeden Morgen antreibt, ist die gemeinsame Arbeit mit den Kollegen. „Es bereitet mir große Freude, mit den Menschen im Betrieb für Erfolg zu arbeiten.“ Besonders schön sei es, an Themen mitzuwirken, die online viele Menschen ansprechen. Für ihn ist es eine persönliche Herausforderung, dabei zu helfen, die Zukunft eines Medienunternehmens mitzugestalten. Die Leidenschaft für den Journalismus zeigt sich bei Schramm beim Schreiben von Texten und in der Produktion von Filmen. Als Redaktionsleiter hat er nur noch wenig mit dem eigentlichen Erstellen von Inhalten zu tun. Wenn er aber doch mal die Möglichkeit bekommt, dann „spüre ich immer, dass mein Herz nach wie vor für das journalistische Handwerk schlägt“. Angst, dass sein Beruf verschwindet, hat Schramm nicht. Dafür glaubt er zu sehr an die Bedeutung für Gesellschaft und Demokratie. Er betont: „Ich wünsche mir, dass wir in zehn Jahren auf unsere Branche schauen und immer noch sagen können, dass wir den schönsten Beruf der Welt haben.“
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