Weinheim

Mit der „Ente“ über die Alpen: Zwei Weinheimer und ihr Abenteuer

Dirk und Sabine Heyden aus Weinheim-Lützelsachsen haben mit ihrem Citroën 2CV die „Route des Grandes Alpes“ bezwungen. Die beiden sind nach ihrer Ankunft in Deutschland noch immer von der Freundlichkeit der Menschen begeistert, die sie unterwegs getroffen haben.

Mit 1967 Metern vergleichsweise moderat: der Cormet de Roselend kurz vor dem 2764 Meter hohen Col de l’Iseran – dem höchsten Pass der französischen Hochalpenstraße. Unser Bild zeigt Dirk Heyden, wie er mit seiner „Ente“ über die Alpen fährt. Foto: privat
Mit 1967 Metern vergleichsweise moderat: der Cormet de Roselend kurz vor dem 2764 Meter hohen Col de l’Iseran – dem höchsten Pass der französischen Hochalpenstraße. Unser Bild zeigt Dirk Heyden, wie er mit seiner „Ente“ über die Alpen fährt.

Was für ein verrücktes Projekt: Das Lützelsachsener Ehepaar Dirk und Sabine Heyden (beide 62) hat mit seinem Citroën 2CV – im Volksmund auch „Ente“ genannt – in acht Tagen die „Route des Grandes Alpes“ bewältigt und auf der Reise insgesamt etwa zwei Dutzend Hochalpenpässe bezwungen. Rund 20 000 Höhenmeter durch die gesamten französischen Alpen bis zum Mittelmeer ließ man hinter sich und das, ohne eine einzige Panne. Das Gefährt, mit dem die Weltenbummler unterwegs waren, ist 1982 vom Band gelaufen – somit also ein echter Oldtimer – und wurde 2019 als Modell „Dolly“ neu aufgebaut.

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Kilometer null: Sabine und Dirk Heyden am Startpunkt der „Route des Grandes Alpes“ in Thonon-les-Bains am Genfer See. Foto: privat
Kilometer null: Sabine und Dirk Heyden am Startpunkt der „Route des Grandes Alpes“ in Thonon-les-Bains am Genfer See.

Mit 29 PS unterwegs

Mit seinen 29 PS legte es auf der insgesamt zweieinhalb wöchigen Reise von Lützelsachsen nach Menton und zurück entlang der „Route Napoléon“ knapp 3400 Kilometer zurück, alleine etwa 1200 Kilometer ging es durch die Alpen. „Es war schon immer ein Traum für uns, diese Tour zu machen“, sagt der selbstständige Fachjournalist kurz nach der Rückkehr. Vor vier Jahren hatten die beiden die „Ente“ gekauft. „Seitdem haben wir auf den richtigen Moment gewartet.“ In diesem Sommer war es dann endlich so weit.

Fotostopp an einem großen Lavendelfeld in der Nähe der Gorges du Verdon (Alpes-deHaute-Provence). Foto: privat
Fotostopp an einem großen Lavendelfeld in der Nähe der Gorges du Verdon (Alpes-deHaute-Provence).

Einige Pässe mit engen Kehren und steilen Anstiegen seien nur im ersten Gang zu bewältigen gewesen. Da musste „Dolly“ auch schon das eine oder andere Mal richtig zeigen, was sie kann. Der luftgekühlte Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor mit Frontantrieb ging dabei mehrere Male an seine Grenzen. Die Entdeckung der Langsamkeit war hier Programm, denn oftmals war mehr als Schrittgeschwindigkeit gar nicht drin.

„Wer auf dieser Strecke unterwegs ist, erlebt unvergleichliche Natur“

Die Route führte die beiden von Thonon-les-Bains am Genfer See bis nach Menton an der Côte d’Azur. Neun Pässe hatten ihren höchsten Punkt bei über 2000 Metern. Überquert wurden unter anderem der Col de l’Iseran (2764 m), der Col du Galibier (2645 m), der Col de la Cayolle (2326 m) und der Col d’Izoard (2360 m). Letzterer stand bei einer durchschnittlichen Steigung von rund acht Prozent gleich 36 Mal auch im Programm der Tour de France. „Die einzigartige Landschaft hat ihn zum schönsten Pass auf unserer Tour gemacht“, schwärmt Sabine Heyden noch immer von den tiefen Schluchten und den einzigartigen, schneebedeckten Felsformationen neben der Straße. In der Tat: „Wer auf dieser Strecke unterwegs ist, erlebt unvergleichliche Natur“, heißt es in einem Reiseführer – zu Recht. Das weite Alpenpanorama, imposante Gipfel, Strecken, die sich die Berge hinauf- und hinabschlängeln – ein Traum. „Und diesen Traum haben wir nicht nur geträumt, sondern ihn gelebt und im Sinne des Wortes erfahren“, blickt Dirk Heyden zurück.

Die „Route des Grandes Alpes“ sowie die Gegenden links und rechts der Strecke haben einiges zu bieten. Türkisblau schimmernde Bergseen wie den Lac de Roselend oder der Lac du Mont Cenis, beeindruckende Schluchten wie die Gorges de Daluis oder die zahlreichen malerischen Bergdörfer, die oft versteckt hoch oben auf Felsvorsprüngen thronen. „Wir haben auf unserer Tour wirklich nur nette Leute kennengelernt“, erinnert sich Sabine Heyden noch gut an viele freundliche Begegnungen mit Radfahrern, Motorrad-Gruppen, Cabrio-Clubs und Einheimischen.

Sabine Heyden genießt den fabelhaften Ausblick in den Bergen. Foto: privat
Sabine Heyden genießt den fabelhaften Ausblick in den Bergen.

Daumen hoch für die „Ente“

Auch wenn die Lützelsachsener mit ihrer „Ente“ bei den Anstiegen eher „lahm“ unterwegs waren, habe es nie Probleme gegeben – im Gegenteil. „Man hat uns zugewunken und bei den Ankünften auf den Passhöhen beklatscht. Die Menschen in der Alpenregion waren sehr zuvorkommend und haben sich gefreut, wenn sie uns mit unserem französischen Oldtimer gesehen haben. Meistens gab es auch einen Daumen nach oben.“ Allerdings verlangten die teilweise sehr engen und nicht immer asphaltierten und optimal ausgebauten Straßen den beiden einiges an Konzentration ab.

Abseits der „Route des Grandes Alpes“ und kurz vor dem 2808 Meter hohen Cime de la Bonette. Foto: privat
Abseits der „Route des Grandes Alpes“ und kurz vor dem 2808 Meter hohen Cime de la Bonette.

Bestens auf Erlebnistour vorbereitet

Natürlich war man bestens auf diese Erlebnistour vorbereitet – genügend Zeit hatten die beiden ja. Hotels und Unterkünfte hatte Sabine Heyden vorher bereits alle im Internet gebucht, die Route und Nebenstrecken wie nach Annecy oder zum 2808 Meter hohen Cime de la Bonette sorgsam geplant und auf der Karte eingetragen, und nachdem die Rückbank ausgebaut war, fanden Gepäck, Picknickausrüstung und etwas Proviant ihren Platz. „Zwei Koffer haben uns gereicht“, so die beiden. Ebenfalls an Bord waren Werkzeug und Ersatzteile – für den Fall der Fälle, der aber nicht eingetreten ist. Die erwachsenen Kinder der beiden, Marco und Monique, hatten mit solch einem Vorhaben ihrer Eltern eigentlich längst schon gerechnet, denn seit jeher sind die beiden sehr abenteuerlustig. Vor allem in Afrika kennen sie sich nach vielen Safaris, die sie auf eigene Faust unternommen haben, bestens aus.

Uganda haben sie von Nord bis Süd durchfahren, den Krüger-Nationalpark in Südafrika haben sie mehrmals – auch solo – bereist. Eine Safari in Tansania folgt im Oktober. Und nächstes Jahr geht es zu zweit mit dem Allrad-Camper alleine durch Botswana. Doch das „AlpenAbenteuer“ mit ihrer „Ente“ sei noch einmal eine ganz andere Hausnummer gewesen und hat Lust auf mehr gemacht. In ein paar Wochen geht es deshalb mit „Dolly“ in die Normandie – und auch Zentralfrankreich, die Pyrenäen und Südtirol wollen die beiden in absehbarer Zeit im 2CV bereisen.