Moment Mal: "Sätze wie Ballerinas"
Unsere Autorin erklärt, warum sie "lass uns mal"-Sätze aus ihrem Wortschatz verbannen will und welche Alternativen man verwendet könnte.
Kürzlich habe ich eine Bekannte im Supermarkt getroffen; wir waren fast befreundet, als unsere Kinder noch klein waren, dann haben wir uns aus den Augen verloren, als sie größer wurden. Am Ende des Gesprächs habe ich doch einen dieser „Lass uns mal“-Sätze verwendet, die ich eigentlich aus meinem Wortschatz verbannen will. Denn sie sind die Ballerinas unter den Absichtserklärungen. Frauen wissen, was ich meine, also hier für die Männer: Ballerinas sind Schuhe, die bequem aussehen, es aber nicht sind, weil man einfach keinen Halt darin hat. Man schlappt bei jedem Schritt heraus; während sich die Zehen vergeblich im glatten Leder verkrallen, wird die Ferse vom ständigen Reiben am Schuh wund.
So vordergründig verbindlich sind auch manche Aussagen. „Lass uns mal weggehen“ wird genauso gerne dahingesagt wie „Meld dich, wenn ich helfen kann“ – beides verbunden mit der klammheimlichen Angst, der andere könnte darauf zurückkommen. Manche geben auch gerne vage Versprechungen wie „Das nächste Bier geht auf mich“, und auf Flohmärkten hört man sehr oft: „Ich muss es mir noch überlegen.“ Sie täuschen niemanden: Der Flohmarktverkäufer weiß, dass das einen Abgang einleitet, und der Hilfsbedürftige hat gerade eine Absage bekommen. Noch radikaler sieht man das in den USA, wo „Lass uns mal telefonieren“ für „Ein schönes Leben noch“ steht – ein hübscher Code, ein Drumherum, ganz so wie ein Ballerina, der auch nichts trägt. Klar, oft sagt man solche Dinge aus Verlegenheit. Gibt es vielleicht Alternativen? Da experimentiere ich noch. „Schön, dich getroffen zu haben“ vielleicht, oder einfach „Alles Gute“? Ich bleibe dran.