Neuanfang mit 50+?: Hirschbergerin zeigt Frauen, wie sie es schaffen können
Eva Falkenstein hat ihr Leben nach einer schweren Krise komplett neu ausgerichtet. Zum Jahresende veröffentlicht sie ihr Mut-mach-Buch, mit dem sie anderen Frauen zeigen möchte, wie sie den Neuanfang wagen können.
Hirschberg. Sie versteht sich als Coachin, Autorin und Wegbegleiterin und wird Ende des Jahres das „Mut-mach-Buch für Frauen, die einen Neuanfang wagen“ im Selbstverlag herausbringen. Eva Falkenstein. Sie ist Jahrgang 1962, zum dritten Mal verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. „Mit 42 Jahren erhielt ich die Diagnose Krebs, und alles geriet aus den Fugen“, sagt sie. „Krebs klang für mich nach Tod. Aber ich wollte doch leben.“ Statt sich beruflich neu zu orientieren – das wäre ihr eigentlicher Plan gewesen –, ging es damals erst einmal zur Chemo. Die Ehe lag in Scherben. „Ich habe irgendwann für mich festgestellt, dass ich so einfach nicht weitermachen kann und auch nicht weitermachen will“, erinnert sich Falkenstein.
Leben wie im Bilderbuch?
Dabei hatte eigentlich alles als Bilderbuchleben angefangen. Ihren zweiten Mann lernte Eva Falkenstein beim Tanzen kennen. Das Paar heiratete, bekam bald Kinder – die Rollen waren klassisch verteilt. Sie kümmerte sich um die Familie, hielt ihm den Rücken frei. „Ich merkte zunehmend, dass ich in dieser Rolle eigentlich nicht glücklich bin“, erinnert sich Falkenstein heute. „Es geht doch vielen Frauen so. Für die Vision der perfekten Ehe, der perfekten Familie werden die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinten angestellt.“
Die Krebserkrankung sei daher ihr Weckruf gewesen. Denn sie öffnete schließlich die Augen. Der Krebs habe sie wachgerüttelt. Trotz Chemo spürte sie hier endlich die Leichtigkeit, die sie sonst so vermisst hatte – in der Interaktion mit den anderen Patienten, später in der Reha. „Ich konnte in der Gemeinschaft mit anderen endlich lachen. Selbst wenn ich nur nach dem Essen den Espresso auf der Terrasse genoss, statt sofort die Küche aufzuräumen, spürte ich ungeahnte Leichtigkeit und Freude.“
Ein radikaler Neuanfang
Gedanklich setzte sich die zweifache Mutter damals immer mehr mit sich und ihrem Leben auseinander, hinterfragte alles, suchte den Sinn. Eva Falkenstein begann auszusortieren, was ihr nicht guttat: Gewohnheiten, Menschen. Sie reichte die Scheidung ein, nahm ihr Leben endlich selbst in die Hand. Mit diesen Erfahrungen möchte sie anderen Mut machen. „Es war eine furchtbare Zeit. Aber sie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.“ Irgendwie ist die Beraterin deshalb auch dankbar.
Neue Wege als Mentaltrainerin
Sie machte eine Ausbildung zur Mentaltrainerin, eröffnete 2018 ihre eigene Coaching-Firma (www.evafalkenstein-mentalcoach.com): „Heute begleite ich andere Frauen 50+ in eine großartige zweite Lebenshälfte. Deutschlandweit und ortsunabhängig per Online-Coaching.“ Denn die Expertin weiß: Je älter der Mensch wird, desto eher erkennt er, was in ihm selbst steckt. Mut und Glück würden eng beieinanderliegen, sagt sie.
Ein Buch mit vielen Perspektiven
An einigen Büchern hat sie schon mitgewirkt. Dieses Jahr bringt sie nun ihr eigenes auf den Markt. Neben den Erfahrungen Falkensteins sind darin Beiträge von Psychologen, Ärzten und Therapeuten zu finden. „Vor allem aber viele Tipps von mir“, so die Hirschbergerin, die die Gemeinde ihre Wahlheimat nennt. Weil sie in ihrem eigenen Leben aufgeräumt hat, hat sich auch das Umfeld wieder eingerenkt.
In ihrer dritten Ehe ist Eva Falkenstein glücklich. Was nicht heißt, dass man immer einer Meinung ist. Falkenstein ist sehr modisch, liebt ihre zerrissenen Jeans zu Sakko und Stiefeln. „Mein Mann sagt, ich sei zu alt dafür. Aber das sehe ich anders“, erklärt sie augenzwinkernd und möchte auch damit anderen Mut machen, zu sich selbst zu stehen.