Neubauten auf der grünen Wiese gehen gar nicht
Das Bündnis Bodenschutz gehen mit den Hirschberger Plänen zum Neubaugebiet hart ins Gericht. Ein Experte meldet sich zu Wort.
Seit Jahren wird in Hirschberg über ein Neubaugebiet diskutiert. Die Gemeinderatsmehrheit aus Freien Wählern, CDU, FDP und SPD steht dahinter; die Grüne Liste Hirschberg lehnen es hingegen ab. Ende Juli präsentiert Fachleute eine Analyse zum Bedarf vor: Demnach sollten bis zum Jahr 2040 370 Wohnungen entstehen.
Als eines der favorisierten Gelände für das Neubaugebiet gilt das Gewann „Rennäcker“ in der Nähe des Hilfeleistungszentrums in Leutershausen. Das Bundesbündnis Bodenschutz aus Weinheim hat sich nun in einer Presseerklärung zu Wort gemeldet. Darin heißt es: „Das Klima ist in aller Munde. Doch auch in Hirschberg plant man weiter Neubaugebiete auf der ‚grünen Wiese’, obwohl bessere Alternativen möglich sind. In der Kommunalpolitik zählt vielerorts immer noch Quantität vor Qualität: Wachstum muss her, notfalls um fast jeden Preis.“ In der „Infoveranstaltung“ zum Wohnraumbedarf präsentierten laut Pressemitteilung Hirschberg Vertreter von Gemeinde, Regionalverband und einer Stadtentwicklungsfirma mit wenig überzeugenden Argumenten ein Konzept, das weiteren Flächenverbrauch bedeuten würde. Als wesentlichen Grund für den Bauplan nannten die Veranstalter einen Bedarf von 370 neuen Wohneinheiten in Hirschberg bis 2040. Erstaunlich, denn das Statistische Landesamt rechne für diesen Zeitraum mit gerade mal 60 zusätzlichen Einwohnern. Hinzu komme: Die neuen Wohnungen sollten auf der ‚grünen Wiese’ entstehen, statt auf innerorts reichlich verfügbaren Flächen.
Neue Pläne, alte Fehler
Seit Jahren leiden Ortsmitten unter der Abwanderung von Läden und Infrastrukturen an die Ortsränder und ins Internet, so das Bündnis. Stadtplaner setzten auch deshalb längst auf die Wiederbelebung der Innenstädte, auf bauliche Verdichtung der Ortskerne samt kurzer Wege für Bewohner. Hinzu komme: „Wer innerorts wohnt und einkauft, braucht oft kein Auto mehr. Straßen und Parkräume können Kosten sparend schlanker ausfallen, Lärm und Luftverschmutzung nehmen ab.“
Weiterer Aspekt: Die wachsende Zahl älterer Bürger brauche zunehmend Wohnungen, von denen aus tägliche Besorgungen ohne lange Wege möglich sind. Kleinere, barrierefreie Wohnungen seien gut darstellbar auch durch Umbau innerörtlicher Flächen, was zusätzlich erhebliche CO2-Einsparungen im Vergleich zu Neubauten mit sich bringt. Die Zeche würden die Bürger – und, mal wieder, das Klima zahlen.
Steuerzahler wird belastet
Bei Neubau-Planungen werden erhebliche Lasten für die Gemeindekassen ignoriert, wie der Hirschberger Gemeindefinanzierungsexperte Dr. Thilo Sekol in einem Buch und jüngst auch in einer ARD-Sendung vorrechnete: Teure Erschließungsmaßnahmen würden an den Steuerzahlern hängenbleiben. Hinzu kämmen die ignorierten Schäden durch Flächenversiegelung. „Lebendige Böden sind wichtige Kohlenstoffspeicher und Kaltluft-Entstehungsflächen. Schon heute ist sommerliche Hitze zu einer wesentlichen Todesursache geworden. Und Landwirte warnen, dass Existenzen bedroht sind, wo nicht mehr genug Flächen zur Verfügung stehen.“
Volksantrag auf den Weg gebracht
Unter der Überschrift „Ländle leben lassen– gegen den Kommunalen Flächenfraß“ haben daher über 20 Verbände aus Naturschutz und Landwirtschaft, so auch das Bundesbündnis Bodenschutz, einen gemeinsamen Volksantrag auf den Weg gebracht. Ziel: Landschaft bewahren, statt Zukunft verbauen. Wer für den Erhalt der Naturräume und landwirtschaftlichen Flächen eintreten will, wird gebeten, diesen Volksantrag unterstützen.
Weitere Infos zur Initiative gibt es im Internet unter www.laendle-leben-lassen.de; www.bundesbuendnis-bodenschutz.de; Kontakt: info@bundesbuendnis-bodenschutz.de