Hemsbach

Neue Waldkindergartengruppe für Hemsbach 

Der Bauwagen oberhalb der Förster-Braun-Hütte wurde für weitere Waldgruppe in Betrieb genommen.


Matthias Kranz
von Matthias Kranz

06.11.2024


Der neue Bauwagen wurde von den "kleinen Füchsen" begeistert begutachtet. Foto: Thomas Rittelmann
Der neue Bauwagen wurde von den "kleinen Füchsen" begeistert begutachtet.

Die Kinder wissen irgendwie um die Wichtigkeit der Angelegenheit. Auf die Frage von Pfarrerin Birgit Risch, ob ihnen der neue Bauwagen gefalle, antworten sie mit einem vielstimmigen „Jaaa“. Das sagen sie allerdings auch vom Inneren des Bauwagens, den sie bislang nur durch einen Blick von außen durch die Scheibe gesehen haben, wie die Erzieherin und künftige Leiterin des Waldkindergartens, Birgit Kadel, „petzt“. Egal: Gestern wird der neue Bauwagen oberhalb der Förster-Braun-Hütte eingeweiht und auch gleich in Betrieb genommen. Und darüber freuen sich alle Beteiligten, immerhin haben Platzwahl, Baugenehmigung, Betriebserlaubnis und Herrichtung des Platzes zweieinhalb Jahre gedauert, wie der städtische Fachbereichsleiter Tobias Schork überschlägig vorrechnet.

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Ein wenig Zeit ist dabei wohl auch verstrichen, bis sich Stadt Hemsbach und evangelische Kirche auf ein Gesamtpaket geeinigt haben. Das erfährt die Einweihungsgruppe so nebenbei aus einer Äußerung Schorks. Der Waldkindergarten ist bislang eine Einrichtung des evangelischen Bonhoeffer-Kindergartens, wird künftig aber unter Trägerschaft der evangelischen Kirche selbstständig sein. Die Kirche will sich nämlich aus dem Bonhoeffer-Kindergarten zurückziehen.

Kindergartengebäude verkauft

Die Stadt hat zwischenzeitlich das Gebäude des Kindergartens an der Ahornstraße erworben, wie Bürgermeister Jürgen Kirchner bestätigt; einen Kaufpreis will er aber nicht nennen. Das Grundstück war ohnehin schon städtisch. Eltern brauchten sich keine Gedanken machen, setzen Pfarrerin Risch und Kirchner unisono hintendrein. Der Betrieb der zweigruppigen Einrichtung mit ihren aktuell 45 Kindern gehe ganz normal weiter – bis auf Weiteres, aber nicht auf Dauer unter Regie der evangelischen Kirche. Der Fusionsprozess in der evangelischen Kirche ist in vollem Gange und macht auch vor Kindergarteneinrichtungen nicht halt.

Die Stadt will die neu erworbene Einrichtung jetzt in die Diskussion über einen Kindergartenneubau einbringen, der auf dem nahen Alla-hopp-Gelände angedacht war, sagt Kirchner und überlässt alles Weitere der Fantasie seiner Zuhörer. Heißt das, dass über eine bauliche Vergrößerung des Bonhoeffer-Kindergartens oder gar einen Abbruch und vergrößerten Neubau an gleicher Stelle nachgedacht wird? „Darüber müssen wir jetzt reden“, sagt Kirchner und verweist auf den Gemeinderat als Entscheidungsorgan.

Acht Anmeldungen für neue Gruppe

Unbestritten ist, dass die Stadt beim Angebot von Kindergartenplätzen „eng unterwegs“ ist, wie Schork sagt. Die Einrichtung einer neuen Waldgruppe kam daher zur rechten Zeit. Die bestehende Gruppe der „kleinen Wölfe“ wird mit 20 Kindern mittlerweile gut angenommen. Die neue Gruppe ist zunächst auf zehn Kinder ausgelegt. Acht Kinder seien bereits angemeldet, sagt Leiterin Kadel. Langfristig sollten die „kleinen Füchse“ ebenfalls auf 20 Kinder anwachsen. Der Bestandsbereich an der Zufahrt zur Förster-Braun-Hütte und das neue Areal weiter oben sieht das Betreuungsteam dabei als Einheit.

Herzstück der zweiten Waldgruppe in Hemsbach ist ein neuer Bauwagen, der gestern in Betrieb genommen wurde. Foto: Thomas Rittelmann
Herzstück der zweiten Waldgruppe in Hemsbach ist ein neuer Bauwagen, der gestern in Betrieb genommen wurde.

Auch Markus Krumbein, Geschäftsführer der Firma Martens Forsttechnik aus Bensheim-Auerbach, nimmt an der Einweihung teil. Seine Firma hat den 108 000 Euro teuren Bauwagen in den letzten Monaten gebaut und vor etwa einem Monat mit dem Unimog an seinen Standort gebracht. Es ist das größte Modell, das das Unternehmen anbietet und misst zwölf auf 2,80 Meter. Ein großer Aufenthaltsbereich mit kleinen Tischen, Bänken und Hockern bilden das Herz des Wagens, der auch eine Küche enthält und, abgetrennt vom Rest, einen Wickelraum und eine Bio-Toilette. Der Bauwagen verfügt wie auch die beiden Wagen weiter unten über einen Strom- und Wasseranschluss und kann über eine elektrische Heizung warm gehalten werden. Um die Leitungsarbeiten und die Vorbereitung des Platzes, der noch eine Einfriedung aus natürlichen Materialien erhalten wird, kümmerte sich der städtische Bauhof in Person von Thomas Eitel und Felix Leib. Für Tiefbau und Elektrik entstanden nochmals rund 25 000 Euro Kosten, wie der städtische Mitarbeiter Frank Kinzel erklärt, der die Maßnahme zusammen mit seiner Kollegin Christine Hörr betreute.

Bauwagen erobern

Soviel zu Daten und Zahlen. Für die Kinder sind diese zugegebenermaßen nicht so bedeutend. Sie nehmen gestern Morgen Bürgermeister Kirchner beim Wort und „erobern“ den Bauwagen. Aber weil sie Waldkinder sind und das Wetter gestern eigentlich viel zu gut ist, um die Zeit in einem Wagen zu verbringen, zieht es sie bald wieder raus in die Natur und auf den gegenüberliegenden Spielplatz an der Förster-Braun-Hütte.