Obdachlose Rentnerin: Fehlanzeige bei der Wohnungssuche
Das Schicksal von Susanne Burger trifft auf große Anteilnahme. Warum noch kein Auszug aus dem Weinheimer Obdachlosenheim in Sicht ist.
In den zurückliegenden Tagen standen zahlreiche Wohnungsbesichtigungen auf dem Programm von Susanne Burger. Doch bisher vermeldet die 73-jährige Rentnerin: Fehlanzeige. „Es war einfach nichts dabei, das gepasst hat“, erklärt sie auf Nachfrage unserer Redaktion. Nach der Kündigung ihrer Wohnung in Hohensachsen wegen Eigenbedarfs lebt sie seit September in einer Obdachlosenunterkunft in Weinheim – für sie ein haltloser Zustand (wir haben berichtet).
Die Anteilnahme nach dem Aufruf in unserer Zeitung war enorm – in den sozialen Medien wurde das Schicksal der Weinheimerin, die sich aufgrund ihrer kleinen Rente die hohen Mietpreise nicht leisten kann, bedauert, aber nicht nur: Es gingen auch konkrete Wohnungsangebote ein. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Susanne Burger. Ein Umzug ist jedoch weiterhin nicht in Sicht.
Nicht das Passende dabei
Bisher haperte es an der geeigneten Wohnung. Burger: „Entweder waren die Nebenkosten zu hoch oder die Wohnung hat einfach nicht dem entsprochen, was ich suche.“ Ebenerdig sollte das neue Domizil sein, „weil ich es mit den Knien habe“. Schließlich sucht die Rentnerin einen langfristigen Alterssitz. „Treppen bis zu einer Wohnung unter dem Dach – das geht in ein paar Jahren nicht mehr.“
Außerdem beschreibt sich Susanne Burger als Naturmensch. Gerne würde sie sich bei einer neuen Bleibe in die Gartenarbeit mit einbringen. In ihrer Souterrainwohnung in Hohensachsen, in der sie zwölf Jahre lebte, hatten sie und ihre Katzen, die sie im Tierheim abgeben musste, Zugang zum Garten. Burger: „Ich kann nicht ohne.“ Auch eine möblierte Wohnung kommt für Susanne Burger nicht infrage. Ihre eigenen Möbel hat sie eingelagert – für 100 Euro im Monat. „Die möchte ich natürlich mitnehmen“, sagt sie.
Weiteren Angebote im Haus älterer Menschen erteilte Susanne Burgen ebenfalls eine Absage. „Da geht es oft um Pflege, aber ich habe doch gar keine medizinischen Kenntnisse“, erklärt die Rentnerin, die sich einer solchen Aufgabe nicht gewachsen sieht. Kleines Schmankerl am Rande: Auch amouröse Avancen erreichten die attraktive Rentnerin – inklusive Komplimente zu ihrem Aussehen. Aus Frankfurt meldete sich ein Mann, der ihr ein Leben in Saus und Braus in Aussicht stellte. Burger: „Aber ich suche doch keinen Mann, sondern eine Wohnung.“
Hat die obdachlose Rentnerin also zu hohe Ansprüche? Susanne Burger entgegnet: „Ich kann doch nicht einfach in eine Wohnung ziehen, die nicht für mich geeignet ist. Es muss doch für beide Seiten passen. Gerade in meinem Alter suche ich etwas Langfristiges und will nicht in ein paar Jahren schon wieder umziehen.“
Die Suche geht weiter
650 Euro Warmmiete könnte Burger höchstens ausgeben. Das ist zwar die Höhe ihrer kargen Rente, aber die Zuzahlung durch das Sozialamt macht’s möglich. Selbst für diese Summe ist nur schwer etwas zu finden. „Ich war schon bei Wohnungsbesichtigungen mit 100 Interessenten und bin leer ausgegangen“, berichtet sie resigniert. Die Suche geht also weiter.