Weinheim

Kein Geld für Miete: Weinheimer Rentnerin wird obdachlos

Nach der Kündigung ihrer Wohnung lebt die 73-jährige Susanne Burger jetzt in einer Obdachlosenunterkunft. Wie es dazu kommen konnte und was die Stadt unternimmt.

Ihr Leben lang hat Susanne Burger hart gearbeitet, jetzt sind zehn Quadratmeter in einem Obdachlosenheim in Weinheim ihr Zuhause. Sie sucht eine bezahlbare Wohnung. Foto: Thomas Rittelmann
Ihr Leben lang hat Susanne Burger hart gearbeitet, jetzt sind zehn Quadratmeter in einem Obdachlosenheim in Weinheim ihr Zuhause. Sie sucht eine bezahlbare Wohnung.
Zehn Quadratmeter Privatsphäre hat Susanne Burger in einer Sechser-WG. Foto: Thomas Rittelmann
Zehn Quadratmeter Privatsphäre hat Susanne Burger in einer Sechser-WG.

Das Drama begann im Juni 2022, als sie die Kündigung bekam für ihre Souterrainwohnung in Hohensachsen – wegen Eigenbedarfs. Dort hatte sie zwölf Jahre lang gewohnt, für 400 Euro warm, zusammen mit ihren beiden Katzen Mae und Bubele. „Ich habe immer die Miete pünktlich bezahlt, mir nie etwas zuschulden kommen lassen“, berichtet sie. Zunächst hatte sie Hoffnung, zeitnah eine erschwingliche Bleibe zu finden. Doch die Suche per Annoncen im Internet, in Tageszeitungen oder über private Kontakte blieb erfolglos. „Es war einfach nichts zu finden, das ich mir leisten konnte“, sagt sie.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Es war einfach nichts zu finden, das ich mir leisten konnte — Susanne Burger

Mae und Bubele mussten ins Tierheim

Der Auszug war selbst mit Unterstützung durch einen Anwalt des Mieterbundes nicht zu verhindern. Schon wenige Wochen danach stand sie auf der Straße. Mitarbeiter des Ordnungsamtes brachten die 73-Jährige in die Obdachlosenunterkunft in der Bergstraße. Davor lagerte sie ihre Möbel ein. „Dafür zahle ich auch noch 100 Euro im Monat.“ Ihre beiden Katzen musste sie im Tierheim abgeben. Susanne Burger: „Das brach mir das Herz.“

Seitdem wohnt die Rentnerin für 150 Euro auf zehn Quadratmetern, teilt sich Küche und Bad mit fünf anderen Frauen. Das Zusammenleben auf engstem Raum gestaltet sich schwierig. Burger: „Es ist schrecklich hier.“

Sie teilt sich die Küche mit den anderen obdachlosen Frauen. Foto: Thomas Rittelmann
Sie teilt sich die Küche mit den anderen obdachlosen Frauen.

Auch weiterhin ist sie auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung, am liebsten im Odenwald oder in der Pfalz. „In Weinheim ist eh nichts zu bekommen und ich brauche die Natur“, erklärt sie. Gerne würde sie in einem neuen Domizil bei der Gartenarbeit helfen. 650 Euro Warmmiete könnte Burger allerhöchstens ausgeben, die Zuzahlung durch das Sozialamt macht das möglich. Aber auch für diese Summe ist nur schwer etwas zu finden. „Ich war schon bei Wohnungsbesichtigungen mit 100 Interessenten und bin leer ausgegangen“, berichtet sie resigniert.

Ein Silberstreif am Horizont

Susanne Burger will auf keinen Fall aufgeben. Auf Dauer in der Obdachlosenunterkunft zu bleiben, kommt für sie nicht in Frage. Ein kleiner Silberstreif am Horizont ist das aktuelle Angebot, in eine Wohnung nach Hemsbach zu ziehen. Burger: „Das ist aber alles noch nicht spruchreif.“

Die Zahl der Menschen, die an die Türen unseres Ordnungsamtes anklopfen müssen, steigt seit einigen Monaten ständig — Weinheims Pressesprecher Roland Kern

Dass sich im Zuge des Zeitungsberichtes ein Vermieter meldet, darüber würde sich auch die Stadtverwaltung Weinheim freuen. Deren Sprecher Roland Kern: „Denn es ist wirklich sehr traurig, dass es in unserem Staat Menschen gibt, die ihr Leben lang gearbeitet haben und dennoch nicht genügend Geld haben, um sich im Alter eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt leisten zu können.“ Er weiß um die Aufgaben der Kommune, Obdachlosigkeit zu vermeiden. „Dieser Aufgabe kommen wir mit den größten Anstrengungen nach, aber es wird immer schwieriger“, erklärt er. Durch die steigenden Preise gebe es immer mehr Menschen, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können.

Ständig auf der Suche

Kern: „Die Zahl der Menschen, die dann an die Türen unseres Ordnungsamtes anklopfen müssen, steigt seit einigen Monaten ständig. Wir bedauern jedes einzelne menschliche Schicksal, aber wir haben meistens keinen anderen Wohnraum zur Verfügung als in einer Unterkunft, die sich mehrere Menschen teilen müssen.“ Die wenigen freien Wohnungen, die es gibt, werden an Familien vergeben, damit sie nicht getrennt werden müssen. Für die Mitarbeiter seien solche Fälle herzzerreißende Angelegenheiten. „Aber wir haben nicht mehr Wohnraum. Wir würden ihn auch anmieten, aber es gibt ihn nicht. Es wurde schon sehr oft an private Vermieter und Immobilienbesitzer appelliert, aber auch das hat bislang kaum gefruchtet“, so der Pressesprecher.