Weinheim

Schlossparkrestaurant in Weinheim macht schon wieder dicht

Nach nur 18 Monaten wirft Pächterin Juliane Wasser das Küchentuch. Wie geht es jetzt weiter mit Weinheims "Guter Stube"?

Die Nachricht ist frisch, aber bereits jetzt stehen Gäste vor verschlossenen Türen: Das Weinheimer Schlossrestaurant hat den Betrieb eingestellt. Foto: Thomas Rittelmann
Die Nachricht ist frisch, aber bereits jetzt stehen Gäste vor verschlossenen Türen: Das Weinheimer Schlossrestaurant hat den Betrieb eingestellt.

Nach nur 18 Monaten ist Schluss: Das Weinheimer Schlossparkrestaurant schließt mit sofortiger Wirkung. Bereits jetzt stehen Besucher vor verschlossenen Türen. Gastronomin Juliane Wasser, die im April 2023 an den Start gegangen war, wirft das Küchentuch. Dabei hatten Gemeinderat, Verwaltung und auch viele Weinheimer große Hoffnungen in die Pächterin gesetzt, die Weinheims „Gute Stube“ damals aus dem Dornröschenschlaf wachküssen wollte. Schließlich hatte Weinheims Prestigeobjekt zuvor ganze fünf Jahre leer gestanden.

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Zu den Gründen der Schließung erklärte Juliane Wasser: „Die allgemein schwierige Wirtschaftslage, die hinlänglich bekannte Personalsituation, die massiven Energiekosten sowie die überhöhten Heizkosten haben uns letztlich zu der Entscheidung bewogen, diesen Schritt zu gehen.“ Sie habe den Entschluss „schweren Herzens und nach reiflicher Überlegung“ gefasst. In einer kurzen schriftlichen Stellungnahme bedankte sich Wasser bei ihren Mitarbeitern für den Einsatz und bei den Gästen für die Treue.

Am Dienstag war noch kein Hinweis auf die Schließung im Schaukasten des Schlossparkrestaurants zu finden. Foto: Thomas Rittelmann
Am Dienstag war noch kein Hinweis auf die Schließung im Schaukasten des Schlossparkrestaurants zu finden.

Schon im Winter zu

Die Nachricht kommt überraschend, auch wenn eine dreimonatige Winterpause in diesem Frühjahr – nur neun Monate nach der Eröffnung – bereits hatte aufhorchen lassen. Damals hatte sich die Pächterin folgendermaßen zu den Gründen geäußert: „Wir haben uns für eine längere Betriebsruhe entschieden, weil wir festgestellt haben, dass unser Angebot im Sommer sehr beliebt ist, während die Gäste im Winter andere Vorlieben haben. In dieser Zeit ist es maßgeblich, keine Verluste zu verzeichnen, sondern Kosten zu senken, Ressourcen neu zu organisieren, Angebote zu überarbeiten und uns auf die kommende Hochsaison vorzubereiten.“

Foto: Stadt Weinheim

Im gleichen schriftlichen Interview hatte sie außerdem angeführt, dass der Zuspruch im Winter nicht den Erwartungen entsprochen habe. Wasser erklärte schon im Februar: „Während im Sommer der Zuspruch für unser schönes Schloss-Café exorbitant groß ist, treffen sich die Gäste in den dunklen und kalten Wintermonaten lieber in der belebten Altstadt. Daher war es uns wichtig, auf dieses Kundenverhalten zu reagieren und die Betriebsferien zu verlängern, um die Kosten nicht ausufern zu lassen.“

„Großes Bedauern“

Für die Weinheimer Stadtverwaltung als Vermieter war schon die lange Schließung im Januar, Februar und März ein „bedauerlicher Zustand“, der in dieser Form nicht im Vertrag vorgesehen war. OB Just hatte der Pause allerdings zugestimmt, um die Wirtschaftlichkeit des Restaurants nicht zu gefährden. Und auch jetzt drückt die Stadtverwaltung lediglich ihr – wenn auch großes – Bedauern über die endgültige Schließung aus. In einer kurzen Stellungnahme heißt es: „Wir standen mit Frau Wasser stets im engen Kontakt, um die besten Rahmenbedingungen zu ermöglichen.“

Enttäuschte Hoffnungen

In der Hoffnung auf eine langfristige Verpachtung hatte die Stadtverwaltung nicht nur durch Umbaumaßnahmen beste Startvoraussetzungen geschaffen. Sie hatte auch kräftig die Werbetrommel gerührt für eine gastronomische Nutzung, deren Konzept auf mehreren Säulen ruhen sollte: nur tagsüber Café-Restaurant-Betrieb, private Veranstaltungen wie Familienfeiern und Hochzeitsgesellschaften, kulinarische und kulturelle Angebote für private Gesellschaften, aber auch für Firmen und Betriebe. Außerdem spielten Tagungen und Seminare eine Rolle. Ebenso stand ein Picknickangebot im Ursprungskonzept.

Doch das Konzept traf schon damals nicht nur auf Gegenliebe, gerade wegen des fehlenden Restaurantbetriebes am Abend, der bei früheren Pachtverträgen eine große Rolle gespielt hatte. Dennoch erhielt die ehemalige Pächterin der Wachenburg-Gastronomie zusammen mit Arno Kiegele den Zuschlag in einem nicht öffentlichen Verfahren. Der Event-Gastronom und „Macher“ des Mannheimer Oktoberfestes musste sich jedoch aus persönlichen Gründen zurückziehen. Alles in allem keine optimalen Startvoraussetzungen.

Wie kann es jetzt weitergehen?

Die Stadtverwaltung ist voller Hoffnung, bald wieder einen Pächter zu finden. In der Stellungnahme heißt es: „In den vergangenen Monaten haben immer wieder Gastronomen ihr Interesse an einer Übernahme des Restaurants geäußert.“ Das Rathaus ist deshalb zuversichtlich, dass diesmal ein längerer Winterschlaf vermieden werden kann und die „prägende gastronomische Einrichtung für Weinheim und die Region“ erhalten werden kann. „Insbesondere natürlich, was die Räumlichkeiten für Hochzeitsgesellschaften und andere Anlässe angeht.“

Interessenten gesucht

Die Verwaltung freut sich über weitere Interessenten. Für gute Konzepte und Ideen sei sie offen. „Da sich das Restaurant nach einer umfänglichen Sanierung vor wenigen Jahren in einem sehr ansprechenden Zustand befindet, steht einem zeitnahen Weiterbetrieb nichts im Wege“, schreibt die Stadtverwaltung abschließend.

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