Schmutz, Müll und Schrott: Weinheimer Hauptbahnhof bleibt Sorgenkind
Der Weinheimer Hauptbahnhof ist in einem alarmierenden Zustand. Immerhin die elektronische Anzeigetafel funktioniert wieder, nach über einem Jahr Stillstand. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Weinheim. Die gute Nachricht zuerst: Die elektronische Abfahrtstafel im Weinheimer Hauptbahnhof, die über ein Jahr defekt war, wurde nun endlich repariert und funktioniert wieder. Das ist aber die einzige positive Veränderung, die man in den letzten Monaten dort wahrnehmen konnte.
Der Zustand des Bahnhofs ist seit einiger Zeit unbefriedigend, vor allem mangelnde Sauberkeit, aber auch defekte Treppen und Anzeigetafeln werden beanstandet. Nach einem Krisentreffen zwischen der Weinheimer Stadtverwaltung und Vertretern der Deutschen Bahn im November 2024 wurden Verbesserungen versprochen. Durch häufigere Reinigungen sollte sich die Sauberkeit erhöhen, außerdem werde ein Sicherheitsdienst regelmäßige Präsenz zeigen.
Reisende und Pendler machen aber andere Erfahrungen. Es liegt weiterhin überall Dreck und Müll, der offensichtlich nicht von einem Tag stammen kann. Viele Scheiben, Flächen und Müllbehälter wurden scheinbar noch nie abgewischt. Anfassen möchte man hier besser nichts. Bei den Treppen, die erst vor einigen Jahren erneuert wurden, sind mehrere Stufen lose. An einer Anzeigetafel am Bahnsteig ist das Display von der Sonne so ausgeblichen, dass fast nichts mehr lesbar ist. Von der Brücke an der Mannheimer Straße bröckelt der Beton auf den Bahnsteig, sodass dieser dort abgesperrt werden musste, auch vom Treppenhaus am nördlichen Bahnsteig bröckelt der Putz. Am Treppengeländer ist seit Monaten ein defektes Fahrrad angeschlossen und behindert den Weg. Zwei große Aufsteller erklären im Gebäude die längst vergangene Riedbahnsperrung.
Wildpinkler hinterlassen überall ihre stinkenden Spuren und scheuen sich nicht, bei Tageslicht ihr kleines oder sogar großes Geschäft an den Bahnsteigen zu verrichten. Rund um den Bahnhof treffen sich oft Personen, die offensichtlich nicht mit dem Zug oder Bus fahren wollen, aber ihre Spuren nicht nur mit Müll und Leergut hinterlassen. Dieser findet sich in vielen Ecken und neben den Gleisen. Ein Sicherheitsdienst ist äußerst selten zu sehen.
Unterirdische Zustände
In der Unterführung wurden die Wände nur fleckenweise mit weißer Farbe ausgebessert. Der nördliche Durchgang zur Firma Freudenberg macht dagegen einen gepflegteren Eindruck, für diesen ist im Gegensatz zum Rest des Bahnhofs die Stadtverwaltung zuständig. Wegen eines Ausfalls der Beleuchtung musste er gerade für einige Tage gesperrt werden.
Auch das südliche Umfeld des Bahnhofs mit den früheren Bahngebäuden und dem alten Stellwerk geben ein schlimmes Bild ab. Überall liegen Müll und Flaschen, scheinbar wird das Fachwerkgebäude zeitweise von Wohnungslosen genutzt. In den letzten Monaten kam es dort bereits zu zwei Bränden. Das Gelände wird zum Teil von Pendlern zum kostenlosen Parken verwendet, ein Autowrack mit zerschlagenen Scheiben rostet da vor sich hin. Der Fahrradparkplatz am Busbahnhof ist dazu ein beliebtes Ziel von Dieben, wie viele Weinheimer berichten.
Die Bahnsteige des Weinheimer Hauptbahnhof, der diesen Titel erst seit 2018 trägt, wurde in den Jahren 2015 bis 2017 für fast 9 Millionen Euro erneuert, einen Teil davon hat die Stadt Weinheim bezahlt. Diese Investition vergammelt nun zusehends. Die Gäste der Heimattage 2025, aber auch die täglichen Pendler und Bahnreisenden dürften sich hier kaum wohlfühlen.
Die Stadtverwaltung Weinheim schreibt dazu auf unsere Anfrage, dass man eine Verbesserung der Sauberkeit wahrnehme, jedoch leider nicht im gewünschten Maße. Das nächste Treffen mit der Deutschen Bahn findet im Februar statt, dort wolle sie erneut darum bitten, die Reinigung zu verbessern. Außerdem solle geprüft werden, ob der südliche Durchgang kurzfristig „aufgehübscht“ werden kann. Eine Renovierung der beiden Unterführungen sei im Rahmen der Generalsanierung der Main-Neckar-Bahn im Jahr 2027 geplant. Die Pressestelle betont, dass die Stadtverwaltung eigentlich gar nicht zuständig sei, sich aber trotzdem sehr bemühe, die Situation dauerhaft zu verbessern.