Schon wieder Sirenen-Versagen am Warntag in Weinheim
Bereits beim bundesweiten Warntag 2022 waren die Sirenen aus dem Kalten Krieg still geblieben. Nun sucht die Integrierte Leitstelle nach der Ursache des Fehlers.
Das muss noch einmal geübt werden. In der Weinheimer Kernstadt blieben die Sirenen den zweiten Bundeswarntag in Folge still. Ebenso in den Ortsteilen – lediglich aus Sulzbach hörte man es von Weinheim aus leise wimmern. Die Zweiburgenstadt war im Rhein-Neckar-Kreis bei Weitem kein Einzelfall. Stefanie Heck, Geschäftsführerin der Integrierten Leitstelle (ILS), zieht im Gespräch mit der WN/OZ eine durchwachsene Bilanz. Im Kreis Bergstraße gab es dagegen keine nennenswerten Probleme. „Im Ernstfall wäre das natürlich blöd gelaufen“, erklärt Feuerwehrsprecher Ralf Mittelbach. Was die Ursache des erneuten Fauxpas am Bundeswarntags war, werde nun von der ILS analysiert. Auch vor Ort wollen die Brandbekämpfer schauen, wo die „Schwachstelle“ war. Deshalb werde die Firma, die die Wartungen an den Sirenen durchführt, für eine Prüfung beauftragt.
Anlagen aus Kaltem Krieg
Es bestehe laut Mittelbach jedoch kaum Zweifel daran, dass das Schweigen der Sirenen mit der veralteten (analogen) Technik zusammenhängt. Die 28 Warnanlagen sind noch Überbleibsel aus dem Kalten Krieg: In den 1960ern wurden die Sirenen im ganzen Land installiert. Mittelbachs Vermutung würde auch erklären, warum es mit den Alarmen in den Nachbarkommunen Hemsbach und Laudenbach, die über digitale Systeme verfügen, funktionierte. Klar ist, dass die Schnellalarmierung in der Leitstelle des Rhein-Neckar-Kreises ausgelöst wurde. „Bei den Sirenen, die digital sind, scheint das geklappt zu haben“, erzählt Geschäftsführerin Heck. Aber: „Mit der einen oder anderen analogen Sirene hatten wir Probleme.“ Woran das gelegen hat? Stefanie Heck ist ganz ehrlich: „Ich habe keine Ahnung.“ Ihr Anfangsverdacht konnte immerhin schnell ausgeräumt werden. Und zwar, dass das System durch die schiere Menge der Alarmierungen, die an Sirenen im ganzen Kreisgebiet gesendet wurden, überlastet war. „Bei der Entwarnung haben wir alle Anlagen einzeln alarmiert“, sagt sie. Das habe keinen spür- beziehungsweise hörbaren Effekt erzielt. Für die Suche nach der Ursache müsse die ILS also noch einmal ganz genau hinschauen und die Programmierung sowie Einsatzprotokolle auswerten.
Für das Weinheimer Rathaus war das Schweigen der Sirenen hingegen keine große Überraschung. "Wir wussten, dass die Technik anfällig ist“, erklärt Rathaussprecher Roland Kern. Er spricht auch für die Brandbekämpfer, als er sagt, dass die Umstellung auf digitale Warnsysteme „alternativlos“ ist. Tatsächlich wird die Umrüstung der Relikte aus dem Kalten Krieg bereits vorbereitet und ist „im Etat der Feuerwehr vorgesehen“, so Kern. Feuerwehrsprecher Ralf Mittelbach sagt zum Umsetzungsstand, dass mehrere Angebote eingeholt wurden. Die Investitionskosten würden sich im fünfstelligen Bereich bewegen. Das Ziel sei, die Digitalisierung der Sirenen im Verlauf des Jahres 2024 über die Bühne zu bringen. Grund zur Sorge gebe es laut Mittelbach aber trotz Fauxpas keinen: „Wenn es sich um eine richtige Katastrophe gehandelt hätte, hätten wir die Sirenen händisch ausgelöst.“ Überhaupt seien Anlässe wie der Warntag ja dafür da, die Fehler im System zu erkennen. Und: „Man sieht, dass es gut ist, dass es mittlerweile mehrere Wege zur Warnung gibt.“ Denn während sich die Sirenen in Weinheim in Schweigen hüllten, haute das kollektive Erschallen der Smartphones den einen oder anderen schier vom Hocker. Ausgelöst wurde der Aufrüttler in unserer Region von der Bonner Nationalen Warnzentrale des Bundesamts für Bevölkerungsschutz.
Hat KatWarn ausgesorgt?
Im Kreis Bergstraße verlief der Warntag ohne größere Störungen. „Seitens der Kreisverwaltung wurde gemäß Erlass gewarnt. Die entsprechenden, uns vorliegenden Rückmeldungen aus den Gemeinden zeigen insgesamt ein positives Ergebnis“, erklärte das Landratsamt auf Anfrage unserer Redaktion. In einzelnen Bereichen beziehungsweise in Einzelfällen sei es laut den vorliegender Meldungen vorgekommen, dass HessenAlarm oder KatWarn die Alarmierung nicht ausgelöst haben sollen. „Bezüglich dieser Meldungen können wir nicht verifizieren, ob hier der Provider oder der Standort ursächlich war. Entsprechende Meldungen wurden von direkt weitergemeldet“, teilte die Pressestelle mit.
Woran das gelegen hat? Stefanie Heck ist ganz ehrlich: „Ich habe keine Ahnung.“
In der Gemeinde Fürth gab es keinerlei Probleme, wie Jonas Kilian vom Ordnungsamt bestätigte: „Alles, was funktionieren sollte, hat funktioniert.“ Dies galt auch für die Gemeinde Grasellenbach. „Ich gehe davon aus, dass die kommunalen Sirenen, die allesamt auch aufgeschaltet auf die Leitstelle sind, funktioniert haben“, erklärte Bürgermeister Markus Röth auf Anfrage unserer Redaktion: „Ich habe sie gehört.“ Über sein Handy gab es jedoch keinen Alarm. „Die Benachrichtigung des Bürgermeisters scheint nicht geklappt zu haben, obwohl ich regelmäßig bei unseren Feuerwehreinsätzen eine SMS erhalte“, merkte er an.
Wie der Warntag deutschlandweit klappte, will das Amt für Bevölkerungsschutz per Umfrage unter www.warntag-umfrage.de herausfinden.