Hirschberg an der Bergstraße

So steht Bürgermeister Ralf Gänshirt zu Hirschbergs Großprojekten

Hirschbergs Bürgermeister Ralf Gänshirt will beim Neubaugebiet, bei der Erweiterung des Gewerbeparks und beim Klimaschutz weiter vorankommen.

Bei Bürgermeister Ralf Gänshirt herrscht große Vorfreude: Im Jahr 2025 wird seine Gemeinde 50 Jahre alt. Das wird groß gefeiert. Foto: Fritz Kopetzky
Bei Bürgermeister Ralf Gänshirt herrscht große Vorfreude: Im Jahr 2025 wird seine Gemeinde 50 Jahre alt. Das wird groß gefeiert.

Im Jahr 2024 hat die Gemeinde die Weichen für das größte Bauprojekt in ihrer Geschichte gestellt: die Sanierung der Sachsenhalle, der Neubau der Trainingshalle sowie die neue Energiezentrale. Im nächsten Jahr geht es in die Umsetzung.

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Doch 2025 wird noch aus einem weiteren Grund zu einem besonderen Jahr: Die Gemeinde Hirschberg, bestehend aus den Ortsteilen Großsachsen und Leutershausen, feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Über all das sprachen die WN mit Bürgermeister Ralf Gänshirt.

Herr Bürgermeister Gänshirt, Sie sind nach Werner Oeldorf und Manuel Just der dritte Bürgermeister. 2025 steht das goldene Jubiläum an. Wie fühlen Sie sich dabei?

Ralf Gänshirt: Sehr gut. Für mich ist dies ein 50-jähriges stetiges Bergauf in Sachen Infrastruktur und beim Zusammenwirken zum Wohle der Gemeinde. Als Hirschberger Kind lag mir dies immer am Herzen.

Können Sie etwas zu den Feierlichkeiten sagen?

Gänshirt: Ja, klar. Also, wir haben uns im Vorfeld mit den Vereinen getroffen und alles besprochen. Diese werden über das Jahr hinweg Veranstaltungen unter dem Motto „50 Jahre Hirschberg“ organisieren. Vom 19. bis 21. September wird das Jubiläum gefeiert. Freitags organisieren die Vereine das Programm. Am Samstag wird es einen Festabend in der Heinrich-Beck-Halle mit Auftritten von externen Künstlern geben.

Ralf Gänshirt im Gespräch mit Redakteur Hans-Peter Riethmüller. Foto: Fritz Kopetzky
Ralf Gänshirt im Gespräch mit Redakteur Hans-Peter Riethmüller.

Wir feiern uns quasi selbst. Sonntags steht das Festdorf im Tabakhof auf dem Programm. Dazu wird auch die Breitgasse gesperrt, um die Fläche vor dem evangelischen Gemeindehaus besser nutzen zu können. Beim Neujahrsempfang werde ich auch noch darauf eingehen. Ich freue mich jetzt schon auf die vielen Begegnungen mit den Menschen während unseres Jubiläumsjahres.

Kommen wir zu dem sehr bewegenden Jahr 2024. Die Einheitsgemeinde hat mit rund 17 Millionen Euro das größte Projekt in ihrer Geschichte verabschiedet. Wann geht es richtig los?

Gänshirt: Der Bauantrag für die Großprojekte Sanierung Sachsenhalle, Neubau Trainingshalle und neue Energiezentrale ist gestellt. Bis die Genehmigung vom Landratsamt vorliegt, dauert es bestimmt drei bis sechs Monate. Das wird alles ein großer Kraftakt. Parallel geht es natürlich weiter. Unser Ziel ist und bleibt, dass die Bestandshalle so lange zugänglich ist, bis das neue Spielfeld steht. Erklärtes Ziel der Maßnahmen ist es auch, dass immer zwei Spielfelder am Ort zur Verfügung stehen.

Gleich danach folgt der Ausbau der Großsachsener Grundschule für den Ganztagsbetrieb.

Gänshirt: Ja, oder sogar parallel. Der Bereich in Großsachsen wird für mehrere Jahre zur Dauerbaustelle. Die Schulgemeinschaft wird gestresst. Ich bitte daher schon jetzt Lehrer, Eltern und Grundschüler um Verständnis. Das ist eine Operation am offenen Herzen. Der Anbau an die Grundschule kostet rund zwei Millionen Euro. Die Baugenehmigung liegt schon länger vor.

Der geplante Anbau der Großsachsener Grundschule für den Ganztagsbetrieb wird zur Herausforderung: Baustellenbetrieb, gestresste Schulgemeinschaft und fehlende Fördermittel verzögern den Start. Foto: Thomas Rittelmann
Der geplante Anbau der Großsachsener Grundschule für den Ganztagsbetrieb wird zur Herausforderung: Baustellenbetrieb, gestresste Schulgemeinschaft und fehlende Fördermittel verzögern den Start.

Wir hätten schon im Frühjahr loslegen können, aber der Zuschussbescheid fehlt noch. Dies ärgert mich. Es war von Anfang an absehbar, dass das Programm überzeichnet ist und die Mittel nicht ausreichen. Über diese realitätsfremden politischen Entscheidungen habe ich mich ja schon oft geäußert, daher erspare ich mir nun weitere Ausführungen dazu. Aufgrund dieser unbefriedigenden Situation haben wir aber gesagt, dass wir erst starten, wenn die Co-Finanzierung gesichert ist.

Herr Gänshirt, Sie sagen immer von sich, derjenige Bürgermeister sein zu wollen, der die Infrastruktur auf Vordermann bringt und dabei auf die Umwelt achtet. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Gänshirt: Wir haben bei allen Maßnahmen gesagt, dass wir die energetischen Themen mitdenken. Ich nenne nur die Hallen, das Sportzentrum oder den Kindergarten „Storchennest“ in Leutershausen. Und auch beim 17-Millionen-Euro-Projekt in Großsachsen streben wir zumindest eine energetische „Fast-Autarkie“ an. Darauf können wir stolz sein. Das Ganze kostet wahnsinnig viel Geld. Das geht zulasten anderer Projekte. Und ich sage immer wieder, dass wir den Euro nur einmal ausgeben können.

Hirschberg hat viele Bauprojekte vor der Brust, die Gemeinde gilt aber auch nicht als arm. Um weitere Einnahmen zu generieren, gilt die Erweiterung des Gewerbegebiets als essenziell. Warum ist es hier 2024 nicht weiter vorangekommen?

Gänshirt: Zunächst einmal muss ich Sie korrigieren. Es geht bei der Erweiterungsfläche fürs Gewerbegebiet nicht in erster Linie darum, neue Einnahmen zu generieren. Vielmehr wollten wir den bestehenden Unternehmen die Möglichkeit zur Erweiterung bieten. In der Zwischenzeit haben wir ja sehr wohl etwas getan und unsere Hausaufgaben gemacht.

In der Gemeinderatssitzung vom 28. Januar wird der Gewerbepark auf der Tagesordnung stehen, und wir werden die Offenlage beschließen. Nach vielen Vorarbeiten werden wir voraussichtlich im ersten Halbjahr 2025 den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan für die Erweiterung des Gewerbeparks fassen können. Im Vorgriff hat die Projektentwicklungsgesellschaft übrigens bereits umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen.

Haben Sie eine eigentlich eine Lösung für die Erschließung? Läuft die Straße noch vor Goldbeck entlang, parallel zur Autobahn?

Gänshirt: Ja, die Erschließung bleibt so, wie bereits öffentlich vorgestellt. Es ging jetzt primär noch um die direkte Fuß-und-Radwege-Verbindung in die Erweiterungsfläche. Dies stand von Anfang an ganz oben auf unserer Agenda. Vor allem auch wegen der Erreichbarkeit mit dem ÖPNV. Die Buslinie soll ja in den alten Gebietsteil hineingeführt werden, und dazu wird es auch eine neue Haltestelle im Bereich Im Rott /Goldbeckstraße geben.

Die geplante Erschließung der Erweiterungsfläche im Gewerbegebiet bleibt unverändert, mit Fokus auf eine neue Fuß- und Radwege-Verbindung sowie eine zusätzliche ÖPNV-Haltestelle im Bereich Im Rott/Goldbeckstraße. Foto: Thomas Rittelmann
Die geplante Erschließung der Erweiterungsfläche im Gewerbegebiet bleibt unverändert, mit Fokus auf eine neue Fuß- und Radwege-Verbindung sowie eine zusätzliche ÖPNV-Haltestelle im Bereich Im Rott/Goldbeckstraße.

Wie Sie wissen, hat der Eigentümer einen bislang genutzten Zugangsweg gesperrt. Wir hätten die Fuß-und Radwege-Verbindung gerne an dieser Stelle gemeinsam mit dem Eigentümer realisiert. Dies hat aber nicht geklappt. Wir werden nun eine sehr gute Lösung präsentieren können. Mehr möchte ich noch nicht sagen. Die Pläne werden dann ja der wesentliche Teil der öffentlichen Beratungen am 28. Januar im Gemeinderat sein.

Noch ein Satz zur Gewerbesteuer. Sie planen mit einem Ansatz von 6,8 Millionen Euro.

Gänshirt: Ja, das ist auch realistisch und dennoch der Wahnsinn. Trotz hoher Gewerbesteuereinnahmen können wir unseren Haushalt nicht ausgleichen. Dies zeigt auch unser strukturelles Problem, das mittlerweile über 70 Prozent der Kommunen im Land haben.

Das Neubaugebiet in Leutershausen gilt als gesetzt. Wie geht es hier weiter?

Gänshirt: Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass wir mit unseren Überlegungen in das MORO-Projekt aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich um ein Modellprojekt des Bundes für flächensparendes Bauen. Das Ziel ist es, im Frühjahr den Aufstellungsbeschluss zu beraten und zu verabschieden. Grundsätzlich herrscht im Gremium ein großer Konsens über die Notwendigkeit eines Neubaugebiets.

Das Neubaugebiet in Leutershausen ist Teil eines Bundesprojekts für flächensparendes Bauen und soll dringend benötigten Wohnraum für junge Familien und ältere Menschen schaffen. Foto: Thomas Rittelmann
Das Neubaugebiet in Leutershausen ist Teil eines Bundesprojekts für flächensparendes Bauen und soll dringend benötigten Wohnraum für junge Familien und ältere Menschen schaffen.

Junge Menschen, die am Ort wohnen bleiben wollen, oder junge Familien, die hierherziehen wollen, finden keinen Wohnraum. Auch für ältere Menschen, die in einer zu großen Immobilie leben und eine adäquate Wohnung suchen, gibt es zu wenig. Sozusagen das i-Tüpfelchen der ganzen Debatte war der Zensus, der belegt, dass wir rückläufige Bevölkerungszahlen haben.

Und wo soll das Neubaugebiet entstehen? Sicher ist doch, dass eines in Leutershausen ausgewiesen wird.

Gänshirt: In Leutershausen sind drei Flächen im Gespräch beziehungsweise stehen im Flächennutzungsplan zur Verfügung: die Rennäcker sowie Flächen an der Ladenburger und Mannheimer Straße.

Ist denn mit einem Bürgerentscheid zu rechnen?

Gänshirt: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wenn eine erforderliche Mehrheit sich dafür ausspricht, dann ist es eben so. Wie schon ausgeführt, halte ich es aber generell für bedenklich, dass verhältnismäßig wenige dafür sorgen können, dass Infrastrukturprojekte blockiert werden.

Klar stelle ich mich einem Bürgerentscheid. Wir haben dafür gesetzliche Regelungen, und selbstverständlich würde die Gemeindeverwaltung dies, wie seither auch, wieder professionell-sachlich und kooperativ bearbeiten. Wir haben aber gute Argumente für dieses Neubaugebiet.

Gibt es weitere Projekte, die Sie 2024 voranbringen wollen: Umsetzung des Klimaschutzkonzepts oder das Mobilitätskonzept?

Gänshirt: Ja, da steht einiges auf der Agenda. So wollen wir Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept weiter voranbringen. Bei der Mobilität sind wir durch den Fußverkehrscheck einen Schritt vorangekommen. Die Ergebnisse sollen auch in ein mit der Bürgerschaft zu erarbeitendes Mobilitätskonzept einfließen.

Auch der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen und die kommunale Wärmeplanung sind für mich wichtige Themen. Nicht zuletzt ist die Maßnahme an der Sachsenhalle und an der Großsachsener Grundschule ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig uns der Klimaschutz ist.

Was haben Sie sich denn für 2025 vorgenommen? Worauf freuen Sie sich?

Gänshirt: Ich spreche da lieber von WIR… Neben den schon genannten Themen möchten wir beim Neubaugebiet und bei der Erweiterung des Gewerbeparks vorankommen. Persönlich wünsche ich mir Gesundheit, viele Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern und, dass unsere dörfliche Gemeinschaft so konstruktiv und lebendig bleibt. Und ich wünsche mir natürlich schöne und stimmungsvolle Veranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen der Gemeinde Hirschberg.