Weinheim

So war die erste Silent Party Weinheims wirklich

„Melodic-Wine“ hatte Premiere in Weinheim: Zwei ausverkaufte Abende, Besucher aus der gesamten Region. Wie die Stimmung tatsächlich war und welche Rolle der Wein gespielt hat.

Kopfhörer auf und los geht's: Bei der Silent Disco könnten sich die Besucher ihre Lieblings-Musikrichtung direkt auf die Ohren schicken lassen. Foto: Katrin Oeldorf
Kopfhörer auf und los geht's: Bei der Silent Disco könnten sich die Besucher ihre Lieblings-Musikrichtung direkt auf die Ohren schicken lassen.

Eine außergewöhnliche Sommerparty startete am Freitag- und am Samstagnachmittag im ausverkauften Schlosshof. Gut gelaunte, vorwiegend junge Leute, in stylishen Outfits tanzen zu coolen Techno-Beats, die mit ihrem typisch bassdrum-betonten Rhythmus auch Jene mitreißen, die nicht unbedingt zu den Fans elektronischer Musik gehören. Die DJs auf der Bühne feuern mit lauten Rufen an, Hände gehen nach oben und lautstark wird mit “Yeah”geantwortet. Einzelne Gruppen zeigen geradezu bewundernswerte Choreografien, so als hätten sie die synchronen Bewegungen einstudiert.

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Ist der Name Programm?

Wie massenkompatibel Deep- und Tech-House sind, zeigt an diesem lauen Sommerabend der proppenvolle Schlosshof, der aus einer einzigen wogenden Menge besteht. Manche halten während des Tanzens Wein, Sekt oder Softdrinks in der Hand. Obwohl sich der Open-Air-Rave, hinter dem der Koblenzer Veranstalter Simon Wissing steht, “Melodic Wine” nennt, ist die Party mehr auf Beat als auf Wein bezogen.

Wer auf eine musikalisch umrahmte Weinverkostung gesetzt hat, ist von den Ständen, die Riesling, Grauburgunder oder Sauvignon Blanc ohne nähere Angaben wie Geschmacksrichtung und Jahrgang, anbieten, enttäuscht. Andere, besonders junge Leute, finden schon allein die Bezeichnung des Weinstandes “Stairs n´ Roses” der jungen “rockigen” Mosel-Winzer “einfach cool”. Etwas enttäuscht zeigt sich wiederum ein junges Ehepaar aus Mannheim von dem kulinarischen Angebot, das sich auf einen Food-Truck mit Burgern und Pommes beschränkt. Entsprechend lange muss man in der Schlange anstehen. Doch die positiven Kommentare wie “Super-Party” und “Klasse-Stimmung” überwiegen eindeutig.

Trend aus den USA

Es ist ein Fest für junge Leute, die teilweise aus Schwetzingen, Mannheim oder Darmstadt gekommen sind und von der Party und dem einzigartigen Flair des Schlosshofes begeistert sind. Die Veranstaltung begann schon am Nachmittag und war wegen der Hitze zunächst nur schwach besucht. Doch gegen Abend strömen die Techno-Fans in den Schlosshof. Die Bässe wummern und das schönste, was man tun kann, ist tanzen. Es ist zehn Minuten vor 22 Uhr, als der DJ den letzten Titel in lauter Beschallung ankündigt. Viele Besucher halten schon die Kopfhörer bereit, die je nach Disco-Kanalauswahl in Rot, Grün und Blau leuchten. Pünktlich werden, auf Kommando der beiden DJs, die Kopfhörer aufgesetzt und das nahezu lautlose Feiern beginnt. Ein Teil der Gäste, die auf die Kopfhörer verzichtet haben, schauen dem ungewohnten Treiben gebannt zu. Interessant wird es, wenn in einer Gruppe verschiedene Musikrichtungen wie Deep House, Tech House und Ibiza-Beats aus den Kopfhörern tönen, dann sind auch die Tanzbewegungen unterschiedlich. Fast weggetreten wirken diejenigen, die die Richtung “Ambient-Techno” gewählt haben, jene sphärischen Töne mit eher dezentem Rhythmus. Ab und zu hört man jemanden leise mitsingen oder es wird dem DJ lautstark geantwortet.

"Ich finde es geil"

“Die Atmosphäre erinnert mich an den Grönemeyer-Song von dem gehörlosen Mädchen: “Sie mag Musik, nur wenn sie laut ist”, bemerkt ein junger Mann, der auf die Kopfhörer verzichtet hat. Silent-Disco ist ein Trend, der, wie so viele andere, aus den USA kommt und immer mehr nach Deutschland überschwappt. Man kann darüber streiten, was attraktiver ist: Hämmernde Technobeats in gemeinsame, gegenseitig anregende Tanzbewegungen umsetzen oder die Beschallung über Kopfhörer empfangen, was einen leicht entrückt anmutenden Tanzstil auslöst. “Ich finde das lautlose Spektakel geil”, sagt Christian aus Mannheim und fügt hinzu, dass er sowas jederzeit wieder mitmachen würde. “Vorausgesetzt, es ist wieder so eine Bilderbuch-Sommernacht wie heute”.