Ausstellung

Spinnen im Streichelzoo

Vor allem Familien suchen im Sulzbacher Bürgersaal ein bisschen Nervenkitzel beim Blick in die Wohnstube von Vogelspinnen.

Haarig und ein bisschen angsteinflößend: eine der Riesenspinnen bei „Insectophobie“. Foto: Philipp Reimer Photography
Haarig und ein bisschen angsteinflößend: eine der Riesenspinnen bei „Insectophobie“.

Es sind vor allem Familien, die dort einen Blick in die Wohnstuben von Vogelspinnen und spektakulären Insekten warfen. Rund 80 Terrarien waren aufgebaut. Beim Gang durch die Schau wurde einem ziemlich bald klar: Es gibt nicht nur die schwarze, haarige Vogelspinne, sondern eine ganze Menge verwandte Gliederfüßer, die auf verschiedenen Kontinenten zuhause sind. Sie wollen es zwischen 20 und 25 Grad warm haben, und die Luftfeuchtigkeit muss bis zu 90 Prozent hoch sein. Bülow, der Tierwärter der Ausstellung, wacht über beide Parameter in den Glaskästen.

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Besonders Familien mit Kindern nutzten die Gelegenheit, einen Blick in die rund 80 Terrarien zu werfen. Foto: Philipp Reimer Photography
Besonders Familien mit Kindern nutzten die Gelegenheit, einen Blick in die rund 80 Terrarien zu werfen.

Dort waren die Spinnentiere manchmal gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen, weil sie sich entweder farblich nicht sehr vom feuchten Boden des Terrariums abhoben oder sich in ein schützendes Versteck zurückgezogen hatten, das unbedingt zur Grundausstattung bei der Haltung der Tiere gehört. Sie erreichen, je nach Art, ein Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Dass sie für den Menschen keineswegs tödlich giftig sind, war auf einem der erklärenden Hinweisschilder zu lesen. Das Gift dieser Spinnen schmerze vergleichbar dem Bienengift, doch kann eine Vogelspinne zumindest mit ihrem Biss eine Maus töten.

Heuschrecken schmecken allen gut

Der Speiseplan der mit Respekt begutachteten Tiere ist ziemlich ähnlich. Egal ob es die rotbeinige Vogelspinne aus Mexiko, die brasilianische Riesenvogelspinne, die schwarze aus Guatemala oder die bläuliche Goldstreifenvogelspinne ist, die aus Paraguay oder Argentinien stammt: Heimchen, Grillen oder Heuschrecken schmecken allen gut.

Auch Schmetterlinge und Insekten gab es bei „Insectophobie“ zu sehen. Foto: Philipp Reimer Photography
Auch Schmetterlinge und Insekten gab es bei „Insectophobie“ zu sehen.

Giovanno Neigert war zwölf Jahre alt, als ihm seine Mutter einen Herzenswunsch erfüllte und ihm zum Geburtstag seine erste Vogelspinne schenkte. Der Umgang mit dem feingliedrigen und respekteinflößenden Tier weckte den Sammlertrieb in dem Jungen. Die Spinnenwelt des Giovanno Neigert im fränkischen Feuchtwangen erweiterte sich, und 2011 mietete er in seiner Heimatstadt eine Turnhalle für seine erste Ausstellung an. Inzwischen reist der etwas andere „Spiderman“ quer durch Deutschland und präsentierte seine stolze Tiersammlung auch schon in Österreich und der Schweiz.

Wo er hinkommt, will er mit seiner Schau vor allem eines erreichen: Den Menschen die Angst vor Spinnen nehmen und ihnen Wissen rund um die Krabbler vermitteln, auch wenn manchem Gast der Schau nach wie vor das angsteinflößende Bild von Tarantula, der Riesenspinne aus dem gleichnamigen Horrorfilm, vor Augen stehen dürfte. Umso wichtiger erscheint die Aufklärungsarbeit. Dazu gehört bei der Neigertschen Spinnen- und Insektenschau auch ein begleitender Lehrfilm, der auf der abgedunkelten Bühne des Bürgersaals in Sulzbach interessierte Zuschauer fand.

Weniger lehrreich, weil etwas unvermittelt und unbeschriftet, muteten manche Schaukästen an, die mit riesengroßen Schmetterlingen oder Käfern den Insektenbereich repräsentierten. Insgesamt aber sah man meist in interessierte Kindergesichter, wenn sie von Terrarium zu Terrarium gingen und letztlich sicher froh waren, dass zwischen ihnen und den Vogelspinnen eine schützende Glaswand war.

Aggressivere Exemplare aus Afrika oder Asien

Wer weiß denn schon, wie Giovanno Neigert und Pierre Bülow, dass es unter den Vogelspinnen selbstbewusste und deshalb weniger scheue, aber auch sehr vorsichtige und zurückhaltende Exemplare gibt. Die gutmütigeren Tiere kommen eher in Süd- und Mittelamerika vor. Aggressiver sind dagegen die Exemplare aus Afrika oder Asien. „Das liegt daran, dass sie dort eine direkte Angriffslinie und weniger Deckung haben“, erklärt Bülow. Fast alle aber haben eines gemeinsam: Es sind Einzelgänger.

Die Riesenspinnen- und Insektenausstellung ist noch zweimal in der Region zu sehen: am 21. Mai in der Stadthalle in Speyer und am 11. Juni im Bürgerhaus in Viernheim.