Spinnen im Streichelzoo
Vor allem Familien suchen im Sulzbacher Bürgersaal ein bisschen Nervenkitzel beim Blick in die Wohnstube von Vogelspinnen.
Rund um Spinnen
Die Angst vor Spinnen ist unter Menschen weit verbreitet. Sie wird als Arachnophobie bezeichnet.
Rund 46 000 Spinnenarten sind wissenschaftlich beschrieben. Drei Unterordnungen gibt es: urtümliche Gliederspinnen, Vogelspinnenartige und Webspinnen. (Quelle: www.spektrum.de)
Den schlechtesten Ruf unter den Spinnen haben übrigens nicht Vogelspinnen, sondern die Schwarze Witwe. Im Südosten Amerikas ist sie weit verbreitet und gefürchtet wegen ihres Giftes. Ihren Namen verdankt sie, genau wie die Europäische Schwarze Witwe, der Tatsache, dass das größere Weibchen nach der Paarung das kleinere Männchen auffrisst.
Die größte Vogelspinne, die Goliath-Vogelspinne, kann bis zu 200 Gramm wiegen, hat eine Beinspannlänge von bis zu 30 Zentimetern und läuft über den Boden von Regenwäldern in Brasilien. Sie ist der absolute Albtraum für Arachnophobiker.
Vogelspinnen gingen bereits vor 350 Millionen Jahren, im Zeitalter des Karbon, auf Beutefang. In dieser Zeit tauchten auch riesige Insekten und Tausendfüßer erstmals auf.
Es sind vor allem Familien, die dort einen Blick in die Wohnstuben von Vogelspinnen und spektakulären Insekten warfen. Rund 80 Terrarien waren aufgebaut. Beim Gang durch die Schau wurde einem ziemlich bald klar: Es gibt nicht nur die schwarze, haarige Vogelspinne, sondern eine ganze Menge verwandte Gliederfüßer, die auf verschiedenen Kontinenten zuhause sind. Sie wollen es zwischen 20 und 25 Grad warm haben, und die Luftfeuchtigkeit muss bis zu 90 Prozent hoch sein. Bülow, der Tierwärter der Ausstellung, wacht über beide Parameter in den Glaskästen.
Dort waren die Spinnentiere manchmal gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen, weil sie sich entweder farblich nicht sehr vom feuchten Boden des Terrariums abhoben oder sich in ein schützendes Versteck zurückgezogen hatten, das unbedingt zur Grundausstattung bei der Haltung der Tiere gehört. Sie erreichen, je nach Art, ein Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Dass sie für den Menschen keineswegs tödlich giftig sind, war auf einem der erklärenden Hinweisschilder zu lesen. Das Gift dieser Spinnen schmerze vergleichbar dem Bienengift, doch kann eine Vogelspinne zumindest mit ihrem Biss eine Maus töten.
Heuschrecken schmecken allen gut
Der Speiseplan der mit Respekt begutachteten Tiere ist ziemlich ähnlich. Egal ob es die rotbeinige Vogelspinne aus Mexiko, die brasilianische Riesenvogelspinne, die schwarze aus Guatemala oder die bläuliche Goldstreifenvogelspinne ist, die aus Paraguay oder Argentinien stammt: Heimchen, Grillen oder Heuschrecken schmecken allen gut.
Giovanno Neigert war zwölf Jahre alt, als ihm seine Mutter einen Herzenswunsch erfüllte und ihm zum Geburtstag seine erste Vogelspinne schenkte. Der Umgang mit dem feingliedrigen und respekteinflößenden Tier weckte den Sammlertrieb in dem Jungen. Die Spinnenwelt des Giovanno Neigert im fränkischen Feuchtwangen erweiterte sich, und 2011 mietete er in seiner Heimatstadt eine Turnhalle für seine erste Ausstellung an. Inzwischen reist der etwas andere „Spiderman“ quer durch Deutschland und präsentierte seine stolze Tiersammlung auch schon in Österreich und der Schweiz.
Wo er hinkommt, will er mit seiner Schau vor allem eines erreichen: Den Menschen die Angst vor Spinnen nehmen und ihnen Wissen rund um die Krabbler vermitteln, auch wenn manchem Gast der Schau nach wie vor das angsteinflößende Bild von Tarantula, der Riesenspinne aus dem gleichnamigen Horrorfilm, vor Augen stehen dürfte. Umso wichtiger erscheint die Aufklärungsarbeit. Dazu gehört bei der Neigertschen Spinnen- und Insektenschau auch ein begleitender Lehrfilm, der auf der abgedunkelten Bühne des Bürgersaals in Sulzbach interessierte Zuschauer fand.
Weniger lehrreich, weil etwas unvermittelt und unbeschriftet, muteten manche Schaukästen an, die mit riesengroßen Schmetterlingen oder Käfern den Insektenbereich repräsentierten. Insgesamt aber sah man meist in interessierte Kindergesichter, wenn sie von Terrarium zu Terrarium gingen und letztlich sicher froh waren, dass zwischen ihnen und den Vogelspinnen eine schützende Glaswand war.
Aggressivere Exemplare aus Afrika oder Asien
Wer weiß denn schon, wie Giovanno Neigert und Pierre Bülow, dass es unter den Vogelspinnen selbstbewusste und deshalb weniger scheue, aber auch sehr vorsichtige und zurückhaltende Exemplare gibt. Die gutmütigeren Tiere kommen eher in Süd- und Mittelamerika vor. Aggressiver sind dagegen die Exemplare aus Afrika oder Asien. „Das liegt daran, dass sie dort eine direkte Angriffslinie und weniger Deckung haben“, erklärt Bülow. Fast alle aber haben eines gemeinsam: Es sind Einzelgänger.
Die Riesenspinnen- und Insektenausstellung ist noch zweimal in der Region zu sehen: am 21. Mai in der Stadthalle in Speyer und am 11. Juni im Bürgerhaus in Viernheim.