Stellwerkstörung in Weinheim: Die Züge fahren wieder, doch der Ärger bleibt
Die Stellwerkstörung am Weinheimer Bahnhof ist seit Freitagmittag behoben. Bis dahin sorgte das Problem für reichlich Chaos. Eine Bahnreisende berichtet.
Die Züge rollen wieder. Nachdem am Donnerstag eine Stellwerkstörung am Weinheimer Hauptbahnhof den Bahnverkehr auf der Strecke Mannheim - Frankfurt lahmlegte, konnten die Techniker am Freitag das Problem beheben. Wie die Bahn auf Anfrage bestätigt, fuhren die ersten Züge seit 12 Uhr wieder vom Hauptbahnhof ab, seit 13.30 Uhr läuft es wieder wie gewohnt. Doch bis dahin sorgte die Störung für reichlich Chaos. Ausweichmöglichkeiten waren aufgrund der Streckensanierung der Riedbahntrasse rar. Für direkt Betroffene in Weinheim oder diejenigen, die mit der Bahn nach Weinheim mussten, wurde mit Bussen ein Schienenersatzverkehr organisiert. Doch die Verbindung war alles andere als optimal. Bahnreisende Susanne Gambeck berichtet von ihrer beschwerlichen Heimreise nach Weinheim.
"Normalerweise ist es mit dem Zug angenehmer"
Eigentlich sollte es eine normale Heimfahrt für die Verwaltungsangestellte werden. Seit April dieses Jahres arbeitet sie in Darmstadt und pendelt mit der Bahn. "Ich könnte auch das Auto nehmen", erzählt sie im Gespräch mit der Redaktion, "aber mit dem Zug ist es normalerweise wesentlich angenehmer." Zu Fuß braucht sie von ihrer Wohnung nur wenige Minuten an den Weinheimer Hauptbahnhof. In Darmstadt angekommen, ist es dann nur ein kurzer Fußmarsch zu ihrer Arbeitsstelle. Als sie um 13.15 Uhr Feierabend machte, ahnte Gambeck aber noch nicht, dass sie erst um kurz vor 16 Uhr zu Hause sein sollte - auf einer Strecke, die normalerweise lediglich 31 Minuten dauert.
Der Ärger startete schon als sie in Darmstadt den Zug betrat. Der frühere Zug fuhr nicht, Fahrgäste aus zwei Zügen mussten sich dementsprechend in einen quetschen: "Die Bahn war vollgestopft. Viele Fahrgäste waren mit Gepäck unterwegs. Wir standen dicht an dicht". Damit nicht genug, wurden die Fahrgäste dann in Bensheim aus dem Zug "geschmissen". Es gab demnach lediglich die kurze Erklärung, dass es in Weinheim eine Störung eines Stellwerks gibt. Wie die Passagiere ihre Reise weiterführen können, wurde nicht mitgeteilt. Glücklicherweise stand in Bensheim bereits ein Bus für die Weiterfahrt bereit. Das Problem: Es war nur ein Bus für eine volle Bahn. Ein hoffnungsloser Fall. Gambeck, wie viele andere Fahrgäste, fand keinen Platz mehr im Bus, der so voll wie "physisch möglich" war. Sie hat das Gefühl, dass "die Bahn darauf setzt, dass die Gäste andere Verkehrsmittel nehmen." Von einer Aufstockung des Schienenersatzverkehrs wollte sie auch nicht ausgehen, weshalb Gambeck beschloss, auf eigene Faust einen Linienbus nach Heppenheim zu nehmen. "Je näher an Weinheim, desto besser", dachte sie. Doch auch dort ergab sich dasselbe Bild: zu wenige Busse, für zu viele Fahrgäste.
Letztendlich musste Gambecks Mann mit dem Auto nach Heppenheim fahren, um seine "gestrandete" Frau abzuholen. Von der Kommunikation der Bahn ist sie enttäuscht: "Wir wurden auf der Strecke rausgeworfen, ohne dass es einen richtigen Anschluss gab." Von der Kapazität des Schienenersatzverkehrs ganz zu schweigen. Am Freitagmorgen wurden Fahrgäste wenigstens in der "DB Navigator"-App vor den Problemen auf der Strecke gewarnt. Zudem wurden kurzfristig Reisebusse von Drittanbietern angemietet, um dem Aufkommen gerecht zu werden.