Straßenfasching in Weinheim abgesagt
„Jetzt nicht auf den Straßen tanzen“: Auch in Weinheim wird der Marktplatzfasching aus Pietätsgründen abgesagt.
Weinheim. Der Weinheimer Marktplatzfasching ist nach der Amokfahrt am Rosenmontag in Mannheim abgesagt worden. Dies teilt die Stadt in einer Pressemitteilung mit. „Wir sind alle sehr tief betroffen von den Ereignissen in Mannheim. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen und allen, die Zeugen geworden sind“, sagt Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just. Weiter heißt es: „Wir spüren, dass wir in dieser Situation nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren können.“ Die Bedrohungslage sei noch viel zu unklar und da seien Feiern und fröhlich sein gerade jetzt nicht das Gebot der Stunde.
Der Oberbürgermeister traf die Entscheidung zur Absage in Abstimmung mit den Ordnungs- und Sicherheitskräften. Zudem habe er sich bei dieser Entscheidung auch mit Kollegen aus der Region abgestimmt. Auch in den anderen Rathäusern der Region habe man genauso entschieden und Veranstaltungen abgesagt, bei denen größere Menschenansammlungen zu erwarten waren.
„Es macht keinen Sinn, jetzt auf den Straßen der Region zu tanzen“, so Just. Viel mehr denken wir an die zahlreichen Zeugen und Menschen, die seit dem Anschlag in einem emotionalen Ausnahmezustand leben. Die Haltung von Just sowie weiterer Rathauschefs ist klar: Die Ereignisse und Eindrücke von Mannheim seien noch viel zu frisch, weitere Folgen noch viel zu wenig absehbar, um schon am nächsten Tag weiterzufeiern.
Rücksichtnahme gegenüber der Betroffenen
Dabei gehe es um eine Frage der Pietät und Rücksichtnahme gegenüber den mittelbar oder unmittelbar betroffenen Menschen in der Region, aber auch darum, dass es in der Kürze der Zeit schlichtweg unmöglich sei, die Sicherheitskonzepte einer neuen Lage anzupassen. Außerdem dürfe man keinesfalls Sicherheits- und Rettungskräfte in einem Einsatz beanspruchen, bevor die Umstände von Mannheim komplett aufgeklärt sind.
Der Oberbürgermeister betont, es gehe keineswegs um ein Einknicken vor Attentätern oder demokratiefeindlichen Tätern. Die zeitliche Abfolge zwischen dem Mannheimer Anschlag und geplanten Menschenansammlungen sei schlichtweg zu kurz, um alle Risiken wirklich abschätzen zu können. „Im Zweifel gehen Leib und Leben unserer Bürgerinnen und Bürger vor“, so Just. (sig)