Weinheim/Rimbach

Flohmarktsaison in Weinheim: Der ultimative Guide für Käufer und Verkäufer

Die Flohmarktsaison in Weinheim und der gesamten Region steht vor der Tür. Erfahren Sie von den Experten wie "Trödeltobi" und Monika Schieferstein, wie Sie Ihre Schätze am besten präsentieren und verkaufen können.

Profis in Sachen Secondhand: "Trödeltobi" Tobias Mitsch und seine Mitarbeiterin Monika Schieferstein, die den Laden in der Bismarckstraße in Rimbach managt. Foto: Marco Schilling
Profis in Sachen Secondhand: "Trödeltobi" Tobias Mitsch und seine Mitarbeiterin Monika Schieferstein, die den Laden in der Bismarckstraße in Rimbach managt.

Es geht wieder los: Die Flohmarktsaison steht unmittelbar bevor, denn schon an den kommenden beiden Wochenenden wird in Weinheim und in der gesamten Region fleißig getrödelt. Am 23. September beim Karbuzel-Flohmarkt der TSG-Basketballer vor dem Hector Sport-Centrum und schon eine Woche später am 30. September beim großen Flohmarkt rund um den Rodensteiner Brunnen. Wer jetzt noch ratlos auf all die vermeintlichen Schätze in seinem Keller blickt und sich fragt: Kann man das überhaupt verkaufen? Wie viel soll ich verlangen? Und worauf achten die Käufer auf Flohmärkten überhaupt? - der bekommt hier Tipps von "Trödeltobi" aus Rimbach. 2011 hat er sich mit Entrümplungen und Haushaltsauflösungen selbständig gemacht. Seinen knapp 700 Quadratmeter großen Laden in der Bismarckstraße in Rimbach managt Monika Schieferstein. Wenn sich jemand mit Secondhand-Verkäufen, Flohmärkten und Trödeln auskennt - dann Moni und Tobi. Hier verraten sie ihre Tipps - für Verkäufer und Käufer.

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1. Die richtige Auswahl - mehr ist mehr

Im Keller und auf dem Dachboden stapeln sich jede Menge Sachen, die man gerne loswerden möchte: alte Zeitschriften, Matchbox-Autos, Hanteln, Kleidung und Schuhe, Vasen von der verstorbenen Oma und die alte Kaffeemaschine, die eigentlich noch gut ist, aber eben nur ordinären Filterkaffee machen kann. Alles einpacken? Oder bewusst das vermeintlich Beste auswählen? "Theoretisch kann man alles verkaufen, wenn der richtige Käufer vorbeikommt", sagt Tobias Mitsch. Grundsätzlich sollte man lieber etwas mehr anbieten, eine große Auswahl lockt die Kunden an den Tisch, verleitet zum Stehenbleiben, zum genauen Hinschauen.

Was sich gut verkaufen lässt: "Dekoartikel gehen eigentlich immer", sagt Tobias Mitsch. Auch Saisonware, wenn sie zur aktuellen Jahreszeit passt, darf auf den Trödeltisch. "Jetzt im Herbst kann man ruhig schon Weihnachtsdekoration anbieten", ergänzt Monika Schieferstein. Bei Sammlern ist Militaria heiß begehrt. Doch da sollte man vorsichtig sein: Gegenstände, die in Deutschland verbotene Symbole wie das Hakenkreuz tragen, dürfen nicht verkauft werden. Gut verkauft sich in der Regel auch alles, was mit Emaille beschichtet ist und Zinkwaren. Ebenfalls gefragt ist nach Moni und Tobis Erfahrung historisches Blechspielzeug. "Wobei man in diesen Fällen vielleicht sogar besser beraten ist, es im Internet zu verkaufen. Da erreicht man einen größeren Interessentenkreis", sagt Tobias Mitsch. Kleinmöbel aus der Rockabilly-Ära, zum Beispiel Nierentische, kommen beim Flohmarktpublikum ebenfalls gut an. "Und wirklich Antikes, also alles, was älter als 45 Jahre ist", sagt Mitsch. Sammler lieben auch alte Puppenhäuser - am besten mit Mobiliar.

Emaille-Geschirr ist bei Flohmärkten aktuell heiß begehrt. Foto: Marco Schilling
Emaille-Geschirr ist bei Flohmärkten aktuell heiß begehrt.

Was sich schwierig verkaufen lässt: Nicht unmöglich, aber doch etwas schwieriger an den Mann oder die Frau zu bringen, ist beispielsweise Porzellan-Geschirr. "Goldrandgeschirr haben wir fast bei jeder Haushaltsauflösung, es will aber kaum jemand kaufen", so Mitsch. Ähnlich verhält es sich mit Sammeltassen oder -tellern aus den 60er- und 70-er Jahren. Auch die sind eher Ladenhüter. Bücher sind wenig gefragt. "Wenn, dann muss man sie richtig günstig abgeben. Die Schlepperei rechnet sich jedenfalls kaum", sagt Mitsch. Auch Hirsch- und sonstige Geweihe sowie Bilder und Gemälde sind eher weniger der Renner. Porzellanpuppen fallen ebenfalls unter die Kategorie "schwer vermittelbar". Modeschmuck? "Na ja, das sind dann Cent-Beträge", sagt Mitsch. Elektrogeräte haben bei Flohmärkten ein Manko: Ist keine Steckdose in der Nähe, kann man als Käufer nicht testen, ob sie funktionieren. Deshalb lassen sich Mixer & Co. bei solchen Veranstaltungen schwerer verkaufen.

2. Die richtige Präsentation - schön soll es aussehen

Sauber und ordentlich präsentiert - so lautet die Maxime für einen erfolgreichen Flohmarktstand. "Gut ist, wenn man seine Waren nach Themen sortiert hat", sagt Mitsch. Vorne die kleineren Sachen, hinten die höheren. "Gut ist auch, wenn man vor dem Stand Kisten stehen hat, in denen die Leute ein wenig stöbern können", so "Trödeltobi". Aber Achtung: "Zerbrechlich sollten die Sachen in den Kisten nicht sein. Es kommt immer mal vor, dass die Leute mit den Füßen dranstoßen."

Viele der angebotenen Sachen standen lange im Keller oder auf dem Dachboden, deshalb sollte man sie wenigstens von Staub und Schmutz befreien. Doch es gibt eine Ausnahme: Silberbesteck sollte man nicht vorab Polieren. "Es gibt Sammler, die das nach dem Kauf lieber selbst machen. Andere wiederum mögen die Patina und wollen sie nicht entfernen", sagt Tobias Mitsch.

Bei Deko-Artikeln wie Vasen ist es durchaus vorteilhaft, sie in Szene zu setzen, sagt Monika Schieferstein. "Wenn man eine Vase hat und ein paar Trockenblumen hineinstellt, dann hat der Kunde gleich eine Vorstellung davon, wie die Vase mit Blumen wirkt."

Sammeltassen aus Porzellan sind aktuell zwar weniger gefragt, doch werden sie schön präsentiert, finden sie vielleicht doch einen Käufer - oder eine Käuferin. Foto: Sascha Lotz
Sammeltassen aus Porzellan sind aktuell zwar weniger gefragt, doch werden sie schön präsentiert, finden sie vielleicht doch einen Käufer - oder eine Käuferin.

Originalverpackungen sind übrigens manchmal sprichwörtlich "Gold wert". Bei Blechspielzeug, Matchbox-Autos oder anderen Sammlerstücken steigern sie noch den Wert, erst recht dann, wenn die Sachen tatsächlich noch originalverpackt, also zum Beispiel eingeschweißt sind. "Deshalb auf keinen Fall erlauben, dass Kunden die Originalverpackung aufreißen!", warnt Tobias Mitsch. Echte Experten wissen, dass das den Wert mindern kann.

3. Das richtige Gespür für die Kunden

Verkaufsprofis wie Moni wissen: Nicht jeder Kunde ist gleich. Der eine will sich die Sachen in Ruhe anschauen und nicht gestört werden, der andere wiederum freut sich über einen kleinen Plausch, bei dem er vielleicht sogar die persönliche Geschichte hinter dem Flohmarkt-Gegenstand erfährt. Wie man erkennt, wen man vor sich hat? Ein gutes Gespür ist da in jedem Falle hilfreich. Professionelle Händler, die natürlich auch Flohmärkte durchstöbern, erkennt man übrigens vor allem an der Uhrzeit. "Die Profis kommen gleich frühmorgens. Die stehen quasi schon da, wenn man seine Sachen auslädt", sagt Tobias Mitsch.

4. Der richtige Preis - handeln oder nicht?

Wer wissen will, wie viel er für bestimmte Dinge verlangen kann, der sollte bei Ebay nachsehen - allerdings unter der Rubrik Auktionen. "Bei Festpreisangeboten werden teilweise utopische Preise angegeben. Die Sachen stehen dann aber auch manchmal schon seit Jahren drin", sagt Tobias Mitsch. Bei welchen Waren sollte man sich vorab unbedingt schlau machen? "Bei Münzen und bei Schmuck sollte man prüfen, ob er echt ist", rät Tobias Mitsch.

Handeln gehört natürlich zum Flohmarktleben mit dazu. Wer 20 Euro für ein Kinderfahrrad möchte, der erste Kunde aber nur 5 Euro bezahlen will, der sollte erst einmal hartnäckig bleiben und abwarten. Generell gilt aber: "Den Riesengewinn sollte man nicht erwarten, wenn man auf einen Flohmarkt geht. Mein Tipp: Die Atmosphäre genießen, den Plausch mit den Kunden und den Standnachbarn, Spaß haben - und sich freuen, wenn der Keller ein bisschen leerer und luftiger geworden ist", sagt Trödeltobi. Riesige Gewinne könne man nach einem Flohmarkttag allerdings nicht erwarten.

Flohmarkt macht Spaß - zum Beispiel beim lockeren Plausch mit den Kunden. Unser Bild entstand 2022 in Birkenau bei "Krempel uff de Gass". Foto: Fritz Kopetzky
Flohmarkt macht Spaß - zum Beispiel beim lockeren Plausch mit den Kunden. Unser Bild entstand 2022 in Birkenau bei "Krempel uff de Gass".

Kaufen wie ein Profi

Fünf goldene Regeln für Schnäppchenjäger:

1. Je früher man kommt, desto besser. Die Profis sind meist schon dann vor Ort, wenn die Verkäufer ihre Sachen gerade erst aufbauen. So haben sie die volle Auswahl und bei Leckerbissen zuschlagen. wer später kommt, der muss sich mit dem Rest begnügen.

2. Genau hinschauen: Es handelt sich bei Flohmarktware zumeist um gebrauchte Gegenstände."Also erst einmal den Allgemeinzustand checken", rät Tobias Mitsch. Bei beschädigten Waren oder Gegenständen mit kleinen Macken, hat man als Käufer natürlich einen Vorteil bei den Preisverhandlungen.

3. Bei manchen Waren lohnt es sich durchaus, einen Kaufnachweis zu verlangen, zum Beispiel bei Fahrrädern oder Elektrogeräten.

4. An den Transport denken. Wer häufig auf Flohmärkte geht, der hat in der Regel immer ein paar Jutetaschen oder Tüten mit dabei. Denn nicht an jedem Flohmarktstand haben die Verkäufer auch an Tüten und Taschen gedacht.

5. Sich nicht überrumpeln lassen. In Ruhe überlegen: Wie viel bin ich bereit für einen Gegenstand zu bezahlen? Was würde er neu kosten? Wie viel ist er mir wert? Im Zweifel noch eine kleine Runde drehen und später wiederkommen, wenn man seine Gedanken geordnet hat.