Vieles deutet im Wahlkreis Heidelberg-Weinheim auf Zweikampf zwischen Brantner und Föhr hin
Der CDU-Bewerber Alexander Föhr kämpft wegen des neuen Wahlrechts gewissermaßen an zwei Fronten. AfD und Linke haben gute Chancen, dass ihre Kandidaten in den neuen Bundestag einziehen.
Weinheim/Region. Wenn sich die Umfragen bewahrheiten, dann läuft es bei der Bundestagswahl am Sonntag darauf hinaus, dass die CDU die meisten Stimmen erhalten wird. Im Wahlkreis Heidelberg/Weinheim, zu dem neben diesen beiden Städten auch Dossenheim, Eppelheim, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim, Hemsbach, Hirschberg, Ilvesheim, Ladenburg, Laudenbach und Schriesheim gehören, dürfte es deutlich spannender werden.
Bei der Erststimme gehen „Titelverteidigerin“ Franziska Brantner (Grüne) und Alexander Föhr (CDU) als Favoriten ins Rennen. 2021 setzte sich Brantner mit 30,2 Prozent der Erststimmen deutlich gegen Föhr durch, der auf 24,1 Prozent kam. Doch die politische Stimmung im Land hat sich seither verändert, weshalb viele Beobachter ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden erwarten.
Während Brantner sicher wieder in den Bundestag einziehen dürfte, weil sie auf dem ersten Platz der Grünen-Landesliste steht und als Co-Bundesvorsitzende ihrer Partei einen „Promi-Bonus“ haben dürfte, kämpft der CDU-Bewerber Föhr gewissermaßen an zwei Fronten. Er muss nicht nur die meisten Erststimmen im Wahlkreis bekommen, sondern auch auf ein möglichst gutes Wahlkreisergebnis für seine Partei bei den Zweitstimmen hoffen.
Folgen der Wahlrechtsreform
Denn seit der Wahlrechtsreform ist der Sieg im eigenen Wahlkreis nicht mehr automatisch das Ticket nach Berlin, weil es keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr gibt. Erstmals hängt der Einzug eines Kandidaten in den Bundestag davon ab, ob seiner Partei ausreichend Sitze im jeweiligen Bundesland zustehen. Wenn die CDU-Bewerber wie 2021 wieder in 33 der 38 Wahlkreise in Baden-Württemberg die meisten Erststimmen holen, dann ist bereits jetzt absehbar, dass einige den Einzug in den Bundestag verpassen werden. Und zwar trifft es jene, die im Vergleich mit ihren Parteifreunden bei den Erststimmen prozentual am schlechtesten abschneiden.
Chancen für Kaufmann und Mirow
Eher Außenseiter bei den Erststimmen ist Malte Kaufmann (AfD). Aber er hat gute Chancen, sein Bundestagsmandat zu verteidigen. 2021 schafften zehn AfD-Bewerber aus Baden-Württemberg über die Landesliste den Sprung in den Bundestag. Damals holte die AfD in Baden-Württemberg 10,3 Prozent der Zweitstimmen. Nach aktuellen Umfragen dürfte die Partei deutlich zulegen, und Kaufmann steht auf Listenplatz zwölf. Auch Sahra Mirow darf sich große Hoffnungen machen. Denn sie führt die Landesliste der Linken an und dürfte sicher dem neuen Bundestag angehören, wenn die Linke bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringt (oder drei Direktmandate holt).
Für alle anderen Bewerber wird es schwer, den Wahlkreis in Berlin vertreten zu dürfen. Dabei spielt der Platz auf der Landesliste eine wesentliche Rolle. Tim Tugendhat steht bei der SPD auf Platz 32, Tim Nusser bei der FDP auf Platz 22. Die weiteren Kandidaten im Wahlkreis sind: Julian Scharbert (Partei „Freie Wähler“), Julia Burmeister („Die Partei“), Maximilian Saßerath (Volt) und Bernhard Schweigert (MLPD).
Hoher Briefwahlanteil
Insgesamt sind rund 218.000 Menschen im Wahlkreis Heidelberg/Weinheim wahlberechtigt, davon rund 100.000 allein in Heidelberg. 2021 nutzten knapp 178.000 Menschen dieses Recht (81,4 Prozent). Schon damals war der Anteil der Briefwähler sehr hoch; auch wegen Corona. In Weinheim hatten zum Beispiel mehr als 42 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahl beantragt.
520 Wahlhelfer in Weinheim
Diesmal sind nach Angaben der Stadtverwaltung Weinheim 31.389 Menschen wahlberechtigt. Bis Donnerstag lagen der Stadt 10.006 Briefwahlanträge (31,8 Prozent der Wahlberechtigten) vor. Der im Vergleich zu 2021 niedrigere Wert dürfte auch damit zusammenhängen, dass wegen der vorgezogenen Bundestagswahl die Fristen für die Briefwahlanträge verkürzt werden mussten. Insgesamt gibt es in Weinheim 51 Wahllokale und 14 Briefwahlbezirke. Um einen ordnungsgemäßen Ablauf sicherzustellen, sind 520 Wahlhelfer im Einsatz. Noch ein Hinweis aus dem Weinheimer Rathaus: Briefwahlunterlagen können noch bis Sonntag, 18 Uhr, in den Briefkasten im Rathaus (Schloss), Obertorstraße 9, eingeworfen oder direkt beim Wahlamt (Rathaus, Eingang A, Zimmer 209) abgegeben werden. Das Wahlamt ist am Samstag von 10 bis 12 Uhr und am Sonntag ab 8 Uhr unter Telefon 06201/82216 erreichbar.
13 Wahlbezirke in Hirschberg
In Hirschberg laufen am Sonntag die Fäden bei Wahlleiter Christian Müller zusammen. Er rechnet gegen 19.30 Uhr mit dem Ergebnis. Von den 7.335 Wahlberechtigten haben bereits 2.362 von der Briefwahl Gebrauch gemacht. Dies entspricht knapp 32 Prozent. Es gibt 13 Wahlbezirke; davon sind drei Briefwahlbezirke, sechs Wahlbezirke in Leutershausen und vier in Großsachsen. Die Wahllokale befinden sich in den Grundschulen. 114 Wahlhelfer werden im Einsatz sein. Neu bei der Bundestagswahl wird sein, dass die vorläufigen Ergebnisse nicht im Bürgersaal gezeigt werden. Das Rathaus bleibt an diesem Tag geschlossen. Vielmehr können die Bürger alles auf der Internetseite nachlesen.
Briefwahlrekord in Hemsbach
Für die Bundestagswahl wurde in Hemsbach der einstige Fachbereichsleiter Bernd Jung reaktiviert. Insgesamt gibt es 8.700 Wahlberechtigte, davon haben bereits 2.532 per Brief gewählt. Dies sind knapp 30 Prozent. Laut Jung ist dies ein Rekord. Die Wahllokale befinden sich in der Schiller- (drei Wahlbezirke) und in der Hebelschule (fünf Wahlbezirke). Hinzu kommen zwei Briefwahlbezirke im Rathaus. 120 Helfer werden im Einsatz sein. Die Ergebnisse werden im ersten Stock des Rathauses auf einem Bildschirm zu sehen sein. Jung rechnet gegen 18.45 Uhr mit dem Ergebnis.
Übertragung in Laudenbach
In Laudenbach gibt es 4.891 Wahlberechtigte; der Anteil der Briefwähler liegt bei 1.512, also knapp 31 Prozent. Laudenbach hat acht Wahlbezirke und vier Briefwahlbezirke; alle Wahllokale befinden sich in verschiedenen Räumen der Sonnberg-Schule. 64 Wahlhelfer zuzüglich Leitung sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Im Foyer der Sonnberg-Schule findet ab 18.30 Uhr eine Leinwand-Übertragung der aktuellen Ergebnisse statt. Sobald die vorläufigen Endergebnisse feststehen, veröffentlicht die Gemeinde sie auf ihrer Homepage.