Bundestagswahl

Stimmen zur Wahl in Heidelberg/Weinheim: Das sagen die Kandidaten zum Wahlausgang

Alexander Föhr (CDU) bangt um den Einzug in den Bundestag, Franziska Brantner (Grüne) zeigt sich kämpferisch, Malte Kaufmann (AfD) will nicht ewig Opposition sein – und Tim Tugendhat (SPD) redet nicht um den heißen Brei herum. Das sagen die Kandidaten für Weinheim und die Region zu ihren Ergebnissen bei der Bundestagswahl.

Was sagen die Kandidaten des Wahlkreises Heidelberg/Weinheim zum Ausgang der Bundestagswahl? Foto: Parteien / vasilyev_ivan / Getty Image
Was sagen die Kandidaten des Wahlkreises Heidelberg/Weinheim zum Ausgang der Bundestagswahl?

Heidelberg/Weinheim. Die vorgezogene Bundestagswahl ist vorüber und die vorläufigen Ergebnisse des Wahlkreises Heidelberg/Weinheim stehen fest. Trotzdem muss Wahlkreissieger Alexander Föhr von der CDU weiter zittern. Die Reaktionen der Kandidaten im Überblick:

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Unentwegt starrte Alexander Föhr auf den Bildschirm. Foto: Thomas Rittelmann
Unentwegt starrte Alexander Föhr auf den Bildschirm.

CDU: Alexander Föhr bangt noch

An Spannung war dieser Wahlabend für den CDU-Bundestagsabgeordneten Alexander Föhr nicht zu überbieten. Als er gegen 17.30 Uhr mit seiner Frau Patricia bei der Wahlparty im Atlantic Hotel am Heidelberger Bahnhof eintraf, schien die Welt noch in Ordnung. Per Handschlag begrüßte er die Parteifreunde, holte für sich ein Bier und einen Grauburgunder für seine Frau Patricia.

Als in der ARD die erste Prognose gezeigt wurde, gab es spontan Applaus. Die CDU/CSU lag bei 29 Prozent. Kurz danach präsentierte der Moderator mögliche Koalitionen. Bei Schwarz-Grün hörte man Buh-Rufe. Andere im Saal wiederum drückten die Daumen, dass die FDP nicht in den Bundestag einzieht. So würde die Regierungsbildung einfacher. Doch der Abend brachte noch einige Ungewissheiten. Die Stimmung wurde zunächst immer besser. Gegen 18.25 Uhr gab es die erste Hochrechnung. Die CDU/CSU war die stärkste Kraft: „Wir haben die Nase vorn“, so Föhr. Jubel kam auf, als das erste Ergebnis aus dem Wahlkreis zu sehen war. Föhr holte knapp 42 Prozent bei den Erststimmen. Allerdings war dies der erste Wahlbezirk von 354. „Wir müssen jetzt einfach abwarten. Denn der Gewinn des Direktmandats heißt nicht zwangsläufig, dass ich in den Bundestag einziehe“, gab er zu bedenken. Nach und nach erschienen die Ergebnisse aus den Wahlbezirken auf der Leinwand. Sie bestätigten, dass der CDU-Mann das Direktmandat holt. Zwischenzeitlich nutzte Föhr die Gelegenheit, seinem Team und den 150 Wahlhelfern für die tolle Arbeit während des „kurzen und knackigen Wahlkampfes“ zu danken. Auch seiner Frau Patricia dankte der Abgeordnete und warf ihr einen Kuss zu. „Ich hoffe, dass sich die Arbeit in Berlin für den Wahlkreis fortsetzen kann“, sagte er und stellte die Gäste auf einen spannenden Wahlabend ein, an dem Freud und Leid ganz eng beieinanderlagen. Bei Redaktionsschluss konnte er noch nicht sagen, ob er dem nächsten Bundestag angehört. „Es wird ganz schwer. Ich denke aber eher nicht. Und das, obwohl ich das Direktmandat geholt habe.“ (hr)

Zugeschaltet aus Berlin: Dr. Franziska Brantner, Grünen-Vorsitzende und hiesige Wahlkreisvertreterin, bei der Schriesheimer Wahlparty der Grünen im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Fadime Tuncer (links). Foto: Thomas Rittelmann
Zugeschaltet aus Berlin: Dr. Franziska Brantner, Grünen-Vorsitzende und hiesige Wahlkreisvertreterin, bei der Schriesheimer Wahlparty der Grünen im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Fadime Tuncer (links).

Grüne: Brantner zeigt sich kämpferisch - unter den Regierungsparteien noch "am besten weggekommen"

Knapp unter dem Rekordergebnis von 2021 – und doch nicht wirklich glücklich. Immerhin: „Wir sind aus einer der unbeliebtesten Regierungen in der Geschichte der Bundesrepublik gekommen und haben uns seither nach oben gekämpft“, kommentiert Dr. Franziska Brantner, Grünen-Vorsitzende und hiesige Wahlkreisvertreterin, das vorläufige zur Bundeswahl 2025.

Blickt man am Sonntagabend auf die vorläufigen Ergebnisse der Koalitionspartner SPD und FDP mit 16,3 beziehungsweise 4,7 Prozent, steht Bündnis 90/Die Grünen mit 12,3 Prozent der Stimmen (2021: 14,7) noch vergleichsweise gut da. Aber was bedeutet das in puncto Regierungsbildung – wollen die Grünen überhaupt noch? „Wir stehen natürlich zur Verfügung“, erläutert Parteivorsitzende Brantner gegenüber unserer Redaktion. Aber zum jetzigen Zeitpunkt seien noch viele Mehrheiten denkbar. Für das Klima wäre eine Regierung ohne die Grünen auf alle Fälle schlecht. Und das gelte in diesem Zusammenhang auch für die Wirtschaft – egal, ob bei Batterietechnik oder Windkraft. Bei der vergangenen Wahl sicherte sich die 45-Jährige die meisten Erststimmen. Ob ihr es auch bei dieser Bundeswahl wichtig ist, Stimmkönigin in Heidelberg–Weinheim zu bleiben? „Natürlich ist es mir wichtig, die Menschen vor Ort zu überzeugen. Ich bin jedoch realistisch: Das Wahlkreis-Ergebnis wird auch vom Bundestrend beeinflusst.“ Gegenüber dem ZDF betonte Brantner kurz zuvor die Wichtigkeit eines demokratischen Europas. Und im eigenen Wahlkreis, der doch starke Ergebnisse der „Blauen“ aufweist? „Wir werden alle überlegen müssen, was zu tun ist, damit die AfD nicht stärker wird“, sagt Franziska Brantner. (gab)

SPD: Tim Tugendhat hat "richtig Bock auf Politik"

Tim Tugendhat redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Die SPD hat die Wahl klar verloren, der Ball liegt jetzt bei der Union“, sagt der 38-jährige Direktkandidat der Genossen im hiesigen Wahlkreis und fügt hinzu: „Ich wünsche ihr viel Glück dabei.“ Tugendhat lehnt eine schwarz-rote Koalition ab, was er bereits vor der Wahl deutlich gemacht hat. Seine Partei werde aber wahrscheinlich aus staatsbürgerlicher Verantwortung wieder in eine Regierungskoalition eintreten. Besser fände er es allerdings, „wenn wir erst einmal in uns gehen und uns überlegen, wie wir die 20 Prozent AfD-Wähler zurückgewinnen können.“

Tugendhat bedauert, dass sich seine Partei in einen Migrationswahlkampf habe drängen lassen. Das eigentliche Problem sei aber nicht die Migration, sondern Armut und fehlende Perspektiven, sagte der SPD-Politiker. Seine Partei müsse eine positive Vision der Zukunft aufbauen. Dem neuen Bundestag wird Tugendhat nicht angehören, kann sich aber vorstellen, in vier Jahren erneut zu kandidieren. „Ich habe richtig Bock auf Politik.“ (maz)

AfD: Malte Kaufmann will nicht "ewig in der Opposition sein"

„Das war eine fulminante Wahl. Wir haben unser Ergebnis fast verdoppelt. Ich hatte damit aber schon gerechnet. Vor allem im Osten sind wir stark, im Westen noch nicht.“ AfD-Bundestagsabgeordneter Dr. Malte Kaufmann klang am Handy überglücklich und entspannt. Denn der AfD-Abgeordnete sitzt mit Sicherheit auch im neuen Bundestag – Listenplatz 12 sei dank.

Den Erfolg bei der Wahl führt er auf einen guten „patriotisch, bürgerlich, konservativen Wahlkampf“ zurück. Die Ampelkoalition habe die Wirtschaft an die Wand gefahren und politisches Harakiri betrieben, betonte er. Die AfD trete hingegen für sichere Grenzen und die Rückführung von gewalttätigen Migranten ein. Zudem wolle sie die Energiekosten senken. Offensichtlich teilten viele in der Bevölkerung diese Meinung und gaben daher der AfD ihre Stimme, so die Einschätzung des Abgeordneten. Da in ganz Europa derzeit das „patriotisch-konservativ-bürgerliche Lager“ Rückenwind erfahre, lasse das für Kaufmann nur einen Schluss zu: „Über kurz oder lang muss man mit uns kooperieren. Jetzt vielleicht noch nicht, aber wir werden nicht ewig in der Opposition sitzen“, ist Kaufmann ganz sicher. (hr)

Die Linke: Mirow erste Kandidatin der Partei, die sich im Wahlkreis durchsetzt

Sahra Mirow hat allen Grund zur Freude: Sie ist die allererste Kandidatin der Linken, der im Wahlkreis Heidelberg–Weinheim der Sprung in den Bundestag gelungen ist. Denn als baden-württembergische Spitzenkandidatin ist der Name der 41-Jährigen ganz oben auf der Landesliste zu sehen. Fragt man sie am Sonntagabend nach ihrer Stimmung, lobt sie vor allem andere: „Wir freuen uns über eine sehr, sehr gute Teamleistung – auch aller Wahlhelfer – im Wahlkampf.“ Außerdem sei es die absolut richtige Entscheidung gewesen, die Themen „hohe Mieten“ und „steigende Preise“ in den Vordergrund zu rücken. Nun hoffe sie, dass die Linke bei einem prognostizierten Ergebnis von 8,5 Prozent noch viele weitere Mandate in Baden-Württemberg holt. Wie sie die Wahlkampfthemen aus der Opposition heraus durchsetzen will? „Beim Mindestlohn haben wir es ja auch geschafft, indem wir das Thema immer wieder auf die Agenda gebracht haben.“ Genauso wolle man es beispielsweise beim Thema „Mietendeckel“ im 21. Deutschen Bundestag machen. „Auch hier werden wir Druck machen“, erklärt Sahra Mirow gegenüber unserer Redaktion. (gab)

FDP: Für Tim Nusser war das Ergebnis "zu erwarten"

Tim Nusser (FDP) macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Im Wahlkreis 274 musste er sich mit dem vorläufigen Ergebnis von 3,7 Prozent zufriedengeben. Bei der letzten Wahl kam er noch auf 9 Prozent. Zumindest bei den Zweitstimmen (5,7) habe man seinen Beitrag für die Bundes-FDP geleistet, so der 28-Jährige bei der Wahlparty im Heidelberger „Achter“. Nach den letzten Umfragen sei das Ergebnis so zu erwarten gewesen. Dennoch steckt Nusser den Kopf nicht in den Sand und sagt: „Mund abputzen und weiter“ – will heißen, dass der dritte gescheiterte Versuch, in den Bundestag zu gelangen, nicht der letzte gewesen sein soll. Aber ab morgen konzentriere er sich wieder auf seine Aufgabe als Stadtrat in Heidelberg. „Dort steht aktuell die Verabschiedung des Haushalts an.“ Es geht jetzt also weiter mit dem Tagesgeschäft. (MC)