Weinheim

Villa am Weinheimer Postknoten abgerissen

Auf dem Grundstück an der Bergstraße 6 ist ein Mehrfamilienhaus geplant. Gebäude hat interessante Vergangenheit.

In der Woche vor Weihnachten wurde die aus dem 19. Jahrhundert stammende Villa am Postknoten abgerissen. Foto: Philipp Reimer Fotografie
In der Woche vor Weihnachten wurde die aus dem 19. Jahrhundert stammende Villa am Postknoten abgerissen.

In der Woche vor Weihnachten rückten die Abrissbagger an. Mittlerweile ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende Villa am Postknoten (Bergstraße 6) in Weinheim komplett verschwunden. Genau gegenüber der RNV-Haltestelle „Hauptbahnhof/ZOB“ soll im kommenden Jahr ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus mit sieben Mietwohnungen und Tiefgarage entstehen.

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Das geht aus der Beschreibung des Objekts hervor, die von der Firma Gutperle & Czech Projektentwicklung auf der Internetseite ImmoScout 24 veröffentlicht worden ist. Ab 17 Euro pro Quadratmeter beträgt demnach die Kaltmiete in dieser zentralen Lage.

Die nördliche Giebelseite des Anwesens Bergstraße 6 (Archivbild) vermittelte eine Ahnung vom architektonischen Glanz vergangener Zeiten. Foto: Carsten Propp
Die nördliche Giebelseite des Anwesens Bergstraße 6 (Archivbild) vermittelte eine Ahnung vom architektonischen Glanz vergangener Zeiten.

Die Abrisspläne hatten im Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Denn die in den 1870er-Jahren im spätklassizistischen Stil erbaute Villa hat eine „interessanten Bau- und Besitzgeschichte“, wie auch das Landesdenkmalamt bestätigte.

Geschichte der Villa

Demnach befand sich die Villa von 1885 bis 1938 im Eigentum der jüdischen Familie Hirsch. Insgesamt 13 Familienmitglieder lebten in diesem Zeitraum dort. 1938 wurde das Anwesen an die Firma Carl Freudenberg verkauft, die es ein Jahr später an die Stadt Weinheim veräußerte. Seit Ende der 1940er-Jahre befand sich das Gebäude dann wieder in Privatbesitz. Doch wegen zahlreicher baulicher Veränderungen in der Nachkriegszeit und in den späten 1970er-Jahren reichte das nicht, um das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. In der Tat war das Gebäude von der Bergstraße aus betrachtet eher unscheinbar bis unansehnlich. Nur die nördliche Giebelseite vermittelte noch eine Ahnung vom architektonischen Glanz vergangener Zeiten.