Volltreffer mit „Allgäu Power“
Der Sportschützenverein Weinheim verbindet zu seinem 100. Geburtstag Tradition und Moderne. Wann die Partyband kommt und wo es Karten gibt.
100 Jahre SSV
27. August 1923: Gründung des Sportschützenvereins 1923 Weinheim im Gasthaus „Zum Rosengarten“.
1925: Bau des ersten Schießstandes für 5214 Reichsmark.
1938: Neubau eines wettkampfgerechten Standes mit 50-Meter-Kleinkaliber-Ständen beim „Waldschloss“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg 1950: Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit und Aufbau des Schießstandes.
1973: Sanierung und Erweiterung der Schießanlage.
1993: Einweihung der neuen Sportanlage mit Schützenhaus am Standort „In der Schindkaut“ an der Birkenauer Talstraße. Die alten Anlagen im Gorxheimer Tal wurden im Zuge von Baumaßnahmen der Bäckerfachschule 1992 abgerissen.
Ende der 90er-Jahre: Erweiterung der Anlagen und Ausbau nach massiven Verschärfungen der Schießstandverordnungen.
2004: Kauf einer vollelektronischen Luftdruckanlage; Ende der in die Jahre gekommenen Zuganlagen mit Seilen.
2017: Gründung der Abteilung Bogenschießen.
2019: Nach dem Weggang der TuS Einheit Weinheim Übernahme des ehemaligen Sportplatzes als Erbpachtgelände für die Bogenabteilung.
2022: Montage einer modernen elektronischen Anlage auf dem unteren Luftdruckstand.
Ein Volltreffer soll es werden, das Konzert von „Allgäu Power“, mit dem der Weinheimer Sportschützenverein seinen 100. Geburtstag am Samstag, 22. Juli, feiert. Passender hätte die Wahl nicht ausfallen können, denn die Partyband schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne ebenso, wie die Schützen es in ihrer langen Geschichte getan haben. Rund 800 Gäste werden auf dem Gelände in der Birkenauer Talstraße erwartet. Und das ist realistisch. Immerhin haben die Musiker in ihren Krachledernen einen guten Ruf in der Region. Seit Jahren gelten sie als Stimmungsgaranten beim Lützelsachsener Winzerfest und lassen die rappelvolle Winzerhalle beben.
Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Festzelt und Getränke sind bestellt. „Die Party kann steigen“, freut sich Schützenkönig Stefan Hördt. Er trägt die Schützenkette mit Stolz, ein Vereinsmeier im besten Sinne des Wortes. Der 55-Jährige ist im Organisationsteam für das Jubiläum, mäht den Rasen des ehemaligen TuS-Sportplatzes, der heute den Bogenschützen des Vereins zur Verfügung steht, und gibt seit 25 Jahren den Nikolaus am 6. Dezember für die Kinder der Schützen. Ihm ist der Brückenschlag von Tradition und Moderne ebenso wichtig wie dem 32-jährigen Eric Wieninger.
Zwei Generationen – ein Sport
Hördt und Wieninger – zwei Generationen, die die Leidenschaft für einen Sport teilen, der in der Gesellschaft mit einem verstaubten Image zu kämpfen hat und aufgrund von Amokläufen immer wieder in Verbindung mit Gewaltbereitschaft gebracht wird. „Zu Unrecht“, finden Hördt und Wieninger. Hördt: „Was wir machen, ist Sport, sogar ein olympischer, und keine Wildwest-Ballerei.“
Berichtet er von seinem Hobby, kommt er regelrecht ins Schwärmen. Man braucht Kraft, Ausdauer und natürlich ein gutes Auge, um über Kimme und Korn die Scheibe anzuvisieren. „Das ist eine Mordskonzentrationssache“, erklärt der gebürtige Weinheimer, der jetzt in Birkenau wohnt und arbeitet – beim kommunalen Bauhof, ebenso wie Eric Wieninger. Beruflich ein Gespann, auf der Schießanlage Vereinskameraden, auch wenn Wieninger am liebsten seine alte Schweden-Mauser anlegt, eine Repetierbüchse aus dem Jahre 1919. Hördt dagegen steht auf moderne Technik.
Es geht uns nicht nur ums Schießen, sondern auch um das Gemeinschaftsgefühl — Eric Wieninger, SSV-Vorstandsmitglied
„Aber es geht uns nicht nur ums Schießen, sondern auch um das Gemeinschaftsgefühl“, erklärt Wieninger. Er ist seit über zehn Jahren im Weinheimer Schützenverein, pflegt die Grünanlagen und ist als stellvertretender Schriftführer im Vorstand unter Oberschützenmeister Thomas Leidner aktiv.
„Das bei uns, das ist Zusammenhalt“, sagt Wieninger. Und Hördt ergänzt: „Hier hilft einer dem anderen.“ Im Sportstudio, wo jeder allein Gewichte stemmt, findet man das nicht, ist er sich sicher.
Schlachtfest, Grillfest und Königsfeier – die Schützen üben nicht nur ihren Sport aus, sie feiern auch gerne zusammen. Selbst die Pandemie, die viele Vereine Mitglieder gekostet hat, bescherte dem SSV keine Verluste. „Das zeigt deutlich, wie wohl sich die Schützen in ihrem Verein fühlen“, weiß Vorsitzender Thomas Leidner. 46 Gründungsmitglieder waren es vor 100 Jahren, die den Verein aus der Taufe hoben. Heute kann der Verein auf rund 520 Mitglieder stolz sein.
Der Schützenverein ist in all den Jahren immer mit der Zeit gegangen, hat seine Schießanlage – zunächst im Gorxheimer Tal, später dann in der Birkenauer Talstraße – immer wieder erweitert, um den Sportlern die besten Trainingsbedingungen zu schaffen. Er wurde belohnt durch sportliche Erfolge. Auf Kreis- und Landesmeisterschaften standen viele Schützen des SSV Weinheim auf dem Siegertreppchen und auch die starke Jugend heimste viele Medaillen ein. Seit 2002 ist die Jugendabteilung jedes Jahr mit mehreren Startern bei der Deutschen Meisterschaft in München vertreten. Zehn Jugendliche des Vereins wurden in den Jahren zwischen 2004 und 2020 in die Kader des badischen Landesverbandes eingeladen.
Nicht ohne Schießbude
Neue Wege ging der SSV Weinheim 2017, als er den Bogenschützen mit der Gründung einer eigenen Abteilung eine neue Heimat gab. Trainiert wird auf dem ehemaligen Sportplatz der TuS, allerdings nicht am Festwochenende. Bevor „Allgäu Power“ am Samstag das Zelt rocken wird, steht am Freitag, 21. Juli, der traditionelle Festkommers auf dem Programm. Vor dem Zelt auf dem ehemaligen TuS-Platz wird ein kleiner Rummelplatz aufgebaut. Was natürlich nicht fehlen darf: eine Schießbude.
Tickets für „Allgäu Power“ auf dem ehemaligen TuS-Platz „In der Schindkaut“ (Birkenauer Talstraße) gibt es bei Daum und Geißinger, Birkenweg 11, in Weinheim und bei Florians Essbar, Hauptstraße 51, in Birkenau sowie im Schützenhaus während der Trainingszeiten. Einlass 18 Uhr, Beginn des Konzertes 20.30 Uhr.