Weinheim

Waldhof-Fan wird Chef-Pfarrer der Region

Johannes Balbach beschreibt sich als echtes „Mannemer Bloomaul“. Gegenüber den WN verriet er, welche Schwerpunkte er in der neuen Großpfarrei mit Sitz in Weinheim setzen will.

Pfarrer Johannes Balbach hat in der neuen Großpfarrei St. Marien Weinheim den Hut auf. Foto: Martin Bernhard
Pfarrer Johannes Balbach hat in der neuen Großpfarrei St. Marien Weinheim den Hut auf.

Die neue katholische Großpfarrei mit Sitz in der Zweiburgenstadt hat nun Gesicht und Name. Wie die Erzdiözese Freiburg erklärt, wird sie St. Marien Weinheim und Römisch-katholische Kirchengemeinde Nordbadische Bergstraße heißen. Im selben Zug gab die Erzdiözese bekannt, welcher Geistliche die Position des Leitenden Pfarrers in den neuen Einheiten übernehmen wird. Das Amt hat künftig Johannes Balbach inne. Derzeit ist er Oberhaupt des katholischen Dekanats Mosbach-Buchen.

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Warum Weinheim?

Was ihn bewogen hat, sich auf die Stelle in Weinheim zu bewerben? Die Heimatnähe habe eine große Rolle gespielt. Der 59-Jährige, der sich selbst als „echtes Mannemer Bloomaul“ bezeichnet, ist in der Quadratestadt geboren und aufgewachsen, seine Geschwister wohnen nach wie vor dort. Dementsprechend seien ihm Weinheim und sein Umland bestens bekannt. Auch, aber nicht nur aus seiner Kindheit und Jugendzeit.

Schlussendlich ausschlaggebend seien jedoch die Gespräche gewesen, die er mit den Verantwortlichen in Weinheim geführt habe. Diese habe er als unheimlich „offen“ und „lebendig“ erlebt. Am Ende des Austausches sei für ihn klar gewesen: „Jawoll, das passt für mich!“

St. Marien ist nicht nur Namensgeber für die neue Großpfarrei. Sie soll auch Pfarrkirche des Zusammenschlusses von fünf Seelsorgeeinheiten werden. Foto: Fritz Kopetzky
St. Marien ist nicht nur Namensgeber für die neue Großpfarrei. Sie soll auch Pfarrkirche des Zusammenschlusses von fünf Seelsorgeeinheiten werden.

Praktisch: Durch die kürzere Anfahrt steigen die Chancen, dass der bekennende Fan (und Mitglied) des SV Waldhof es öfter mal ins Stadion schafft. Meistens fänden die Spiele zwar zu Zeiten statt, in denen er als Pfarrer gefragt sei. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, lacht Balbach. Der zweite Verein, für den sein Herz schlage, sei Borussia Dortmund. Auch für Eishockey interessiere sich Balbach. Hier liegt der Name des Favoritenteams natürlich auf der Hand: die Adler Mannheim.

Neben dem Sport gehört das Wandern zu seinen bevorzugten Freizeitaktivitäten: „Ich bin gerne zu Fuß unterwegs“, so Balbach. Das bedeutet jedoch nicht, dass es ihn nicht auch an weiter entfernte Orte verschlägt: Sein nächstes Ziel ist Portugal, das er im Rahmen der diesjährigen Pfarreifahrt besuchen wird.

Echter Krimi-Fan

Musikalisch hat es ihm die Klassik angetan. Vor allem von Mozart ist Johannes Balbach ein großer Verehrer. Außer Opern und Operetten besucht der Pfarrer gerne Musicals. Wenn er einmal ausspannen will, gelingt ihm das am besten mit einem Buch: „Ich lese wirklich gerne Krimis“, so der 59-Jährige gegenüber den WN. Zuletzt las er einen Band einer Krimiserie – die in Mannheim spielt.

Dort wurde 1964 Balbach geboren. Nach seinem Abitur am Technischen Gymnasium Mannheim studierte er Theologie in Freiburg und Wien. 1992 wurde er in der Heidelberger Jesuitenkirche zum Priester geweiht. Nach Vikarsstellen in Eberbach und Tauberbischofsheim kam Johannes Balbach nach Leimen, wo er 1997 seine erste Pfarrstelle antrat. Ende 2007 wurde er zum Dekan des Dekanats Mosbach-Buchen gewählt; dieses Amt hat er nach zweimaliger Wiederwahl bis heute inne. Seit dem 1. Mai 2008 ist Balbach Pfarrer und Leiter der Seelsorgeeinheit Buchen, seit September 2022 zusätzlich Leiter der Seelsorgeeinheit Mudau.

Balbach haut gerne einmal einen raus

In seinem Dekanat ist Balbach als nahbarer Pfarrer bekannt, der oft und gerne einmal einen Witz raushaut. Die Jugendarbeit liegt ihm besonders am Herzen. Das werde sich auch in Weinheim nicht ändern. Welche Akzente er sonst noch in der neuen Großpfarrei setzen will? Dazu hält er sich noch bedeckt: „Ich möchte mir erst einmal alles anschauen und kennenlernen.“ Teamwork sei ihm wichtig. Also die Kirche vor Ort gemeinsam mit ihren Ehren- und Hauptamtlichen zu gestalten.

In Anbetracht sinkender Mitgliederzahlen sei es umso notwendiger, als Kirche zu signalisieren: „Wir sind für euch da.“ Und das, so Balbach, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Menschen Mitglied sind oder nicht – beziehungsweise welcher Konfession oder Religion sie angehören. Dementsprechend wolle er ein großes Augenmerk auf die Hilfsdienste legen, die die Kirche anbietet.

Der Hintergrund:

Hintergrund für die Umstrukturierung in der katholischen Kirchenlandschaft ist der Prozess Kirchenentwicklung 2030. In der Erzdiözese Freiburg soll dieser bereits am 1. Januar 2026 abgeschlossen sein. Unter anderem werden hierbei die bislang rund 200 Seelsorgeeinheiten mit 1000 Einzelpfarreien zu 36 Großpfarreien zusammengefasst. Eine davon ist St. Marien Weinheim. Sie ist ein Zusammenschluss aus fünf Seelsorgeeinheiten (SE). Die Zusammenlegung erstreckt sich von der SE Hemsbach im Norden bis zur SE Schriesheim-Dossenheim im Süden. Außerdem wird die SE Ladenburg im Südwesten und die SE Steinachtal im Südosten integriert.

Pfarrer Joachim Dauer im WN/OZ-Gespräch Foto: Philipp Reimer
Pfarrer Joachim Dauer im WN/OZ-Gespräch

Notwendig wird der Prozess durch die Personalnot bei den Priestern einerseits. Und durch die sinkenden Mitgliederzahlen andererseits. Joachim Dauer, Leiter der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg (SE), beziffert ihre Zahl in der SE mit 12 500. Die neue Großpfarrei wird nach jetzigem Stand rund 36 000 Mitglieder haben. Zwei Einsatzgebiete blieben in Zukunft unter allen Umständen von Rationalisierungen unberührt: die Kindergärten und die Krankenpflege. Darüber hinaus müsse es bei den Sozialstationen hingegen „Fusionen geben“, so Dauer.

Die Anzahl an Messfeiern sei schon jetzt geringer als noch vor zwei Jahren. „Wenn die Pfarrer zurückgehen, gibt es auch weniger Gottesdienste.“