Weinheim

Yvonn Nicolay wird Ortsvorsteherin von Rippenweier 

Der Ortschaftsrat von Weinheims Ortsteil Rippenweier hat die 47-Jährige am Montagabend einstimmig gewählt. Was sie antreibt und warum sie sich mit Veränderungsprozessen bestens auskennt.

Yvonn Nicolay möchte als Ortsvorsteherin von Rippenweier gemeinsam mit dem Ortschaftsrat die Zukunft ihres Heimatdorfes gestalten. Foto: Marco Schilling
Yvonn Nicolay möchte als Ortsvorsteherin von Rippenweier gemeinsam mit dem Ortschaftsrat die Zukunft ihres Heimatdorfes gestalten.

Dass in Rippenweier jemand gesucht wird, der die Nachfolge von Anja Blänsdorf als Ortsvorsteherin antreten möchte, war schon länger Dorfgespräch. Auch Yvonn Nicolay hatte das mitbekommen, aber sich zunächst nicht näher damit beschäftigt. Das änderte sich erst, als sie hörte, was passiert, wenn sich niemand aus dem Ort für dieses Ehrenamt findet. Dann hätte die Stadt Weinheim nämlich einen Beamten als Ortsvorsteher bestimmt. „Das fand ich nicht gut, weil es wahrscheinlich bedeutet hätte, dass Rippenweier künftig mehr verwaltet und weniger gestaltet wird“, erzählt die 47-Jährige, die keiner Partei oder Wählervereinigung angehört, im Gespräch mit der WNOZ-Redaktion.

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Erst einmal drüber geschlafen

Außerdem war sie nun neugierig geworden, was es mit diesem Ehrenamt denn wirklich auf sich hat. Nach einem ersten Gespräch mit Anja Blänsdorf traf sie noch am selben Abend den neuen Ortschaftsrat. „Wir waren uns schnell einig, dass wir die anstehenden Aufgaben zusammen angehen wollen und wie wichtig es ist, dass man sich gegenseitig auf dem Laufenden hält“, erinnert sie sich. Nachdem sie noch einmal darüber geschlafen hatte, stand ihr Entschluss fest: „Ich kandidiere als Ortsvorsteherin.“ Schließlich ist sie in Rippenweier aufgewachsen.

Rathaus ganz der Nähe

Die Familie lebt seit Generationen dort. Heute wohnt Yvonn Nicolay in der Odenwaldstraße, das Elternhaus befindet sich schräg gegenüber. Und das Rathaus ist auch ganz in der Nähe. Die Gassirunde mit ihrer dreibeinigen Hündin Marcy, einem in Rumänien geretteten Labrador-Mix, führt daran vorbei, die Steingrundstraße entlang zur „Achterbahn“ (Am Pfriemenberg) – „mein Lieblingsort“, wie die 47-Jährige verrät. Auch ihr Lebensgefährte findet ihre Idee, Ortsvorsteherin zu werden, gut. „Ich saug auch öfter mal durch“, signalisierte er seine Unterstützung, erinnert sie sich an seine erste Reaktion und lacht. Ihre Eltern, die gerade im Urlaub waren, informierte sie via WhatsApp. „Du bist ja verrückt“, habe ihre Mutter nur geantwortet. Aber davon abhalten wollte sie niemand, auch ihr aktueller Arbeitgeber nicht. Im Gegenteil: „Meine Chefs finden es super, wenn sich die Mitarbeiter ehrenamtlich engagieren.“

Neugierde und Energie

Sich mit Neugierde und Energie neuen Herausforderungen zu stellen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Yvonn Nicolay. Nach der Realschule in Weinheim absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten in Mannheim und wohnte in Rimbach. Im Alter von 22 Jahren wurde sie Mutter, und als sie nach der Elternzeit wieder arbeiten wollte, zog sie zurück nach Rippenweier. „Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich das nicht geschafft“, ist sie bis heute sehr dankbar, dass sie als alleinerziehende Mutter auch ihre beruflichen Ziele weiterverfolgen konnte.

Berufliche Stationen

Sie wechselte zu einem Heidelberger Unternehmen und startete berufsbegleitend ein Studium in IT-Betriebswirtschaft. Ihr weiterer Weg führte sie zur Stadtverwaltung Weinheim, wo sie von 2007 bis 2010 im Amt für Bildung und Sport tätig war. Ihr besonderes Interesse galt indes dem Projektmanagement, für das sie zunächst bei einer Consultingfirma, die für ein großes Pharmaunternehmen tätig war, und dann bei einer Wirtschaftskanzlei wichtige Einblicke erhielt. Der nächste Schritt war der Wechsel zu Euromaster, einer Tochtergesellschaft der Michelin Group, wo sie als IT-Projektleiterin tätig war, ehe sie Anfang 2024 wieder einmal einen Neuanfang wagte.

Wechsel zu Start-up-Firma

Seither arbeitet sie für das Start-up-Unternehmen Mentix Consulting in Walldorf, das Firmen bei der Transformation von SAP-Systemen berät. Das sei schon eine andere Welt, erzählt sie. Nichts laufe in vorgegebenen Bahnen, kein Formularkrieg, kein „Haben wir schon immer so gemacht“. „Einer meiner Chefs ist so alt wie mein Sohn, der andere ist Mitte 30. Beide strahlen einen Enthusiasmus aus, der alle mitreißt“, gerät Yvonn Nicolay ins Schwärmen.

Etwas dem Heimatdorf zurückgeben

Die Arbeit im Team und die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen – das treibe sie an. Und das wolle sie auch in ihre Arbeit als Ortsvorsteherin einbringen. Ihrem Heimatdorf etwas zurückzugeben für die glückliche und behütete Kindheit – ihre eigene und die ihres Sohnes Louis – sei ihre Motivation. Dabei sei ihr der Erhalt der Infrastruktur für Familien – also vor allem Schule, Kindergarten und Vereine – ebenso wichtig wie die Unterstützung des Ehrenamts in all seiner Vielfalt.

Yvonn Nicolay (links) tritt die Nachfolge von Anja Blänsdorf als Ortsvorsteherin von Rippenweier an. Foto: Carsten Propp
Yvonn Nicolay (links) tritt die Nachfolge von Anja Blänsdorf als Ortsvorsteherin von Rippenweier an.

Ortschaftsrat steht hinter ihr

Die Rückendeckung des Ortschaftsrates hat sie jedenfalls. In Rekordzeit wurde die 47-Jährige am Montag (14. Oktober) vom Ortschaftsrat zur neuen Ortsvorsteherin gewählt: Einstimmig sprach sich das Gremium für Yvonn Nicolay als Nachfolgerin von Anja Blänsdorf aus, die nach zehn erfolgreichen Jahren in diesem Amt nicht mehr kandidiert hatte. Als ersten Stellvertreter wählte der Ortschaftsrat Stefan Hummel (Wählervereinigung „Miteinander“), als zweiten Stellvertreter Gerald Schmitt (Freie Wähler), ehe Blänsdorf nach sieben Minuten die Sitzung beenden konnte. Die Zustimmung des Gemeinderates dürfte reine Formsache sein.