Was den neuen Ladepark für E-Autos in Weinheim besonders macht
Von der Milchzentrale zur Energiezentrale: In der Müllheimer Talstraße ist ein Lade-Parkplatz entstanden, der auch von "normalen" Autos genutzt werden kann.
Die Begeisterung der Personen, die zur offiziellen Eröffnung des Solar-Ladeparks in die Müllheimer Talstraße gekommen waren, war verständlich. Denn dort ist in den letzten Monaten ein Parkplatz entstanden, der nicht nur in Weinheim seinesgleichen sucht. Dr. Christian Fischer, früherer BASF-Manager und Universitätsprofessor, hat mit seiner Firma PDFC Consulting einen Ladepark für Elektroautos gebaut, der mit Solarpanelen überdacht ist und diesen mit Sonnenstrom versorgt. Mit Lademöglichkeiten für 22 Fahrzeuge ist es derzeit der größte öffentliche Ladepark in Weinheim.
Beitrag zur Energiewende
Im Jahr 2013 hatte Fischer das Areal der früheren Milchzentrale beim Hexenturm nahe der Altstadt gekauft, was eine lange Geschichte hat. Ab 1788 war dort für etwa 100 Jahre ein Gasthaus, später gehörte es einem Bauunternehmer. 1940 ging es an die Mannheimer Milchzentrale AG, die dem Gelände ihren Namen gab. Nachdem Christian Fischer das denkmalgeschützte Fachwerkhaus aufwendig saniert hatte, kam Anfang 2023 bei ihm – wie er sagte - die Idee auf, mit dem restlichen Gelände einen Beitrag zur Energiewende zu leisten und darauf einen Solar-Lade-Parkplatz zu errichten.
69469 Weinheim, Müllheimer Talstraße 1
Preise:
Parken 1,00 € pro Stunde, maximal 7,00 € pro Tag (30 Minuten frei).
Ladestrom 49 ct pro kWh, keine Blockiergebühr.
200 Solarmodule
Karl Krings, der mit seiner Firma Woodsun aus Erbach die PV-Anlage auf einer Holzkonstruktion gebaut hat, erklärte, dass die 200 durchsichtigen Solarmodule Energie von bis zu 100 Kilowatt Leistung erzeugen können. Der Strom fließt sowohl in das benachbarte Fachwerkhaus als auch in die Ladesäulen von der Mainzer Firma LADE GmbH, die deren Chef Dennis Schulmeyer vorstellte. Pro Säule können bis zu vier Fahrzeuge jeweils mit bis zu 22 Kilowatt Wechselstrom geladen werden. Ein intelligentes Energiemanagement-System sorgt dabei für eine optimale Nutzung des Solarstroms. Möglich wird das durch einen Energiespeicher mit derzeit 60 Kilowattstunden Kapazität, der bald auf das Doppelte ausgebaut werden soll.
Zusammen mit einer Lösung der Firma SonneNext energy wird dabei der Bezug und die Einspeisung der Energie ins öffentliche Netz gesteuert. Projektleiter Josef Lederhos berichtete, dass damit der Strom an der Strom-Börse zu den jeweils besten Preisen gekauft und verkauft werden kann. Zur Optimierung kommt hier an mehrere Stellen bereits Künstliche Intelligenz zum Einsatz.Dies führt zu günstigen Ladepreisen für die Autofahrer, außerdem ist ein noch attraktiverer Sonnenscheintarif geplant.
Erste halbe Stunde kostenlos
Bezahlt wird mit den üblichen Kreditkarten, zudem können die Roaming-Ladekarten und Apps vieler Anbieter genutzt werden. Das Parken wird ohne Parkschein per Kennzeichen-Erkennung abgerechnet und ist für die erste halbe Stunde kostenlos. Unter den Solarpanelen sind die Fahrzeuge vor Regen und Sonne geschützt. Der Untergrund wurde hierbei nicht versiegelt, sodass Regenwasser versickern kann. Übrigens dürfen dort auch Autos parken, die nicht geladen werden; insgesamt sind 35 Stellplätze vorhanden.
Christian Fischer berichtete, dass für die Anlage ein sechsstelliger Betrag investiert wurde. Er dankte dem anwesenden Ersten Bürgermeister Andreas Buske für die Unterstützung durch die Stadt Weinheim. Dieser wiederum lobte das private Engagement und den Wandel des innerstädtischen Areals „von der Milch- zur Energiezentrale“. Alexander Skrobuszynski, Chef der Weinheimer Stadtwerke, bezeichnete diesen Ladepark als „Königklasse“. Er sieht das nicht als
Konkurrenz zu den eigenen Ladestation, sondern als willkommene Ergänzung. Die Stadtwerke hätten sich hier einige „Inspirationen“ für eigene Aktivitäten geholt.
Christian Fischer will dieses Konzept, unterstützt von der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur des Rhein-Neckar-Kreises, den Gemeinden der Umgebung vorstellen. Dass er dort auf ähnliche Begeisterung trifft, kann man sich gut vorstellen.