Kino

Welche Filme im Weinheimer Kino zu Kassenschlagern wurden

Modernes Theater in Weinheim: Alfred und Dominic Speiser ziehen Bilanz und blicken zuversichtlich voraus – die „Brennessel“ in Hemsbach verzeichnete im vergangenen Jahr beachtliches Wachstum.

Kino-Betreiber Alfred Speiser (rechts), sein Sohn Dominic und Schwiegertochter Anita gehen zuversichtlich ins neue Jahr. Gemeinsam wollen sie die Erfolgsgeschichte des Modernen Theaters und des „Brennessel“-Kinos weiterführen. Foto: Katrin Oeldorf
Kino-Betreiber Alfred Speiser (rechts), sein Sohn Dominic und Schwiegertochter Anita gehen zuversichtlich ins neue Jahr. Gemeinsam wollen sie die Erfolgsgeschichte des Modernen Theaters und des „Brennessel“-Kinos weiterführen.

Weinheim/Hemsbach. Das Moderne Theater in Weinheim ist mehr als ein Kino – es ist Erlebnis, Nostalgie und Familiengeschichte. Betreiber Alfred Speiser überzeugt immer wieder mit erfolgreichen Veranstaltungen. Doch seit Corona ist nichts mehr so, wie es mal war. Kleinere Kinos kämpfen ums Überleben. Auch bei Familie Speiser plant man strukturelle Veränderungen, um den Kinofreunden weiter ein attraktives Programm zu bieten. Gemeinsam mit unserer Redaktion schauen Alfred Speiser und sein Sohn Dominic auf das Kinojahr 2024 zurück und geben Einblicke, was sie dieses Jahr vorhaben – sowohl im Modernen Theater als auch in der Hemsbacher „Brennessel“.

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Langer Gang zur Kinotheke

Viele Menschen in und um Weinheim kennen das Gefühl, das einen erfasst, wenn man das Kino in der Hauptstraße betritt: der lange Gang zur Kinotheke, der Geruch von Popcorn und die Vorfreude auf einen Film auf der Leinwand. All das bietet das Moderne Theater. Bereits im vergangenen Jahr haben die Speisers angekündigt, dass Sohn Dominic mehr Verantwortung übernehmen soll. Daher ist seit Mai 2024 nicht nur Alfred Speiser, sondern auch sein Sohn Geschäftsführer des Lichtspielhauses. Doch längst ist die Marschroute klar. Auf lange Sicht soll er gemeinsam mit seiner Frau Anita (Theaterleiterin) den Kinobetrieb in seiner Gesamtheit übernehmen. „Ich bin nur noch ein bisschen Geschäftsführer“, meint Alfred Speiser schmunzelnd. „Aber nicht mehr so lange“, fügt er anschließend hinzu. „Ich habe das Glück, dass die beiden dieses Geschäft sehr gut verstanden haben“, gibt er stolz zum Ausdruck und verweist auf die gleiche Dynamik, die er bereits mit seiner Frau Esther dem Wahrzeichen des Films in Weinheim verliehen hat. Zudem betont er, dass die Arbeit eines Kinobetreibers leicht aussehe, jedoch sehr vielfältig sei: „Schneller lernt man das Geschäft nie, auch nicht in Krisenzeiten.“

Sohn wird herangeführt

Dominic Speiser sei daher schon seit Längerem im Hintergrund tätig und kennt bereits diverse Abläufe. Im „Brennessel“ wird er nach wie vor herangeführt. So weiß er bereits den Kinoalltag zu koordinieren. Dominic Speiser sei froh, dass sein Vater nach wie vor mit an Bord sei und er sich immer auf dessen Expertise verlassen könne. Bereits vor der Pandemie hatte man überlegt, personell umzustrukturieren. Jedoch waren damals die meisten Bewerber dadurch abgeschreckt, dass die Freizeit in einer solchen Tätigkeit nur schwer kalkulierbar gewesen sei. In Bezug auf die lange Pandemie und die gleichzeitige Umstrukturierung sagt Alfred Speiser, dass ihm der Familienbezug besonders wichtig sei. Dieses Gefühl soll auch an die Gäste des Kinos weitergegeben werden. Die Philosophie lautet: „Führe das Kino wie eine Familie.“ Und das scheint aufzugehen. Letztes Jahr waren Familienfilme besonders erfolgreich. Die Top 3 im Modernen Theater waren „Alles steht Kopf 2“ (1), „Ich – einfach unverbesserlich 4“ (2) und „Die Schule der magischen Tiere 3“ (3). Das sei dadurch zu erklären, dass im Jahr 2024 nur wenige bis gar keine Blockbuster aus anderen Genres erschienen seien, die sonst grundsätzlich die ersten Plätze einnehmen. So seien Filme aus der Marvel-Produktion beliebt. James Bond sei auch immer ein Kassenschlager. Der letzte Film aus dieser Reihe im Jahre 2021 („No Time To Die“) sei aufgrund des damaligen Ausnahmezustands enorm wichtig gewesen. Die Halbierung der Kinolandschaft hätte die Konsequenz sein können.

Was durchaus positiv bewertet werden könne, sei die Tatsache, dass im Vergleich zum Vorjahr die Besucherzahl um sechs Prozent gestiegen sei. Dahingehend fügt Alfred Speiser an, dass bei ihnen die Besucherzahl statt des Umsatzes als Maßzahl herangezogen werde.

Das Niveau der Besucherzahlen vor der Pandemie sei damit jedoch noch lange nicht erreicht. „Der deutsche Kinomarkt hat sich nicht so erholt, wie man es sich erhofft hatte“, so Alfred Speiser. Gleichzeitig gewannen Streaminganbieter immer mehr an Bedeutung und erkauften sich die Rechte an den wenigen Filmen, die in Zeiten der Pandemie und des Streiks in Hollywood 2023/24 neu oder überhaupt verfügbar waren. Vor dieser Zeit hatten Kinobetreiber ein Zeitfenster von drei Monaten, um die „Ware“ exklusiv in ihren Kinos zu zeigen. Das sei aber schon lange nicht mehr der Fall.

Spontanes Vergnügen

Jedoch schauen Alfred und Dominic Speiser optimistisch in die Zukunft. Sie sind der Meinung, dass das Gesamtpaket eines Kinobesuchs nicht ersetzt werden könne und der Reiz eines „spontanen kleinen Vergnügens“ nach wie vor vorhanden sei. Um das Kino perspektivisch aufrechtzuerhalten, seien dennoch zusätzliche Veranstaltungen nötig. Als Beispiel sei hier das Kaffee-Tee-Kino zu erwähnen, das jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindet und sich vor allem an die Senioren richtet. Aber auch jüngere Gäste seien jederzeit willkommen. Solche Veranstaltungen seien notwendig, um das Kino im Bewusstsein der Leute zu halten. Generell sei die Eventkultur nach Corona gestiegen. Diese Thematik greife das Kino auf, so Alfred Speiser weiter. Gerade ältere Menschen scheinen nach der Schließung des Kinos nicht mehr in ihrer Häufigkeit zurückzukehren. Auch das beliebte Konzept des Open-Air-Kinos wird im Jahr 2025 weiterverfolgt und intensiviert. Verschiedene Standorte werden hier gehandelt: das Atrium in Weinheim, der Wiesensee in Hemsbach und der Krone-Park in Bensheim. Auch hinsichtlich neuer Blockbuster kann man sich auf neue Filme freuen. So werden dieses Jahr der neue „Captain America“ (gespielt von Anthony Mackie) und der bereits dritte Teil von „Avatar“ („Fire and Ash“) die Leinwände zum Leben erwecken. Besonders stolz ist Familie Speiser auf die Tatsache, dass ihr „Aktualitäten-Kino“ nach wie vor besteht – und das in Zeiten von mehreren Multiplexen unmittelbar in derselben Region. Da alte Kinos in ihrer Form nicht mehr nachgebaut werden können, sei es umso wichtiger, diese aufrechtzuerhalten. Möglicherweise kommt es zu einem besonderen Wiedersehen im Laufe des Jahres: So wird Iris Berben voraussichtlich noch im Sommer einen neuen Film veröffentlichen und ihre Promotiontour auch durch Weinheim und somit in das Moderne Theater führen.

Mehr Besucher in der „Brennessel“

Die „Brennnessel“ steht (noch) allein unter den Fittichen von Alfred Speiser. Beachtlich sei jedoch der Anstieg der Besucherzahlen in Hemsbach. Die Besucherzahl stieg dort um sage und schreibe 20 Prozent. Das Hemsbacher Kino habe mittlerweile mehr als nur eine reine Kinofunktion inne, es gelte als Treffpunkt für „bestimmte Zielgruppen“. So nutze man hier die Freiheit und zeige auch ältere, aber immer noch gesellschaftlich relevante und anspruchsvolle Filme, die thematisch nicht immer konform sein müssen. Daher auch der Name des Kinos.

Das angrenzende und von der Familie Speiser angemietete B-Bistro ist seit Ende 2023 fester Bestandteil. Erst kürzlich wurde der Vertrag um fünf weitere Jahre verlängert. Übrigens: Die Top 5 kann sich sehen lassen: Auf Platz 1 liegt der „Buchspazierer“ mit einer beachtlichen Besucherzahl von 1500. Ein aussagekräftiges Niveau, wenn man bedenkt, dass nur 82 Plätze pro Vorstellung zur Verfügung stehen. Auf Platz 2 liegt „The Zone Of Interest“ mit circa 1200 verkauften Tickets. Auf Platz 3 und 4 folgen „Oh la la“ und „Geliebte Köchin“, die jeweils um die 1000 Besucher verzeichnen können. Den 5. Platz belegte „Konklave“. Jedenfalls können sich Cineasten auch künftig auf Popcorn und Nachos freuen.