Weinheims führende Köpfe äußern sich zur Personal-Krise in den Kitas
Die Weinheimer Kitas stehen vor einer Herausforderung. Mit einer wachsenden Erschöpfung des Personals und einer Vielzahl unbesetzter Stellen, werden die Streichung von pädagogischen Angeboten und die punktuellen Kürzungen von Öffnungszeiten in Weinheimer Kitas unvermeidbar sein.
Die Situation in den Weinheimer Einrichtungen ist prekär. Die führenden Köpfe der Kita-Landschaft kamen im Rathaus zusammen. In einer gemeinsamen Erklärung der Träger erläutern sie die angespannte Lage. Außerdem werben die Kitas um das Verständnis der Eltern: Sie müssen mit der Streichung von pädagogischen Angeboten und Kürzungen der Öffnungszeiten rechnen.
Oberbürgermeister Manuel Just: "Wir haben langsam, aber sicher die Sorge, dass die Auswirkungen des Fachkräftemangels einen erheblichen Einfluss auf die pädagogische Betreuung unserer Kinder hat." Dabei hat Weinheim die Zahl seiner pädagogischen Fachkräfte in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent gesteigert. Diese Anstrengung geht weiter: „Wir versuchen, jeden auf dem Markt, der sich damit identifizieren kann, an das Berufsbild heranzuführen.“ Wirkliche Abhilfe könne jedoch nur eine andere Gesetzeslage schaffen.
Christa Lehner, evangelische Kitas: „Wir stellen eine zunehmende Erschöpfung des Personals in unseren elf Einrichtungen fest“, sagt die Verwaltungsgeschäftsführerin. Das Kürzen von Zeiten sei unausweichlich, weil zu viele Stellen nicht besetzt seien. „Wären unsere Mitarbeiter nicht über alle Maßen engagiert: Ohne das ungewöhnlich hohe Engagement der Fachkräfte wäre das Betreuungssystem schon kollabiert.“ Die leitenden Angestellten seien den ganzen Tag dabei, die Mangelsituation organisatorisch auszugleichen. Da kämen die Mitarbeiter oftmals zu kurz: „Sie bräuchten mehr Aufmerksamkeit, die wir ihnen nicht bieten können.“
Esther-Maria Loos, Sprecherin der Eltern: „Transparenz ist uns Eltern sehr wichtig“, erklärt die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats. Oft herrsche bei Müttern und Vätern das Gefühl, dass es sich bei Ärgernissen über die Einrichtung um Einzelschicksale handelt: „Sie denken: ,Warum passiert das immer bei mir?‘“ Hier sei ein Hinweis auf die allgemeine Situation hilfreich. Loos gibt aber auch zu bedenken: „Im pädagogisch-sozialen Bereich sind es meist die Mütter, die ihre Arbeit herunterfahren.“ Stimme das Betreuungsangebot für deren Kinder nicht, sorge das für eine zusätzliche Zuspitzung der Personalsituation. „Nach der Coronakrise sind alle so am Limit, dass die Leistungsgrenze auf beiden Seiten erreicht ist.“
Andreas Haller, stellvertretender Leiter Bildungsamt: Zu Kürzungen der Öffnungszeiten sagt Haller: „Wir erleben sie jeden Tag an der einen oder anderen Stelle“. Und das, obwohl das Personal "über alle Maßen" engagiert ist. "Diesen Einsatz kann man gar nicht hoch genug wertschätzen."
Michaela Laub, katholische Kitas: „Das pädagogische Angebot ist so nicht mehr leistbar.“ Die Geschäftsführerin für katholische Kindergärten spricht ebenfalls von Kürzungen der Betreuungszeiten und kurzfristigen Schließungen. Mitarbeiterinnen geraten laut Laub zunehmend unter Rechtfertigungsdruck: „Eltern wollen natürlich wissen, warum ihre Kita kurzfristig geschlossen wird.“ Die Erklärung sei aber so gut wie immer dieselbe: zu wenig Personal.
Matthias Stöhrer, TSG-Geschäftsführung: „Bei uns ist die Situation nicht so extrem. Das liegt daran, dass wir eine kleine Einrichtung mit speziellem Profil sind“, sagt Stöhrer zur Sportkita Purzel.
Sandra Rodemer, AWO Rhein-Neckar: „Meine Kollegen leisten Arbeit über das normale Niveau hinaus, um die Betreuungszeiten zu halten“, so die pädagogische Fachbereichsleiterin des Kreisverbands. Verstärkung zu finden, das sei eine Herausforderung.