Welche Visionen Weinheims neuer Erster Bürgermeister hat
„Ich komme zu einer spannenden Zeit“, sagt Andreas Buske, und meint damit vielfältige Herausforderungen auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene. Dennoch ist er hoch motiviert. Sein Ziel: eine nachhaltige Stadtentwicklung.
Den Schlosspark hat Andreas Buske im Rücken, wenn er an seinem neuen Schreibtisch im Rathaus sitzt. Vor sich dagegen zwei Monitore, Akten und Papiere. Im Blick hat der 47-jährige Nachfolger von Dr. Torsten Fetzner aber vor allem die Zukunft einer Stadt, für die sein Herz schlägt. An seinem dritten offiziellen Arbeitstag stellt sich der frischgebackene Erste Bürgermeister den Fragen der Presse und legt auf den Tisch, was er sich vorgenommen hat als Leiter der technischen Ämter in der Weinheimer Stadtverwaltung. Und das ist einiges.
Ins Rennen um den Posten war Buske im Frühjahr gegangen mit dem Versprechen, als „Umsetzer“ der Entscheidungen des Gemeinderates zu wirken, als „Zukunftsgestalter“ mit Blick auf die Stadtentwicklung und als „Strukturgeber“ für die Verwaltung. Daran wird er sich in den kommenden Jahren messen lassen müssen. Doch noch genießt er „Welpenschutz“, wie es Weinheims Pressesprecher Roland Kern augenzwinkernd ausdrückt. Zumindest – wie klassisch in einem neuen Amt üblich – für die ersten 100 Tage.
Dabei hat Buske schon viel Vorarbeit geleistet seit seiner Wahl durch den Weinheimer Gemeinderat im Mai, als sich der Bauingenieur und Immobilienökonomen gegen Karin Fendler aus Karlsruhe und Patrick Walter aus Ober-Schönmattenwag durchsetzen konnte. Mit Letzterem, seinem Referenten, arbeitet er jetzt eng zusammen.
Reichlich Input von Fetzner
Bereits im Juli – zum Ende der Amtszeit seines Vorgängers – ließ sich Buske von seinem Vorgänger einarbeiten: zwei Tage Workshop für reichlich Input. Herausgekommen ist ein dickes Paket und eine To-do-Liste, die Buske schnellstmöglich in Angriff nehmen will. Hoch motiviert und mit einer Dynamik, die ihresgleichen sucht. Es sprudelt geradezu aus ihm heraus, aus dem Schnellsprecher und Schnelldenker, der sich jetzt „hineinfuchsen“ muss in die Weinheimer Themen und in die Abläufe in der Verwaltung. Das sollte ihm nicht schwerfallen. Schließlich hat er ein gutes Team im Rücken, glaubt er, von dem er sich in den kommenden Tagen und Wochen Informationen und damit das nötige Rüstzeug holen will. Ein Seminar für neue Bürgermeister soll zusätzlich Einblick ins Verwaltungsrecht verschaffen.
#gernperDu
In einer E-Mail an die Kollegen hat sich der „Neue“ bereits vorgestellt– sehr persönlich und nahbar mit dem Hashtag #gernperDu. Er ist nicht nur Bürgermeister, sondern auch Familienmensch, mit einer norwegischen Frau und einem sechsjährigen Sohn. Man wird ihn beim Joggen treffen und bei Karateübungen in der TSG. Ansonsten ist er glücklich, wenn er Zeit findet zum Lesen, Nachdenken und Philosophieren. Einen philosophischen Ansatz verfolgte auch sein Buch „Der Rabe Konradin erklärt den Menschen“.
Mittlerweile wohnt Buske wieder in Weinheim, fußläufig zum Rathaus. In Lützelsachsen aufgewachsen, ist er beruflich viel rumgekommen. Studium in Karlsruhe und München, Teilnahme an einem Management-Programm in Harvard, Projektsteuerung für Infrastrukturprojekte in Duisburg, im gleichen Sektor Datenmanagement in Frankfurt, dann zwölf Jahre bei MVV Energie AG in verschiedenen Positionen tätig. Das öffnet den Blick über den Tellerrand hinaus. Zuletzt leitete Buske bei der Flughafen München GmbH die Geschäftseinheit Immobilien Airport City. Da passt es, dass er jetzt für die städtischen Gebäude verantwortlich zeichnet.
Buske sieht seine Aufgaben im Spannungsfeld von drei großen Handlungsfeldern: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Doch für ihn greift hier ein Rädchen ins andere. Ihn treibt der Nachhaltigkeitsgedanke im Sinne des Gemeinwohls an. Die städtischen Finanzen spielen dabei eine gewichtige Rolle. Ein ausgeglichener Haushalt ist von enormer Bedeutung. „Und das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit“, weiß er. Die Pandemie hat den Kommunen zugesetzt, der demografische Wandel wird es weiter tun.
Die Zukunft steckt voller Herausforderungen: schwindende Finanzdecke, Klimawandel und fehlende Sozialwohnungen, dazu Flüchtlinge, die untergebracht werden müssen. Das schreckt ihn nicht ab. „Ich komme zu einer spannenden Zeit“, sagt er.
Auf dem Tisch liegt der städtebauliche Rahmenplan, ein Ergebnis der Zukunftswerkstatt. Die Leitlinien werden am Mittwoch im Ausschuss für Technik, Umwelt und Stadtentwicklung (ATUS) beraten – über 100 Seiten mit einem Ausblick auf die nächsten 20 Jahre. Jetzt muss eine Prioritätenliste erarbeitet werden. Es wird Buskes erste Sitzung sein. Dann sitzt er zur Rechten von Oberbürgermeister Manuel Just.
Er wird vorbereitet sein, daran hegt man keinen Zweifel angesichts seiner Aufgabengliederung anhand einer Eisenhower-Matrix, die er für das Pressegespräch vorbereitet hat. Der Mann ist strukturiert. Auf seiner Liste der wichtigsten Aufgaben ganz oben steht die Schaffung von Kindergartenplätzen durch Neubau und Sanierung. Die Sicherheit der Bürger durch die Pflege der Gebäude hat für ihn ebenfalls Priorität. Außerdem will er einen Plan für die energetische Sanierung der städtischen Immobilien erarbeiten. Dabei geht es um die Einsparung von CO2. Hier müsse die Stadt als Vorbild für private Hausbesitzer fungieren. Das Thema brennt ihm auf den Nägeln.
Ziele für nachhaltige Entwicklung
In der Hand hält er bunte Kärtchen, auf denen die 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung bildlich dargestellt sind: kein Hunger, keine Armut, Gesundheit und Wohlergehen, bezahlbare und saubere Energie, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, um nur einige zu nennen.
Nicht alles davon kann Buske beeinflussen, aber manches schon – vielleicht als Bürgermeister mehr als ein Normalbürger. Die Ziele sind seine Vision für eine bessere Welt, sagt der ehemalige Pfadfinder und wirkt dabei ganz und gar nicht naiv. Buske: „Diese Ziele sind mein Nordstern mit Ausrichtungsfunktion.“