Wer spendiert der Hemsbacher Hans-Michel-Halle neue Tribünen?
Hans-Michel-Halle wird sicherheitstechnisch auf Vordermann gebracht. Auch für den Hallenboden werden Spender gesucht.
Die Hans-Michel-Halle soll in den nächsten fünf Jahren sicherheitstechnisch so auf Vordermann gebracht werden, dass der Brandschutz für Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen ausreichend ist und Elektro- und Trinkwasseranlage auf dem neuesten Stand sind. Ferner legte der Gemeinderat fest, die Erneuerung des Hallenbodens und der Tribünen zu planen und dann umzusetzen, wenn es die Finanzen erlauben. Auf diesen Kompromiss einigte sich nach kontroverser Debatte und einer Sitzungsunterbrechung eine Gemeinderatsmehrheit mit der Stadtverwaltung.
Dass die Stadt in den Brandschutz investieren muss, war keine Frage. Aktuell gibt es eine Interimslösung. Unter Auflagen dürfen in der Halle Veranstaltung mit mehr als 200 Besucher stattfinden; das gilt aber nicht bis in alle Ewigkeit, sondern nur für einen Übergangszeitraum. Kern der sicherheitstechnischen Sanierung ist eine Erneuerung der Brandmeldeanlage, wie der städtische Mitarbeiter Raoul Jeffrey Dathan eingangs erklärte. Ein Sicherheitsrisiko stelle zudem die veraltete und marode Elektro-Anlage dar, die ebenso wie die 40 Jahre alte Trinkwasseranlage komplett erneuert werden soll. Die Kosten hierfür schätzt die Verwaltung auf mehr als 3,4 Millionen Euro.
Nur eine Gegenstimme
Den Sinn dieser Maßnahme zweifelt nur SPD-Fraktionschefin Elke Wörmann-Wiese an, der so viel Geld für 10 bis 15 Großveranstaltungen im Jahr zu weit gingen. Sie brachte den im März abgelehnten Vorschlag der Stadtverwaltung wieder ins Gespräch, die BIZ-Sporthallen für Großveranstaltungen zu ertüchtigen und die Michel-Halle zum reinen Trainingsort abzustufen.
Wörmann-Wiese blieb mit dieser Haltung sogar in ihrer Fraktion allein. Ihre Fraktionskollegin Antje Löffel enthielt sich bei der Abstimmung, ansonsten stimmte alle Stadträte für die sicherheitstechnische Sanierung der Michel-Halle. Ein großer Teil wollte darüber hinaus noch einen Fuß in die große Sanierungsvariante bekommen. Für die Erneuerung von Heizung und Lüftung, die Modernisierung der Sanitär- und Umkleidebereiche, den Austausch des Hallenbodens und der Tribünen sowie dem Neubau eines Umkleidetrakts auf der Nordseite rechnet die Stadtverwaltung mit Kosten von weiteren rund fünf Millionen Euro.
Maßnahme über fünf Jahre
Geld, das Hemsbach heute und in absehbarer Zeit nicht habe, argumentierte das Rathaus und warb dafür, es bei der ersten Variante zu belassen. Schon deren Finanzierung sei sehr sportlich, sagte etwa der städtische Fachbereichsleiter Tobias Schork und warnte davor, „Luftschlösser zu bauen“. Die Stadt sei auf Jahre hinaus gebunden, um ihren Pflichtaufgaben nachzukommen, und werde damit an die Grenze ihrer Finanzkraft kommen, sagte er weiter und erwähnte beispielsweise den Neubau eines Kindergartens.
An Zuschüsse etwa aus dem kommunalen Ausgleichsstock kann die Stadt dabei zumindest bei der ersten Sanierungsvariante nicht rechnen, wie Kämmerer Silvio Salatino auf Anfrage von PH-Fraktionssprecherin Marlies Drissler sagte. Die gebe es nur für Investitionen, finanztechnisch gestehen sind die Ausgaben für die Sicherheit der Michel-Halle aber Unterhaltungsaufwendungen, die die Stadt aus dem laufenden Geschäft bestreiten müsse. Der Betrag von 3,4 Millionen Euro sei dabei so hoch, dass die Maßnahme über fünf Haushaltsjahre gestreckt werden soll.
In diesem Sinne argumentierte alleine Thomas Embach für die Grün-Bunte Liste (GBL). Sicherheitstechnisch müsse die Halle auf Vordermann gebrach werden, weitergehende Investitionen seien im Haushalt der nächsten Jahre nicht abbildbar. Es gebe aber ja den Förderverein der Hans-Michel-Halle, der vielleicht Geld für einzelne Maßnahmen sammeln könne.
Darauf zielte auch Michaela Zimmer ab, die in der Einwohnerfragestunde des Gemeinderates dazu riet, die weitreichende Sanierung mit zu beschließen, um bessere Karten zu haben, Drittmittel bei Großspendern zu akquirieren. Ähnlich wie Zimmer sahen es auch FDP, CDU und Pro Hemsbach. FDP-Fraktionschef Andreas Wiegand betonte, dass in den letzten 30 Jahren in der Halle nichts mehr passiert sei. Über die sicherheitstechnische Sanierung hinaus müsse jetzt auch die Situation in der Halle verbessert und die weiteren Schritte modular geplant werden, damit der Förderverein und andere Verein Aktionen zur Unterstützung starten könnten.
In die gleiche Kerbe hieb Denis Klefenz (CDU), der ebenfalls darum warb, die zweite Variante mitzubeschließen und unter Finanzierungsvorbehalt zu stellen – auch wenn es bis 2035 dauern könne, bis diese Dinge angegangen würden. PH-Fraktionssprecherin Drissler wollte die Trinkwassersanierung erst im zweiten Schritt angehen, weil es durch einen möglichen Anbau noch Änderungen am Leitungsnetz geben könne. Sie ließ aber ebenfalls keinen Zweifel daran, „dass wir die Sanierung brauchen“. Die weitergehenden Schritte sollten im Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Technik und Energie diskutiert werden. Der städtische Fachbereichsleiter Christopher Wetzel warb dafür, die Sanierung der Trinkwasseranlage im ersten Paket zu belassen, um Kosten zu sparen. Wegen der Verlegung neuer Stromkabel sei ohnehin „alles offen“.
Hoffnung auf Förderer
Alles kam letztlich nicht in den Beschluss. Die Gemeinderatsmehrheit aus CDU, FDP, Freien Wählern und Pro Hemsbach erwirkte jedoch, dass der Austausch von Hallenboden und Tribünen gleich mitgeplant werden soll. Das würde laut Stadt etwa eine halbe Million Euro kosten. Die Gemeinderatsmehrheit weiß dabei um die finanziellen Nöte der Stadt und will versuchen, dafür Förderer zu finden.