Weinheim

Wie alt das Bergwerk Grube Marie in Weinheim wirklich ist

Ein Streit unter Herrschern, eine verworrene Quellenlage und Raum für Spekulationen - die Geschichte des kleinen Bergwerks ist spannend.

Die Grube Marie liegt im Wald zwischen Hohensachsen und Großsachsen. Foto: Marco Schilling
Die Grube Marie liegt im Wald zwischen Hohensachsen und Großsachsen.

Seit 2008 gehört das kleine Besucherbergwerk Grube Marie bei Hohensachsen zum festen Repertoire der touristischen Angebote in und um Weinheim. Zwischen Ende April und Ende September können Interessierte unter fachkundiger Führung der Arbeitsgemeinschaft (AG) Altbergbau Odenwald einen Einblick in die Geologie und Bergbaugeschichte an der badischen Bergstraße erhalten. Jeden vierten Samstag im Monat finden dann die Besuchersamstage statt; darüber hinaus können ab fünf Personen auch individuelle Gruppenführungen angefragt werden (per E-Mail). Aber wie alt ist eigentlich die Grube Marie selbst? Die AG Altbergbau hat dazu folgenden Beitrag geschrieben.

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Ein Streit zwischen Bistümern

In der Literatur werden immer wieder drei unterschiedliche Daten erwähnt, die dem Blei- und Silbererzbergbau im Kohlbachtal zugeschrieben werden. Um Streitigkeiten zwischen dem Bistum Worms und dem Kloster Lorsch beizulegen, definierte Heinrich II. 1012 die Besitzrechte im Lobdengau (Gebiet um Ladenburg) neu und behielt sich dabei den sogenannten „Colegenberg“ zur eigenen königlichen Nutzung vor.

Regelmäßig werden Führungen in der Grube Marie in Hohensachsen angeboten. Foto: Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald
Regelmäßig werden Führungen in der Grube Marie in Hohensachsen angeboten.

Viele Spekulationen rund um das Bergwerk

Was der Zweck des Vorbehaltes war und wo dieser Ort lag, ist allerdings bis heute Anlass zu mancher Spekulation. Die Namensähnlichkeit mit dem auf der Nordseite des Kohlbachtals gelegenen „Kolnberg“ und ein möglicher Zusammenhang mit der Durchsetzung der königlichen Rechte an wertvollen Bodenschätzen führte zur Vermutung, dass die Geschichte der heutigen Grube Marie bereits in das Hochmittelalter zurückreichen könnte.

Bergbau rund um Weinheim

1291 wird anlässlich der Streitigkeiten zwischen Pfalzgraf Ludwig II. und den Schriesheimer Strahlenbergern um den Bergbau bei den Sachsendörfern der Abbau von Silbererzen erstmals urkundlich greifbar. „Wo sich allerdings dieser hochmittelalterliche Bergbau befand und ob noch ältere Gruben in der Umgebung in das 11. Jahrhundert datieren, dazu gibt es bislang nur Vermutungen“, erläutert Jochen Babist von der Arbeitsgemeinschaft. Er geht davon aus, dass der vielen Hohensachsenern als „Bergloch“ bekannte Schacht der Grube Marie seinen Ausgang im 13. Jahrhundert gehabt haben könnte. „Aber wer weiß, was wir bei unseren Forschungen noch entdecken – es bleibt spannend“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Steigbrett aus dem Jahr 1475

So bleibt einstweilen – gesichert – ein 550-jähriges Jubiläum der Grube Marie, denn am Elisabethentag (also am 11. November) des Jahres 1474 erhielt eine Geldgeber-Gewerkschaft aus insgesamt sechzehn Adeligen und Angehörigen des Kurpfälzer Hofes das Recht, die Grube „am hinteren Kolnberg“ in Betrieb zu nehmen.

Die montanarchäologischen Untersuchungen durch die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald konnten bestätigen, dass die Grube Marie Ende des 15. Jahrhunderts tatsächlich ihre erste größere Ausbauphase erfuhr. Funde wie das auf das Jahr 1475 datierte Steigbrett, die Ausbauform der Stollen und die Typologie der Arbeitsspuren in der Grube sprechen dafür.

Blütezeit der Grube Marie währte nicht lange

Lange war der Unternehmung aber wohl kein Erfolg beschieden, denn spätestens 1551 wird das Bergwerk in der neu erschienenen Bergordnung der Kurpfalz als verlassen erwähnt. Der Wieslocher Geologe und Bergbauhistoriker Dr. Ludwig Hildebrandt vermutet, dass der Betrieb der Gruben an der badischen Bergstraße schon 1504 mit der Zerstörung Schriesheims im Landshuter Erbfolgekrieg wieder endete.

Dort befand sich die um 1474 eingerichtete Erzmühle (Aufbereitung) und die Schmelzhütte, in der die Erze der späteren Grube Anna-Elisabeth in Schriesheim und auch diejenigen aus der Grube Marie zentral verarbeitet wurden.

Danach blieb es lange ruhig um das Bergwerk, bis Mitte des 18. Jahrhunderts erneute Initiativen ergriffen wurden, den Bergbau in der damals als „Goldloch“ bezeichneten Grube wieder aufleben zu lassen. Zwischen 1740 und 1783 entstanden die meisten Stollen und Abbaue der Tiefsohle.

Sonderveranstaltungen geplant

Derzeit arbeitet die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald am Ausbau des Wasserlösungsstollens, um die Entwässerung und Bewetterung (Belüftung) der Grube zu sichern und einen weiteren Rettungszugang zu erhalten.

Anlässlich des 550-jährigen Jubiläums plant die Arbeitsgemeinschaft ein Sonderveranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Führungen in und um die Grube Marie, einer Fachtagung und einem Verhüttungsexperiment mit Eisenerz. Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Zum eigentlichen Geburtstag am 11. November werden allerdings wegen der Winterruhe der Fledermäuse keine Führungen im Bergwerk mehr stattfinden können.