Konzert

Wie Curtis Stigers in Weinheim der Seele nachspürt

Der US-Musiker zeigt in der Weinheimer Stadthalle, dass er weit mehr ist als der Sänger großer 90er-Hits.

Mit 60 Jahren zeigt sich der US-Sänger vielseitiger denn je. In der ausverkauften Weinheimer Stadthalle verband Curtis Stigers seine Pop-Hits mit Jazz, Blues und viel persönlicher Note – ein Abend voller Emotion und musikalischer Reife. Foto: Fritz Kopetzky
Mit 60 Jahren zeigt sich der US-Sänger vielseitiger denn je. In der ausverkauften Weinheimer Stadthalle verband Curtis Stigers seine Pop-Hits mit Jazz, Blues und viel persönlicher Note – ein Abend voller Emotion und musikalischer Reife.

Weinheim. Er passt in keine Schublade, beeindruckt durch Facettenreichtum und Charisma – ein international gefeierter Star, dessen Pop-Balladen „I Wonder Why“ und „You’re All That Matters to Me“ Anfang der 90er-Jahre die Charts stürmten. Curtis Stigers lässt sich nicht auf seine Hits reduzieren, zeigt mit 60 Jahren und grau meliertem Haar beeindruckende musikalische Tiefe – zwischen Pop, Blues und vor allem Jazz, seiner ersten und wohl auch letzten großen Liebe.

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Hingabe ein jedem Ton

Mit seinem neuen Studioalbum „Songs From My Kitchen, Vol. 1“ gastierte der US-Amerikaner auf seiner Release-Tour in der ausverkauften Weinheimer Stadthalle und schickte – nach zwei Stunden voller musikalischem Können, persönlichen Erzählungen und feinem Humor – ein beseeltes Publikum in die Nacht. Zuvor hatte die Hingabe, die er in jeden Ton seiner rauen, souligen Stimme legte, das Publikum zu Standing Ovations hingerissen. Diese Passion wurde besonders in den persönlichen Geschichten deutlich, die der Musiker musikalisch verarbeitet.

Zusammen mit seinem Jazz-Trio bewies Curtis Stigers Facettenreichtum. Foto: Fritz Kopetzky
Zusammen mit seinem Jazz-Trio bewies Curtis Stigers Facettenreichtum.

Eines der zentralen Themen war die späte Begegnung mit seinem Vater, den er als Kind und Jugendlicher tot glaubte. Erst Mitte 40 lernte Stigers ihn kennen. Diese Erfahrung floss in das Lied „Good To Know You“ ein – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Stigers aus Verletzlichkeit künstlerische Kraft schöpft.

Aus der Küche direkt nach Weinheim

Besonders die „sad songs“, die er persönlich so schätzt, versetzten die Zuhörer in eben jene Küche in Idaho, aus der er während der Corona-Pandemie streamte und seine Fans so mit intimen Konzerten erreichte. Die akustische Gitarre, ein Saxofon, seine unverwechselbare Stimme und die Lieder, die ohne die Pandemie vielleicht nie geschrieben worden wären, bestücken mittlerweile das neue Album und füllen zum großen Teil das Programm seiner aktuellen Tour.

Jazz-Trio: Jeder ein Meister seines Fachs

Etwa die Hälfte des Abends bestritt er solo, die übrige gemeinsam mit einem hervorragend eingespielten Jazz-Trio. Jeder von ihnen ein Meister seines Fachs: James Pearson am Piano, Cliff Schmitt am Bass und Paul Wells am Schlagzeug erweisen sich als weit mehr als bloße Begleiter im Hintergrund.

Vielschichtige Klangtiefe

Der Jazz ist es, dem Stigers’ Herz gehört. Zu Beginn der 2000er fand Stigers zurück zu seinen Wurzeln – zur amerikanischen Songbook-Tradition, zu den Jazzclubs und Bluesbars, in denen alles begann, und zu seinem Saxofon. Mit spielerischer Leichtigkeit wechselte er an diesem Abend zwischen Stimme und Instrument. Die Mischung aus Americana, Blues und Jazz gab dem Konzert jene warme, vielschichtige Klangtiefe, die Stigers’ Stil heute auszeichnet.

Die Hits von damals, wegen derer viele Gäste gekommen waren, ließ er natürlich nicht aus. „I Wonder Why“ und „You’re All That Matters to Me“ haben nichts von ihrem Zauber verloren – im Gegenteil: In den reduzierten, akustischen Arrangements entfalten sie heute mehr Strahlkraft denn je. In ihrer aktuellen Interpretation spiegelt sich die gesamte Entwicklung eines Künstlers wider, der seit über drei Jahrzehnten seinen eigenen Weg geht.