Wie der TV Hemsbach die neue Heizung für die Halle finanziert hat
Die Heizung in der TV-Halle ist erneuert worden. Doch beim Preisschild musste der Verein erstmal schlucken. Mit welcher kreativen Lösung man sich die Heizung doch leisten kann.
Hemsbach. Irgendwann ist es dann doch zu spät. 30 Jahre alt war die Heizungsanlage, die die Halle des Turnvereins (TV) und die Wohnung dort warm macht. Die Werte der Gastherme waren super, hatte der Schornsteinfeger zuletzt noch geurteilt und den Hemsbacher Verein in trügerischer Sicherheit gewiegt. Und dann kam ausgerechnet in der größten Kälte des Winters das Aus. Am 22. Januar fiel die Heizung aus und ließ sich auch nicht mehr reparieren. Der Kessel war undicht geworden.
„Das war schon ein Schock“, erinnert sich Bertram Pauli, Zweiter Vorsitzender des Turnvereins, auch wenn er einräumt, dass sein Verein bei dem betagten Alter der Heizungsanlage damit habe eigentlich rechnen müssen. Die Halle lag im Kalten, an Warmduschen war nicht mehr zu denken. Auch die vermietete Wohnung in dem Gebäude konnte nicht mehr beheizt werden.
Ein Stromaggregat sorgte bereits einen Tag später für eine Notversorgung der Wohnung. Ein zweites folgte etwas später und ermöglichte, dass die Halle, in der auch der Schulsport der Goetheschule stattfindet, wenigstens auf 15 bis 16 Grad Celsius beheizt werden konnte. Das durfte allerdings keine Dauerlösung sein – alleine schon wegen der immensen Strom- und Mietkosten von täglich 275 Euro, die die Notmaßnahme verschlang, wie Pauli vorrechnet.
Kosten von 65.000 Euro
Der Verein holte auf die Schnelle Angebote ein und vergab den Auftrag an den günstigsten Bieter. Das war Andreas Wiegand. Der Installateur, der auch im Gemeinderat sitzt und selbst Mitglied des Turnvereins ist, drückte mächtig auf die Tube und schaffte es tatsächlich bis zum Schmutzigen Donnerstag, als in der Halle der Weiberfasching stattfand, die neue Heizung einzubauen und zum Laufen zu bringen. Die Kosten allerdings hatten es in sich: 65.000 Euro muss der Verein für die neue Gasheizung bezahlen. Dabei hätte der TV gerne auf etwas Nachhaltigeres gesetzt als Gas. Doch die Installation einer Wärmepumpe hätte 150.000 Euro gekostet, rechnet Pauli vor, und wäre im Betrieb teurer gekommen als eine Gasheizung. „Das rechnet sich im Grunde nur, wenn du eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hast.“ Das hätte aber weitere Kosten verursacht. Auch ist das Dach des Vereinsgebäudes nicht mehr ganz frisch.
Der Turnverein hat dabei schon an den 65.000 Euro ordentlich zu knabbern, konnte die Finanzierung aber bislang ohne Kreditaufnahme schultern, wie Pauli weiter sagt. Dazu beigetragen hat auch eine unbürokratische Hilfe der Stadt Hemsbach. Die hilft Vereinen bei Investitionen eher mit kleinen Zuschüssen. Erst muss der Badische Sportbund über einen Zuschuss entscheiden. Dort wurde das Projekt angemeldet und freigegeben, wie Pauli betont. Wie hoch der Zuschuss ausfallen wird, weiß der Verein aber noch nicht. Im Folgejahr kann der TV dann einen Antrag auf eine städtische Förderung stellen, die nach den Vereinsförderrichtlinien zehn Prozent des vom Sportbund gewährten Zuschusses beträgt.
Mehr konnte auch Bürgermeister Jürgen Kirchner zunächst nicht versprechen, bei dem der Verein vorstellig wurde. Stadt und Verein haben aber dennoch eine „faire Lösung“ gefunden, die dem Turnverein weiterhilft. Die Stadt erklärte sich nämlich laut Pauli bereit, die Miete, die sie für den Sportunterricht der Goetheschule bezahlt und die immer im März fällig wird, bereits für die Jahre 2026 und 2027 zu bezahlen. Zusammen mit Rücklagen des Vereins konnte so ein Großteil der erforderlichen Summe aufgebracht werden.
Dem Verein fehlen jetzt zwar die Mieteinnahmen in den nächsten beiden Jahren, Pauli hofft aber, dass der Erlös, den die Fastnachtsveranstaltungen und die Straußwirtschaft an Kerwe in die Vereinskasse spülen, das wieder ausgleichen kann.
Ganz bezahlt ist die Investition damit freilich noch nicht: 14.000 Euro fehlen noch. Aus diesem Grund hat der Turnverein über die Spendenplattform betterplace.org eine Sammlung initiiert. Und die läuft augenscheinlich sehr gut. Nach einer Woche gingen bereits 6.845 Euro ein und damit fast die Hälfte des Spendenziels. Mehr als 100 Personen gaben etwas zu dem Heizungsprojekt dazu, zum Teil auch größere Beiträge, wie sich Bertram Pauli freut.
Dass es jetzt wieder wärmer wird, nimmt er mit einem Schmunzeln und in der Gewissheit hin: Der nächste Winter kommt bestimmt.