Wirte aus Weinheim und Umgebung fordern, dass Schnitzel wieder günstiger wird
Der DEHOGA fordert die Mehrwertsteuer von sieben Prozent zurück. Dann könnte man auch endlich wieder mit den Preisen, etwa fürs Schnitzel, heruntergehen.
Weinheim/Rhein-Neckar. Es ist ein Gericht, das nicht allen schmecken dürfte. Der hiesige Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) serviert es trotzdem: „Wir wollen wieder zu den sieben Prozent Mehrwertsteuer zurück“, betont Co-Vorsitzender Wolfgang Fuchs mit Blick auf die Bundestagswahl. Der Inhaber der Fuchs’schen Mühle appelliert deshalb an alle Branchenvertreter, genau hinzuschauen, wo sie bei der Bundestagswahl am Sonntag ihr Kreuz machen. Ansonsten sehe er für die Gastronomielandschaft schwarz.
Versalzene Suppe
Die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent war damals zwar im Zuge der pandemiebedingten Schließungen bewusst vorübergehend eingeführt worden. Zwischenzeitlich ist es jedoch zu anderen Entwicklungen, auch auf politischer Ebene, gekommen, die Restaurant-, Kneipen- und Lokalinhabern zunehmend die Suppe versalzen. Allen voran die Energiepreisexplosion und die stark gestiegene Inflation, die seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auch in Deutschland so ziemlich alles teurer macht. Zahlte man für den Liter Sahne zuvor noch 2,80 Euro, kostet er heute 5 Euro. Das Päckchen Butter gab es für 1,80 Euro, jetzt muss man 4 Euro bezahlen. „Der Preis hat sich verdoppelt. Und jeder weiß: Wenn’s schmecken soll, gehören Butter und Sahne einfach dazu“, so Fuchs. Nicht umsonst bestehe Johann Lafers berühmtes Kartoffelpüree zu einem so großen Teil aus diesen beiden Zutaten. Ganz ähnlich die Energiekosten: Sie kommen Gastronomen teuer zu stehen. Herd, Kühlschrank, ganz zu schweigen von der Heizung für die Gäste – all diese Kosten sind in den vergangenen Jahren ordentlich gestiegen. Der DEHOGA-Co-Vorsitzende spricht von einer Steigerung von 30 bis 35 Prozent beim Arbeitsstrom.
Und dann ist da noch der Mindestlohn, der seit Januar bei 12,82 Euro liegt. Zwar sei Wolfgang Fuchs hier natürlich kein Gegner. Aber: „Früher waren wir in der Lage, das Ganze zu staffeln. Da hat eine Kraft während des Einlernens erst einmal 8 Euro bekommen, nach einer kleinen Weile 10 Euro und dann die 12 Euro pro Stunde“, erläutert der 54-Jährige. Gleichzeitig bereiten bürokratische Hürden Kopfzerbrechen. Da sei zum Beispiel die Regulierung der Arbeitszeiten, die sich in der Realität nur schwer umsetzen lasse. Das Arbeitszeitgesetz schreibt vor, dass die maximale Stundenanzahl pro Tag zehn Stunden nicht überschreiten darf (zuzüglich Pausen). „Aber was macht man jetzt, wenn man ein Event hat und um 10 Uhr anfangen muss, am Herd zu stehen? Wenn eine Hochzeitsgesellschaft um 22 Uhr noch nicht nach Hause möchte?“, fragt sich Fuchs. Eine doppelte Personalbesetzung sei auf jeden Fall nicht wirtschaftlich darstellbar. Und in Zeiten fehlender Fachkräfte womöglich gar nicht umsetzbar.
Früher 15 Euro, heute 17,60 Euro
Die Folgen, die sich aus all dem ergeben, sind bereits deutlich spürbar. Gaststätten kürzen ihre Öffnungszeiten, sind mitunter nur noch an ausgewählten, besucherstarken Tagen in Betrieb. Die gestiegenen Kosten werden zum Teil auf die Preise umgelegt. Wo ein Schnitzel auf dem Weinheimer Marktplatz Ende 2023 15 Euro kostete, werden heute 17,60 Euro fällig. Und wenn all das nichts hilft, bleibt nur noch die Schließung. Beispiele gibt es genug: Vor Kurzem schloss etwa das Restaurant-Hotel „Watzenhof“ in Hemsbach seine Pforten.
Dessen Pächter, Dominik Rautenberg, machte gegenüber unserer Redaktion die Rücknahme des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für die Schließung verantwortlich. Schaut man auf die Statistik in Baden-Württemberg, verzeichnet das Gastgewerbe seit der Rückkehr zur „alten“ Mehrwertsteuer einen Rückgang von 4,3 Prozent beim realen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Zeitraum Januar bis November 2024). In der Hotellerie betrug der reale Rückgang 1,9 Prozent, in der Gastronomie 5,7 Prozent. DEHOGA-Co-Vorsitzender Wolfgang Fuchs führt mehrere Argumente für die Rückkehr zu den sieben Prozent ins Feld. Arbeitsplätze könnten erhalten, weitere Preiserhöhungen verhindert werden. Kleine und mittelständische Betriebe würden unterstützt und soziale Treffpunkte gefördert. „Wir brauchen einfach einen neuen Anfang, frischen Wind, dass wir wieder in die Hände spucken und den Motor zum Laufen bringen können“, sagt Fuchs. Dann könnte man auch endlich wieder mit den Preisen heruntergehen.