WNOZ-Sportredakteurin Anja Treiber schafft den „Hattrick“
Unsere WNOZ-Kollegin Anja Treiber hat es zum dritten Mal aufs „Treppchen“ beim Veltins Lokalsportpreis geschafft. Am Mittwoch wurde in Berlin ihre außergewöhnliche Geschichte über den Laudenbacher Fußballer Lenny Lüger ausgezeichnet.
Weinheim/Berlin. Für jeden Ballsportler ist es etwas ganz Besonderes, wenn ihm ein „Hattrick“ gelingt, also drei Tore in einem Spiel. Das ist jetzt auch – im übertragenen Sinne – Sportredakteurin Anja Treiber gelungen. Sie hat es zum dritten Mal aufs „Treppchen“ beim Veltins Lokalsportpreis des Verbands Deutscher Lokalzeitungen (VDL) geschafft, der seit 2004 vergeben wird. Zuvor war ihr das 2008 und 2016 gelungen.
Am Mittwoch fand in Berlin die Siegerehrung urlaubsbedingt allerdings ohne die 54-jährige Hirschbergerin statt, die seit 1990 für die Weinheimer Nachrichten und die Odenwälder Zeitung (WNOZ) in der Lokalsportredaktion arbeitet. Stellvertretend nahm daher Redaktionsleiter Carsten Propp die begehrte Auszeichnung für sie entgegen. „Wir sind mächtig stolz auf unsere Sportredaktion“, erklärte Propp: „Denn das ist schon der neunte Journalistenpreis, den das Team von WNOZ in den vergangenen Jahren gewonnen hat.“
Mit dem zweiten Preis für Anja Treiber würdigte die Jury diesmal ihre Themenseite über Lenny Lüger, der früher Svenja hieß und auf dem Sprung zur Frauen-Fußballbundesliga war. Doch dann gestand er sich selbst ein, dass er sich wie ein Mann fühlt und das auch nicht länger verbergen möchte. Er entschloss sich zur Transition von der Frau zum Mann, mit allen Konsequenzen. Bei den Herren des SV Laudenbach (SVL), wo auch sein Bruder Dominik spielt, ist Lenny heute „einer von vielen“ in der Mannschaft, die in der B-Klasse auf Torejagd geht.
Mit der Schlagzeile „Erst Frau, dann Mann – dem SVL ist’s egal“ brachte die Sportjournalistin das Thema auf den Punkt. Die Jury beeindruckte aber vor allem, wie „gefühlvoll und ehrlich“ ihr Text war. Sie habe damit deutlich gemacht, dass es am Ende doch nur um eines gehe, um den Menschen.
„Lenny fand es cool“
Anja Treiber schilderte in ihrem Beitrag sehr einfühlsam, wie Lenny Lüger seinen Weg suchte und fand. Sie sprach mit Funktionären und Mitspielern. Sie erklärte, welche (sport-) rechtlichen Hürden es gibt und wie man beim Badischen Fußballverband mit dem Thema umgeht. Besonders beeindruckte sie die unverkrampfte Atmosphäre beim SVL. Deshalb war es für selbstverständlich, dass sie auf ihren Sportjournalistenpreis zuerst mit Lenny und seinen Mannschaftskameraden – mit Bier und Apfelwein – anstieß. „Lenny fand es cool, dass seine Geschichte einen Preis bekommt“, erzählt Anja Treiber und fügt dankbar hinzu: „Die Geschichte wäre ohne seine Offenheit und seinen Mut nie entstanden.“
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Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen .Echt cool fand sie aber auch die Reaktion seiner Mitspieler. „Hauptsache, er kann kicken und passt ins Team.“ Dass es auch nach Erscheinen des Beitrags am 5. August 2024 keine negativen Reaktionen gab – noch nicht einmal in den sogenannten Sozialen Medien – ist ein weiterer Aspekt, der Anja Treiber sehr gefreut hat.
Blick für Details
Bemerkenswert ist aber auch, wie die Sportredakteurin auf diese Story stieß. Beim Spielbericht über den SVL war ihr aufgefallen, dass ein weiblicher Vorname auf der Liste stand. Sie hakte nach und erfuhr, dass es sich bei dem Team mitnichten um eine gemischte Mannschaft handelt, sondern dies nur dem Umstand geschuldet war, dass Lenny nach seiner Geschlechtsumwandlung noch keinen neuen Spielerpass bekommen hatte. Deshalb musste er noch als „Svenja“ auflaufen, was aber sonst niemandem auffiel.
Veltins Lokalsportpreis 2025
- Seit 2004 wird der Veltins Lokalsportpreis des Verbands Deutscher Lokalzeitungen (VDL) vergeben. In diesem Jahr zeichnete die Jury folgende Beiträge aus.
- Kategorie Wort: Platz 1: Levin Meis, Nordsee-Zeitung, „Die Spur des blauen Werder-Trikots“ (ein Flohmarkt-Fund); Platz 2: Anja Treiber, Weinheimer Nachrichten, „Erst Frau, dann Mann – dem SVL ist’s egal“.
- Kategorie Bild: Platz 1: René Traut, Westfalenpost, „Pokalheld“ (Torwart im Elfmeterschießen); Platz 2: Jens Hippe, Soester Anzeiger, „Die Leiden eines Radfahrers“.
- Kategorie Online: Platz 1: Roman Propopenko, Johannes Götze, Tobias Konrad und Ralph Kraus, Fuldaer Zeitung, „Torgranate“ – Videos über Fankultur im Fußball; Platz 2: Dennis Schott und Tobias Dohr, Weser Kurier, Fußball-Podcast „Schott the Dohr“.
- Weitere Infos online unter www.lokalsportpreis.de und unter www.lokalpresse.de
Sich den Blick für solche Details im oft hektischen Tagesgeschäft einer Lokalsportjournalistin zu bewahren, um außergewöhnliche Geschichten und Sportler zu finden, ist eine Eigenschaft, die Anja Treiber auszeichnet. „Dass diese Storys auch bei den Lesern gut ankommen, haben wir spätestens während der Corona-Pandemie gemerkt, als monatelang der Spielbetrieb ruhte und wir trotzdem jeden Tag eine Lokalsportseite mit spannenden Texten füllen wollten.“
Liebe zum Amateursport
Hinzu kommt bei der 54-Jährigen das Herzblut, mit dem sie ihren Job als Sportjournalistin macht. Das ist kein Wunder: Zu ihrer aktiven Zeit als Sportlerin schaffte sie es bis in die Handball-Bundesliga, wo sie bei der TSG Ketsch im Tor stand. Die Faszination des Wettkampf- und Leistungssports kann sie daher ebenso gut nachvollziehen wie die Gefühle, die jeder Sportler – egal, in welcher Spielklasse – nach einem Sieg oder einer Niederlage empfindet. Deshalb ist sie auch ein echter Fan des Amateursports, der jeden Lokalsportteil prägt: „Hier geht es viel familiärer zu“, beschreibt sie die Atmosphäre. „Und als Sportredakteurin bist du nicht nur eine unter vielen.“
Rückblick
Der Veltins Lokalsportpreis des Verbands Deutscher Lokalzeitungen (VDL) wird bereits seit 2004 in verschiedenen Kategorien vergeben. Die Sportredaktion der Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung (WNOZ) gewann erstmals 2008 einen der begehrten Preise. Mit der Auszeichnung für Sportredakteurin Anja Treiber in diesem Jahr landete bereits zum neunten Mal ein Mitglied des Teams der Sportredaktion auf dem „Treppchen“. Wir blicken zurück.
2008
Mit einer Sonderseite über Homosexualität im Fußball belegte 2008 Anja Treiber, die sich vor allem um das Sportgeschehen entlang der badischen Bergstraße kümmert, den zweiten Platz. „Die unvorstellbare Vorstellung vom schwulen Fußballer“ lautete die Schlagzeile ihrer Sonderseite zu einem – zumindest damals – noch als Tabu behandelten Thema. Das fand die Jury des Veltins Lokalsportpreis „mutig und innovativ“.
2009
Einem Tabuthema – dem Missbrauch von Schmerzmitteln bei Amateursportlern – war auch Sportredakteur Bernd Graber auf der Spur, der sich dem Sport entlang der südhessischen Bergstraße und dem Odenwald verschrieben hat. Er recherchierte bei Sportlern, Funktionären, Medizinern und Therapeuten und veröffentlichte dazu eine Themenseite. „Schmerzmittelmissbrauch ist eine Grauzone. Und es ist richtig, dass Lokalredaktionen solche Themen aufgreifen“, meinte die Jury. Der investigative Ansatz wurde 2009 mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
2010
Den zweiten Preis in der Kategorie Sportfotografie belegte 2010 Thorsten Gutschalk, der damals als freier Fotograf für WNOZ arbeitete. Ihm war ein spektakuläres Bild gelungen, das eine Rückenschwimmerin beim Auftauchen nach dem Start im Weinheimer Turnerbad zeigt. Das Wasser wirkt wie eine durchsichtige Hülle. Nur eine Tausendstelsekunde später hätte das Gesicht die Wasseroberfläche durchbrochen. „Eine ungewöhnliche Variante eines schon bekannten Motivs“, lobte die Jury.
2012
2012 schaffte es Bernd Graber zum zweiten Mal aufs „Treppchen“ beim Veltins Lokalsportpreis. Die Themenseite vom „Badeschlappen-Blues“ sorgte nicht nur wegen ihres humorvollen Textes, sondern auch wegen der tollen Gestaltung für Aufsehen. „Badelatschen sind den Sportlern lieb und teuer und klatschen auch mal nach einer Schlappe an die Wand“, schrieb Graber und hörte sich in den Umkleidekabinen der Region um. Dazu lieferte er auch noch ein witziges Bilder-Quiz mit den Füßen bekannter Sportler aus der Region – natürlich in Badeschlappen.
2013
Gleich zweimal aufs Podium schaffte es die WNOZ-Sportredaktion 2013. Nina Himmer, die damals als freie Journalistin für WNOZ arbeitete, schaffte es mit ihren Beiträgen über Missstände im Pferdesport auf den zweiten Platz. Dabei überzeugte sie die Jury mit ihrer „kritischen und investigativen Berichterstattung“. Auf dem ersten Platz landete der freie Fotograf Simon Hofmann mit einem Bild, das die Konzentrationsphase einer Handballerin in der Kabine zeigt. Das Bild ziehe den Betrachter sofort in seinen Bann, zeigte sich die Jury beeindruckt.
2015
2015 konnte sich Simon Hofmann erneut in die Liste der Preisträger auf dem ersten Platz eintragen. Bei seinem Bild handelte es sich um eine perfekte Momentaufnahme. Er drückte auf den Auslöser seiner Kamera, als der Handball den Kopf des Birkenauer Torhüters traf und die rechte Gesichtshälfte verformte.
2016
Die Geschichte der „Verlorenen Helden“ bescherte 2016 Anja Treiber erneut einen zweiten Platz beim Veltins Lokalsportpreis. Sie hatte sich intensiv mit der historischen Aufarbeitung des „Weinheimer Fußballwunders“ von 1990 befasst. Damals gewann der Oberligist FV 09 Weinheim im DFB-Pokal gegen den Rekordmeister FC Bayern München mit 1:0. Dabei blickte sie nicht nur zurück auf diesen sensationellen Sieg, sondern erzählte auch, was aus den Helden und dem Verein geworden ist. Die Doppelseite in der Zeitung überzeugte die Jury zudem wegen der besonders gelungenen Gestaltung.