40 Treffer - so tickt Kreisoberliga-Torschützenkönig David Schmidt
David Schmidt sorgt als DJ für gute Stimmung in der Kabine der SG Odin Wald-Michelbach und trifft auch im Spiel den richtigen Ton beim Kreisoberliga-Meister. Der Wechsel in eine höhere Klasse ist nicht auszuschließen.
Wenn aus der Kabine der SG Odin Wald-Michelbach mal wieder lautstark „Bella Napoli“ schallt, dann hat mit ziemlicher Sicherheit David Schmidt die Musik „angeknipst“: Der 24-Jährige ist mit 40 Treffern nicht nur Kreisoberliga-Torschützenkönig beim souveränen Meister, sondern sorgt als DJ auch für die passende Songauswahl – neuerdings hat Schmidt sogar ein Mikrofon, das er vom Sportlichen Leiter Jörg Gräber bekam. „Aber ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war“, sagt Schmidt und lacht.
Wie die Sangeskünste von Schmidt und Co. ausfallen, sollen andere bewerten. Fußballerisch waren die Wald-Michelbacher jedenfalls ein absoluter 12-Punkte-Kandidat beim Eurovision Song Contest. Sie verloren nur ein Spiel und holten sich mit 23 Siegen und vier Unentschieden die Meisterschaft vor der SG Unter-Abtsteinach. Beim Torverhältnis von 116:39 kann es einem schon mal die Stimme versagen. Am vergangenen Sonntag hatte die SG Odin zum Finale noch einmal eine bühnenreife 10:1-Zugabe gegen die SG Azzurri/Olympia Lampertheim in petto.
Dank an die Mannschaft
David Schmidt traf dreimal und machte die 40 voll. Am 19. Juni geht es auf Abschlussfahrt nach Mallorca, wo Schmidt um die eine oder andere Runde nicht herumkommen wird. „Da muss ich mir was einfallen lassen.“ Denn es ist klar, dass seine persönliche Traummarke nicht ohne die emsigen Mitspieler möglich gewesen wäre. Deshalb gilt Schmidts erster Dank seiner Mannschaft und auch dem ehemaligen Trainer Daniel Hahn: „Er gab mir immer die Chance, auch als ich eine kleinere Verletzung hatte.“
„Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ein Tor schießen kann.“ David Schmidt
Auch im letzten Spiel legten die Wald-Michelbacher ihrem Goalgetter noch mal fleißig auf, schließlich wollte Schmidt noch die 40-Tore-Marke knacken. Und tatsächlich. In der 83. Minute und dann schon in der Nachspielzeit legte Schmidt mit zwei Treffern eine Punktlandung hin, nachdem er bereits in der 49. Minute einen Elfmeter verwandeln durfte. Da konnte Verfolger Marcel Eckhardt (er erzielte alle Tore beim 4:0 gegen Eintracht Wald-Michelbach II) nicht mehr kontern, auch wenn der Groß-Rohrheimer ebenfalls auf stattliche 36 Treffer kommt. Schmidts Sturmpartner Gero Lammer war gegen Lampertheim viermal erfolgreich und erhöhte sein Konto auf 24 Tore. Zusammen haben die beiden mehr als die Hälfte aller SG-Tore erzielt. Da kann man schon von einem Traumduo sprechen. „Wir harmonieren extrem gut und verstehen uns blind. Auf und neben dem Platz“, sagt Schmidt, der mit Gero Lammer gut befreundet ist.
Zu Beginn der Saison war es das Ziel, die 27 Tore aus dem vergangenen Jahr zu verbessern. Schmidt war fleißig und schob nach dem Training des Öfteren noch Extraschichten, feilte an seiner Schusstechnik oder tat etwas für die Schnelligkeit. Im Übrigen ist Schmidt seit der Winterpause wieder Single. „Vielleicht gab das auch noch einmal einen Schub“, sagt er und lacht.
Selbstvertrauen wächst
Je mehr Schmidt traf, umso größer wurde jedenfalls sein Selbstvertrauen. Gerade zum Ende der Saison, als sich das Kopf-an-Kopf-Rennen der SG Odin mit Unter-Abtsteinach zuspitzte, bekamen eigentlich alle Wald-Michelbacher einen Lauf. „Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ein Tor schießen kann“, sagt Schmidt.
Nach seiner Zeit bei den Verbandsligisten Eintracht Wald-Michelbach und SG Unter-Abtsteinach ging Schmidt Anfang 2020 bewusst einen Schritt zurück und wollte in der Kreisoberliga zu seinen Stärken und dem Torinstinkt zurückfinden. „Das war richtig“, sagt Schmidt, der in Wald-Michelbach wieder aufblühte. Bereits mit 13 Jahren wechselte Schmidt von der JSG Ulfenbachtal zur Starkenburgia Heppenheim. Sein Dank gilt Mutter Steffi, „die mich überall hinfuhr und immer dabei war. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Schmidt, dessen Vater Ralf Schmidt beim TSV Gras-Ellenbach spielte und früh verstorben ist.
Kein klassischer Neuner
David Schmidt ist kein klassischer Neuner, der Spielfreudige wurde auch im offensiven Mittelfeld eingesetzt – ohne dass das seiner Torquote einen Abbruch tat. Mit einem guten ersten Kontakt bringt sich der Rechtsfuß für den Abschluss in Position. Dabei hat er viele Tore im Strafraum erzielt. Schmidt schaut sich viel Fußball an („Der Fernseher läuft den ganzen Tag“) und achtet auf die Stürmer in den Top-Ligen, gerade wie sie sich vor dem Tor bewegen und sich den nötigen Raum verschaffen. Es sei schließlich kein Zufall, wenn ihnen der Ball vor die Füße fällt. Wer 40 Tore in der Kreisoberliga erzielt, ist natürlich auch interessant für höherklassige Vereine. David Schmidt will nicht ausschließen, dass er noch einmal wechselt („Als Sportler will man immer so hochkommen, wie es geht“), doch sieht derzeit alles danach aus, dass sich der Stürmer mit der SG Wald-Michelbach in der Gruppenliga beweisen wird.
Klassenerhalt ist das Ziel
„Der Fokus liegt ganz klar auf dem Klassenerhalt“, sagt Schmidt und wäre schon zufrieden, wenn er nur noch halb so oft wie in dieser Saison trifft. Alle können bei der SG Wald-Michelbach jedenfalls beweisen, dass man kein One-Hit-Wonder in der Gruppenliga ist.
Zur Person
David Schmidt (24) spielte bis zur C-Jugend bei der JSG Ulfenbachtal und wechselte danach für zwei Jahre zu Starkenburgia Heppenheim. Es folgten drei Runden in Lörzenbach und ein halbes Jahr beim SV Waldhof.
2017 ging Schmidt als 17-Jähriger zum Verbandsligisten Eintracht Wald-Michelbach. 2018 erfolgte der Wechsel zum damaligen Verbandsligisten SG Unter-Abtsteinach.
In der Winterpause der Saison 2019/20 schloss sich Schmidt der SG Odin Wald-Michelbach an. Nach eineinhalb Corona-Runden erzielte Schmidt in der vergangenen Saison 27 Treffer in der Kreisoberliga und holte sich jetzt die Torjägerkrone mit 40 Treffern.
David Schmidt ist Single und arbeitet als Vertriebsmitarbeiter an einer Hochschule.
Torjäger im Blick
40 Tore in der Kreisoberliga sind eine Hausnummer – doch ist David Schmidt damit nicht der beste Bergsträßer Torschütze. Marvin Feher vom TSV Elmshausen erzielte – allerdings drei Klassen tiefer in der C-Liga – 52 Treffer.
54 Tore gelangen sogar Lucas Sitter vom Gruppenligisten SG Langstadt/Babenhausen. B-Liga-Torschützenkönig Jasmin Huseinovic (TSV Auerbach II) bringt es auf 36 Treffer, in der A-Liga holte sich Jakob Hirschberg (FC Ober-Abtsteinach) mit 33 Toren die Krone. Beachtenswert sind die 18 Tore von Linus Hebling (SV Unter-Flockenbach) in der Hessenliga und die 20 Treffer von Feta Suljic für Verbandsligist Eintracht Wald-Michelbach.