Basketball boomt in Rimbach schon vor dem WM-Titel
Die Korbjäger der TG Rimbach sind inzwischen die größte Abteilung im Verein. Deutschlands Sensationserfolg kann für noch mehr Zulauf sorgen
Sorgt der sensationelle Weltmeistertitel der Nationalmannschaft für einen Basketball-Boom in Deutschland? Bei der TG Rimbach konnten sie sich allerdings schon vor den tollen Auftritten von Dennis Schröder und Co. über mangelnden Zulauf nicht beklagen. Nicht Turnen, Judo oder Leichtathletik ist inzwischen die größte Abteilung, die Basketballer sind mit rund 160 Mitgliedern die Nummer eins im Verein.
Und viele von ihnen kamen am vergangenen Sonntag in der Odenwaldhalle zusammen, um das Finale in Manila gegen Serbien auf einer Großbildleinwand gemeinsam zu schauen. „Die Begeisterung war groß. Aber nicht nur am Ende, sondern auch schon während des gesamten Turniers“, sagt Rimbachs „Teamchefin“ Eleni Mitrakev. Mit dem alljährlichen „Court in Action“ hatten die Rimbacher am vergangenen Wochenende zudem ihren Saisonauftakt, an zwei Tagen absolvierten alle Jugend- und Herrenmannschaften Testspiele.
„Das von Kapitän Dennis Schröder angeführte Team konnte alle acht Spiele gewinnen und warf im Halbfinale in einem hart umkämpften Jahrhundertspiel sogar den absoluten Topfavoriten USA aus dem Turnier. Der Sieg im Finale gegen die Serben war die Krönung eines wunderschönen Basketball-Sommermärchens“, gerät Janosch Wehmeyer, der als Center in der ersten Rimbacher Mannschaft spielt und auch als Pressewart und U14-Jugendtrainer fungiert, ins Schwärmen.
Tiefe im Kader
Der 28 Jahre alte Gymnasiallehrer mit den Fächern Deutsch und Sport kam Ende 2021 zur TG Rimbach. Basketball spielte er vorher in seiner nordhessischen Heimat, während des Studiums in Jena ging er dem Sport lediglich auf Hobbyebene nach. Angeführt vom kanadischen Trainer Gordon Herbert gewann Deutschland bereits bei der Heim-EM im vergangenen Jahr die Bronzemedaille und scheiterte im Halbfinale nur knapp am späteren Turniersieger Spanien. „Die Tiefe des deutschen Kaders erinnert an die spanischen Großmannschaften, die einst auch Dirk Nowitzki und seinen Kollegen das Leben immer wieder schwermachten und einer Goldmedaille in den frühen 2000er-Jahren im Weg standen“, so Wehmeyer, der seit über zehn Jahren ein großer „NBA- und Basketball-Nerd“, wie er selbst sagt, sei. Über das Interesse an der Liga kam die Leidenschaft für die Ausübung des Sports.
ZDF zeigt nur das Finale
Dennis Schröder, der in Deutschland oftmals kritisch beäugte MVP (wertvollste Spieler) des gesamten Turniers, forderte auf der Pressekonferenz nach dem Finale Respekt ein. Das hallt nach. „Leider bekommt genauso diesen Respekt der Basketball in unserem fußballgeprägten Land nur allzu wenig. Gerade einmal 4,63 Millionen Zuschauer schalteten im ZDF das Finale ein. Das ZDF übertrug auch lediglich das Endspiel, obwohl alle acht Spiele der deutschen Basketballer einen Sendeplatz redlich verdient gehabt hätten“, kritisiert Wehmeyer. Basketball scheine in Deutschland trotz des ersten Booms in den 1990er Jahren mit dem US-Dreamteam bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona sowie dem überraschenden EM-Triumph Deutschlands ein Jahr später immer noch nicht ganz angekommen zu sein. „Der WM-Titel 2023 ist ohne Frage ein Jahrhundertereignis, vor vier Jahren wurde Deutschland im gleichen Wettbewerb immerhin nur 18. Ein weiterer Boom ist denkbar, jedoch nicht sehr wahrscheinlich“, glaubt Wehmeyer und fügt an: „Diese Mannschaft ist noch nicht fertig.“ Die Goldmedaille bedeutet die sichere Qualifikation für das Olympiaturnier in Paris im nächsten Jahr. Dort gehe Deutschland als einer der absoluten Topfavoriten auf Gold ins Rennen, meint Wehmeyer.
2015 beginnt es bei der TG
Nicht nur bei der TG Rimbach wird man den Weg der deutschen Korbjäger genau verfolgen. 2015 wurde in Rimbach der Basketball wiederbelebt, nachdem in den 1990er-Jahren der FSV Zotzenbach lange Zeit höherklassig in der Landesliga vertreten war. Die Corona-Pandemie setzte auch den TG-Basketballern, die zwischenzeitlich auf 40 Mitglieder geschrumpft waren, zu. Durch Werbung und Aktionen an Schulen wurde schnell aufgeholt. Mittlerweile sind wieder acht Mannschaften am Start.
Zwei Aufstiege gefeiert
Die junge erste Mannschaft, in die ehemalige Rimbacher U18-Spieler aufrückten, schaffte unter Head-Coach Martin Jurisch, der im Oktober 2021 übernommen hatte, souverän den Aufstieg in die Kreisliga A mit acht Punkten Vorsprung und 14 Siegen in 16 Spielen. Jurisch wird bei Abwesenheit durch Spielertrainer Simeon Mitrakev und Janosch Wehmeyer vertreten.
Die Rimbacher wollen sich unbedingt in der Liga halten und visieren eine Platzierung in der oberen Hälfte an, wenn am 24. September der erste Sprungball erfolgt. Die Mannschaft bilden Lou Heiß, Daniel Korke, Leonid Mitrakev, Simeon Mitrakev, Sina Nik, Felix Pfeifer, Nils Pap, Aron Schepp, Fabian Schmitt, Janosch Wehmeyer, Jona Wolf und Philipp Wolf.
Die zweite Herrenmannschaft ist als Nachrücker in der Kreisliga B und wird jetzt von Nurettin Kocak, einem ehemaligen Spieler des FSV Zotzenbach, trainiert. Er ist auch Jugendkoordinator.
Eine Damenmannschaft nimmt zum ersten Mal am Spielbetrieb in der Kreisliga teil. Ausbildungsbedingt gibt es allerdings Abgänge, sodass noch Neuzugänge gebraucht werden.
In der Jugend hat die TG Rimbach zwei U14 (Trainer: Simeon Mitrakev/Janosch Wehmeyer/Jona Wolf), zwei U16 (Trainer: Dogukan Ceneli) und eine U18 (Trainer: Leonid Mitrakev/Martin Jurisch) gemeldet. Philipp Wolf trainiert zusätzliche Trainingsgruppen in der U8, U10 und U12, die aber genauso wie die Hobby-Baskets, wo einige ehemalige Zotzenbacher spielen, nicht am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen.
Mehr Informationen auf der Website der Abteilung.
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