"Bloß nicht zweistellig" lautet die Devise in Gras-Ellenbach
Vor dem Halbfinale im Bergsträßer Kreispokal zwischen B-Ligist TSV Gras-Ellenbach und Verbandsligist Eintracht Wald-Michelbach sind die Rollen klar verteilt.
Für die einen ist es das Spiel des Jahres, für die anderen wenige Tage vor dem Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten SKV RW Darmstadt eine Pflichtaufgabe. Die Rede ist vom Halbfinale des Fußball-Kreispokals zwischen B-Ligist TSV Gras-Ellenbach und dem Verbandsligisten Eintracht Wald-Michelbach am Donnerstag. Anstoß in Gras-Ellenbach ist um 19.45 Uhr.
„Ich weiß nicht, ob es das größte Spiel unserer Vereinsgeschichte ist, aber das Pokal-Halbfinale gegen die derzeit wohl formstärkste Mannschaft der Verbandsliga dürfte neben der Relegation um den Aufstieg gegen Birkenau II vor fünf Jahren auf jeden Fall zu den größten und wichtigsten Spielen unserer Historie zählen“, sagt Gras-Ellenbachs Sportlicher Leiter Manuel Loipersberger.
Und so sehr er der Eintracht um Trainer Ralf Ripperger den aktuellen sportlichen Erfolg – mit acht Siegen aus acht Spielen und einem Torverhältnis von 27:5 führt die ETW die Rückrundentabelle der Verbandsliga an – auch gönnt, fügt Loipersberger hinzu: „Rein sportlich betrachtet kommt dieses Spiel für uns eigentlich zur Unzeit. Die Rollen sind nach den jüngsten Ergebnissen beider Mannschaften noch klarer verteilt.“
Zudem hadert der TSV-Funktionär mit der Terminierung des Überwald-Duells: „Dass parallel noch das B-Liga-Derby zwischen Hammelbach und Affolterbach stattfindet, ist vonseiten des Verbandes schon ein bisschen undankbar.“
Der Karsamstag wäre dem TSV lieber gewesen
Der TSV hätte das Halbfinale gerne am Karsamstag ausgetragen, fügt Loipersberger hinzu. „Da wäre es das einzige Spiel im ganzen Kreis gewesen und es wären wohl deutlich mehr Zuschauer gekommen. Leider hat das nicht geklappt.“ Gleichwohl hofft der Funktionär auch am Donnerstagabend auf eine stattliche Kulisse, ein besonderes Rahmenprogramm ist jedoch nicht vorgesehen. „Wir werden die Besucher ganz normal in der Sportlerklause bewirten, sind aber auf jeden Fall für eine größere Zuschauerzahl gewappnet.“ In sportlicher Hinsicht wolle die TSV-Elf um Spielertrainer Okan Bekyigit die Flinte nicht vorzeitig ins Korn werfen, kündigt Loipersberger an.
„Im Pokal sind Überraschungen immer wieder möglich. In einem einzigen Spiel hat man auch gegen vermeintlich übermächtige Gegner mitunter eine Chance. Wir selbst haben vor zwei Jahren beim knappen 1:2 gegen Unter-Flockenbach auch schon gegen einen Top-Verbandsligisten klasse mitgehalten.“ Im TSV-Tor stand seinerzeit Loipersberger höchstselbst und er erinnert sich: „Klar hatte der SVU damals noch etliche Chancen, wir haben aber bis zum Ende hervorragend dagegengehalten.“ Den Gastgebern spielte damals zudem die überraschende 1:0-Führung in die Karten, erst Mitte der zweiten Hälfte drehten die „Flockies“ das Spiel.
Gegen einen ähnlichen Spielverlauf hätte der Funktionär nun natürlich auch nichts einzuwenden. „Wir wollen unsere bestmögliche Leistung abrufen und ein ordentliches Ergebnis erzielen. Dann kann es ein schöner Abend werden“, sagt er. Natürlich weiß er aber auch, „dass es auch sehr unschön werden kann“. Will heißen: zweistellig. Dies will die Bekyigit-Elf, die keine Verletzten zu beklagen hat, allerdings tunlichst vermeiden.
Der Sportdirektor lobt seine Spieler
„Wir steuern unsere Woche entsprechend“, sagt derweil Amir Imsirvoic angesichts der kräftezehrenden „Englischen Woche“ bestehend aus dem Pokal-Halbfinale und dem Spitzenspiel in der Verbandsliga gegen Darmstadt. „Am Freitag und am Samstag haben unsere Spieler frei“, fügt der Sportdirektor der Wald-Michelbacher Eintracht hinzu.
Auch ganz allgemein hält Imsirovic seine schützende Hand über die Schützlinge von Trainer Ralf Ripperger. Die Mannschaft dankt es der Sportlichen Leitung und trotzt den schwierigen Umständen im Verein mit sportlichen Höchstleitungen. Die ETW ist als Vierter längst auf Tuchfühlung mit Platz zwei, konnte nach der Winterpause bislang all ihre Spiele gewinnen. Insbesondere die Partie in Darmstadt am Sonntag hat dann auch richtungweisenden Charakter.
„Unsere Jungs haben die richtige Reaktion gezeigt auf die Situation im Verein“, sagt Imsirovic. „Es geht um Fußball und alle wollen erfolgreich sein“. Die Trainingsbeteiligung ist hoch, Ripperger hat ständig fast alle Spieler zur Verfügung und kann entsprechend gut planen.
Imsirovic: „Wir wollen ins Finale“
Der Fokus der ETW liegt jetzt aber zunächst auf dem Pokalspiel. „Wir wollen weiterkommen bis ins Finale“, sagt Imsirovic. Und er kündigt an: „Wir konzentrieren uns gegen Gras-Ellenbach auf unser Spiel, werden die richtige Einstellung finden und den Gegner nicht unterschätzen“.
Gut möglich dürfte es dennoch sein, dass ETW-Trainer Ripperger im Duell mit dem benachbarten B-Ligisten auch denjenigen Spielern eine Chance gibt, die in der Liga zuletzt weniger Spielpraxis sammeln durften. Schon im Viertelfinale bei der FSG Bensheim hatte er es ähnlich gehandhabt – und das Ergebnis (9:0) sowie die Leistungen der betroffenen Spieler gaben ihm recht.
Eher unwahrscheinlich dürften dagegen die Einsätze von Florian Butscher und Jens Bundschuh sein. Butscher laboriert an einer Verletzung am Sprunggelenk und musste am Montag mit dem Training pausieren. Bundschuh hingegen war krank, ist aber inzwischen auf dem Weg der Besserung. „Es sieht gut aus“, sagt Imsirovic mit Blick auf eine Rückkehr der beiden Leistungsträger – meint damit aber erst die Partie am Sonntag.