Der ISC Fürth fühlt sich in einem Teufelskreis gefangen
Als Schlusslicht in der Fairnesstabelle sehen sich die Fußballer des ISC Fürth benachteiligt, weil das zu einem verzerrten Bild ihres Vereins führt. Was ist dran an der „Tretertruppe“? Das sagen Gegner und ein Schiedsrichter.
Fürth. 57 gelbe, fünf rote Karten, dazu elf Zeitstrafen – geteilt durch 18 Spiele sind das im Schnitt vier Sanktionen pro Spiel für den ISC Fürth. Das ist mehr als bei jedem anderen Fußballverein im Kreis Bergstraße. Sie belegen damit mit Abstand den letzten Platz der Fairnesstabelle der Kreisliga A. Dabei sehen sich die Verantwortlichen und die Spieler häufig von Vorurteilen konfrontiert, die die Neutralität von Schiedsrichtern entscheidend beeinflussen.
Der ISC Fürth ist diese Saison bereits mit mehr als nur einer Schlagzeile auffällig geworden. So musste schon am ersten Spieltag nach dem Heimspiel gegen den VfR Bürstadt (3:2) die Polizei anrücken. Ein Spieler des ISC und ein Betreuer des VfR seien aneinandergeraten. Das Nachspiel beschränkte sich – in Form von Spielersperren – jedoch lediglich auf das Sportgericht. Von Anzeigen wurde abgesehen.
Dazu kam am 24. November vergangenen Jahres, eine Woche vor der Winterpause, der provozierte Spielabbruch im Heimspiel gegen die Reserve des VfR Fehlheim (1:4). Die Spieler des ISC Fürth hätten sich vom Schiedsrichter benachteiligt gefühlt. Die dritte Zeitstrafe nach knapp 60 Minuten brachte das Fass schließlich zum Überlaufen: Die Weschnitztäler verließen geschlossen das Spielfeld. Für die Aktion gab es einen Punktabzug von drei Zählern für die Fürther.
„Wir sahen keine andere Möglichkeit, Gehör zu finden.“ ~ Rasim Kasalar, Vorstand ISC Fürth
„Wir befinden uns in einem Teufelskreis“
Das Verlassen des Spielfelds sei eine notwendige Maßahme gewesen, um aus dem Teufelskreis ausbrechen zu können, in dem sich die Mannschaft befinde, sagt Vorstandsmitglied Rasim Kasalar. Mit dem Teufelskreis ist Folgendes gemeint: Die wahrgenommene Härte der Mannschaft führt zu häufigeren Strafen, wodurch sich die Platzierung in der Fairnesstabelle weiter verschlechtert, was wiederum die Neutralität der Spielleitung beeinträchtigen kann. Und dies sei auch gegen Fehlheim der Fall gewesen. „In diesem Moment sahen wir keine andere Möglichkeit, unsere Bedenken zu äußern“, so Kasalar. Und obwohl der Spielabbruch zu einem Zeitpunkt stattfand, zu dem der ISC die Punkte dringend benötigte, wurde ein später bestätigter Punktabzug wissentlich in Kauf genommen.
Diese Voreingenommenheit sei für den Verein und die betroffenen Spieler leider nichts Neues. „Wir sind ein multikultureller Verein, der Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen eine sportliche Heimat bietet“, sagt Kasalar. „Und als ausländischer Verein sehen wir uns immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, die oft auf diesen Hintergründen unserer Spieler und Verantwortlichen basieren.“ Nachgesagt werde den ISClern Disziplinlosigkeit, sportliche Unprofessionalität und eine geringe Leistungsbereitschaft.
Wie der Ruf wieder aufpoliert werden soll
An den Vorwürfen sei natürlich nichts dran. „Wir sind fest davon überzeugt, dass solche Stereotype nichts mit den tatsächlichen Fähigkeiten und dem Engagement unserer Mannschaft zu tun haben“, sagt Kasalar. „Unser Ziel ist es, durch Leistung auf dem Platz und einem respektvollen Auftreten diese Vorurteile zu überwinden und ein positives Zeichen für den integrativen und respektvollen Charakter unseres Vereins zu setzen.“ Zudem betont das Vorstandsmitglied ausdrücklich, dass sie damit keineswegs alle Schiedsrichter oder Mannschaften über einen Kamm scheren wollen und solche Vorfälle nur Ausnahmen seien.
„Diese negativen Erfahrungen spiegeln nicht die Mehrheit der Beteiligten wider, aber sie machen deutlich, dass Vorurteile im Fußball durchaus existieren.“ ~ Rasim Kasalar
Aber auch wenn bei den Fürthern manchmal härter durchgegriffen werden sollte, die Karten können nicht von irgendwo kommen. Derzeit belegt der ISC Fürth den letzten Platz in der Fairnesstabelle in ihrer Liga. Um dem Ruf als „Tretertruppe“ entgegenzuwirken, werden mannschaftsintern entsprechende Maßnahmen getroffen, verrät Kasalar. Das Thema Fairness und Disziplin werde regelmäßig mit dem Trainerteam und dem Vorstand besprochen, außerdem wurde der Strafenkatalog angepasst, um eigenes Fehlverhalten klarer zu ahnden. Darüber hinaus werden fortan neutrale Beobachter für die Spiele des ISC bestellt, die in Zweifelsfällen die Ereignisse schildern können.
Fehler seitens der Schiedsrichter können passieren
„Der Schiedsrichter bestätigte nach dem Spiel, dass er sich im Vorfeld die Fairnesstabelle angesehen hatte. Diese Aussage bestärkt unsere Befürchtung, dass Schiedsrichter möglicherweise nicht in vollem Maße neutral an die Spiele herangehen, sondern sich von der aktuellen Platzierung in der Fairnesstabelle beeinflussen lassen“, sagt Kasalar.
Joschka Pfeifer, Schiedsrichter des FSV Rimbach, entschärft die Aussage. „Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass jeder Schiedsrichter sein Bestmögliches versucht. Fehlentscheidungen können passieren, aber von bewusster Benachteiligung gehe ich nicht aus.“ Pfeifer betont, dass er das Spiel nicht gesehen habe und somit keine konkreten Aussagen über den Spielabbruch gegen Fehlheim treffen könne.
Er selbst schaut sich vor den Spielen auch alle möglichen Tabellen an, das werde aber ganz unterschiedlich gehandhabt. „Ich schaue mir gerne die Tabellen an, um vorbereitet zu sein – keineswegs aber voreingenommen“, so Pfeifer. „Andere machen das überhaupt nicht. Die wissen gerade so, wer gegen wen spielt.“
Hinsichtlich der Linie, die er in seiner Spielleitung verfolgt, betont Pfeifer, dass die Regeln grundsätzlich unverändert bleiben. „Wenn ich merke, dass ein Spiel besonders fair abläuft, dann lasse ich gerne viel laufen. Wenn es aber hitzig wird oder das Spiel zu eskalieren droht, kann es aber auch sein, dass ich meine Linie dementsprechend anpasse. Damit es nicht aus dem Ruder läuft.“ Gerade bei Derbys oder Relegationsspielen habe man das im Hinterkopf.
Fürth hat keine schlechten Eindrücke hinterlassen
Bleiben noch die Ligakonkurrenten. Was hat der ISC Fürth für einen Eindruck hinterlassen? Sowohl beim SV/BSC Mörlenbach als auch beim FC Starkenburgia Heppenheim habe die Mannschaft keinen unfairen Eindruck hinterlassen. „Im Gegenteil“, sagt Christian Schmitt, Trainer der Starkenburgia. „Zwar waren sie, gerade letzte Runde, durch ihre Unterlegenheit häufig einen Schritt zu spät, aber sie sind immer sportlich geblieben. Fürth mag etwas robuster und riskanter spielen als ein paar andere Mannschaften, das ist aber alles im Rahmen.“
Auch Thorsten Bartmann, Trainer von Mörlenbach, kann beim ISC nicht von negativen Auffälligkeiten sprechen. „Ich habe schon oft gegen den ISC gespielt oder als Trainer auf der Bank gesessen. Es waren hitzige Spiele dabei, genauso aber auch emotionslose. Dass sie unfairer sein sollen als andere Mannschaften in der A-Klasse, kann ich nicht sagen.“
Die Fairnesstabellen interessieren übrigens beide Trainer nicht, auch wenn die Starkenburgia in der Hinsicht zurzeit Spitzenreiter ist. „Als dominantere Mannschaft kommt man seltener in die Situation, Fouls ziehen zu müssen. Folglich bekommen wir weniger Karten“, sagt Schmitt. „Einzig an den Sanktionen gegenüber uns Trainern haben wir bewusst gearbeitet.“ Ob der ISC Fürth durch seine zahlreichen Neuzugänge ebenfalls eine spielerische Überlegenheit in ihren Spielen herstellen kann, wird sich ab dem 9. März beim Liga-Auftakt gegen FV Hofheim/Ried zeigen.