Ringen

Rimbacher Felix Schmitt kämpft bei der WM in Jordanien

Felix Schmitt und Manuel Wagin vom KSV Rimbach haben Medaillenchancen bei der U17-Weltmeisterschaft in Jordanien. Die Vorbereitung ist allerdings nicht optimal und in Amman sind es an die 40 Grad.

Nach der EM ist vor der Weltmeisterschaft: Der Rimbacher Felix Schmitt gewann in Serbien die Bronzemedaille, ab Freitag tritt der U17-Freistilringer mit Bundestrainer Marcel Ewald (links) bei der WM in Amman (Jordanien) an. Foto: Kadir Caliskan
Nach der EM ist vor der Weltmeisterschaft: Der Rimbacher Felix Schmitt gewann in Serbien die Bronzemedaille, ab Freitag tritt der U17-Freistilringer mit Bundestrainer Marcel Ewald (links) bei der WM in Amman (Jordanien) an.

Auf ein echtes Abenteuer begibt sich Felix Schmitt, wenn das große Ringertalent des KSV Rimbach am Donnerstag zur U17-Weltmeisterschaft nach Jordanien fliegt. Begleitet wird das Freistil-Ass dabei vom Darmstädter Manuel Wagin, der ebenfalls für den KSV Rimbach in der Klasse bis 71 kg startet, in der Bundesliga aber für die SVG Weingarten kämpft. Außerdem tritt später noch Leon Zinser vom KSV Rimbach vom 2. bis 8. September in Pontevedra (Spanien) bei der U20-Weltmeisterschaft an. Drei WM-Eisen hat der KSV Rimbach also im Medaillenfeuer. Und man darf gespannt sein, ob am Ende tatsächlich ein Platz auf dem Podest herausspringt.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

„Chancen aufs Treppchen haben alle drei“, ist Rimbachs Sportwart Oliver Schmitt überzeugt. Aber die Konkurrenz ist bei einer Weltmeisterschaft natürlich riesengroß. Man braucht schon ein bisschen Glück bei der Auslosung und muss in mehr als nur guter Tagesform sein, um im Konzert der Weltbesten bis in die Finalkämpfe zu kommen.

Bronze bei der EM im Juni

Dass er es draufhat, bewies Felix Schmitt bereits im Juni, als der 17-Jährige bei der Europameisterschaft in Novi Sad (Serbien) die Bronzemedaille in der Klasse 80 kg Freistil gewann. Im Kampf um Platz drei beherrschte Schmitt den Bulgaren Bozhidar Pamenov Dobrev klar und feierte einen 10:0-Punktsieg. Bereits eine Viertelstunde nach seinem ersten Kampf musste Schmitt wieder auf die Matte und war dann etwas ausgepowert. Im Achtelfinale verlor er gegen den frischen Georgier Nikoloz Maisuradze, der die Silbermedaille gewann – ansonsten wäre sogar das Finale möglich gewesen. „Felix hat bewiesen, dass er in der Weltspitze mithalten kann“, sagt Oliver Schmitt über seinen Sohn, der bei der EM darüber hinaus angeschlagen war.

Wie sich erst nach der Rückkehr nach Deutschland bei einem MRT herausstellte, kämpfte Schmitt mit einem angerissenen Syndesmoseband – umso höher ist die Bronzemedaille anzurechnen. Da hat einer auf die Zähne gebissen.

Die Verletzung verhinderte in den vergangenen Wochen allerdings das reguläre Mattentraining. Der Rimbacher stieg erst vor Kurzem wieder ein und machte stattdessen mehr Krafttraining. Natürlich ist das keine optimale Vorbereitung, doch Oliver Schmitt glaubt, dass auch eine Pause mal ganz guttun kann. „Danach hat man wieder umso mehr Lust.“

Keine Zeit zum Akklimatisieren

An der Motivation wird es sicherlich nicht liegen, wenn Felix Schmitt am Donnerstag in den Flieger nach Amman steigt. Bereits am Freitag muss er zum Wettkampf antreten – auch das ist alles andere als eine optimale Vorbereitung für die beiden Freistil-Schützlinge von Bundestrainer Marcel Ewald. Oliver Schmitt versteht nicht, warum der Deutsche Ringer-Bund seinen Athleten bei 40 Grad in Jordanien nicht etwas mehr Zeit zur Akklimatisation gibt. Überhaupt könne man eine WM-Vergabe nach Jordanien, wo es rundherum Krisengebiete gibt, infrage stellen.

Oliver Schmitt jedenfalls wird erstmals seinen Sohn nicht bei einem großen Turnier begleiten könnten. Er fliegt nicht. Weite Strecken mit dem Auto ist er schon gefahren, „aber der Weg nach Jordanien ist dann auch mir doch zu heiß“. Allerdings glaubt der KSV-Sportwart, dass sich sein Sohn auf die neue Situation einzustellen weiß. Mit Trainer Vitali Wagin, der seinen Sohn begleitet, ist zudem eine Bezugsperson aus Rimbach dabei. „Felix war schon auf vier großen Turnieren und hat die Erfahrung“, sagt Schmitt. Die Gegner von der EM kennt Schmitt schon ein wenig, jetzt kommen noch die starken US-Amerikaner oder Kubaner hinzu. Manuel Wagin, der im vergangenen Jahr immerhin den EM-Titel in Albanien gewann, konnte in diesem Jahr wegen einer Verletzung nicht in Serbien starten. Auch er muss zeigen, wie er die Zwangspause verkraftet hat.

Ausbildung und Training

U20-Ringer Leon Zinser ist in der Klasse bis 57 kg im Freistil nominiert. In der 2. Bundesliga zeigte er in der vergangenen Saison seine Klasse beim KSV Rimbach und besiegte auch starke Ausländer. Allerdings trat er da in der Klasse bis 61 kg an. Für ihn wird die erste Herausforderung sein, das Gewicht über die Dauer des Turniers zu bringen. Felix Schmitt kann sich im Übrigen auch nach der Schule aufs Ringen konzentrieren.

Er absolviert derzeit eine Ausbildung in einem Rimbacher Autohaus, wo er seine Wochenarbeitsstunden verkürzen konnte, dafür dauert die Lehre ein Jahr länger. Das gibt dem 17-Jährigen aber die Zeit, entsprechend zu trainieren, um weiter konkurrenzfähig zu sein.

Im nächsten Jahr steht beispielsweise die Europameisterschaft an – und als Fernziel in vier Jahren locken die Olympischen Spiele in Los Angeles. In Paris schnitten die deutschen Ringer so schlecht wie noch nie ab – Zeit also vielleicht für eine Blutauffrischung aus dem Odenwald. beg