Ringen

Rimbacher Karl-Peter Schmitt pfeift bei den Olympischen Spielen

Karl-Peter Schmitt vom KSV Rimbach kommt nach einem Nominierungsmarathon durch den Weltverband als Kampfrichter bei den Olympischen Spielen in Paris zum Einsatz. Nervös ist der Berufssoldat noch nicht.

Bereit für die große Bühne: Karl-Peter Schmitt (KSV Rimbach) nimmt als Kampfrichter an den Olympischen Spielen teil. Foto: Kadir Caliskan
Bereit für die große Bühne: Karl-Peter Schmitt (KSV Rimbach) nimmt als Kampfrichter an den Olympischen Spielen teil.

Lange Jahre sah es so aus, als ob mit Pascal Eisele einmal ein Ringer aus Fürth bei den Olympischen Spielen dabei sein kann. Jetzt hat es tatsächlich ein Odenwälder geschafft – allerdings aus Rimbach. Karl-Peter Schmitt wird als Kampfrichter in Paris auf der Matte stehen.

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Der Ringer-Weltverband United World Wrestling (UWW) wählte nach einem Nominierungsmarathon neben Kampfrichter-Chef Antonio Silvestri erstmals die Hessen Ramona Scherer und Karl-Peter Schmitt aus. Für beide geht damit ein Traum in Erfüllung. Scherer pfeift für das Ringer-Leistungszentrum Aschaffenburg, der stellvertretende Kampfrichterreferent des Deutschen Ringer-Bundes, Karl-Peter Schmitt, ist beim KSV Rimbach zu Hause. Dort war sein Vater Karl-Peter Schmitt selbst lange Vorsitzender, derzeit ist sein Bruder Kai beim Zweitligisten der zweite Vorsitzende.

Schon seit vielen Jahren steht Karl-Peter Schmitt als Referee auf internationalen Matten. Foto: Kadir Caliskan
Schon seit vielen Jahren steht Karl-Peter Schmitt als Referee auf internationalen Matten.

Höhepunkt der Laufbahn

Für Karl-Peter Schmitt, der im Juli 55 Jahre alt wird, ist es der Höhepunkt einer langjährigen Laufbahn als Schiedsrichter. Bereits seit seinem 18. Lebensjahr besitzt er die Bundeslizenz und ist seit Jahrzehnten im Kampfrichterwesen tätig. Und nach den Olympischen Spielen scheidet der Stabsfeldwebel zum 30. September nach 36 Berufsjahren und drei Monaten bei der Bundeswehr aus dem aktiven Dienst aus – 2024 ist wahrlich ein ganz besonderes Jahr für den Rimbacher, seine Frau und den beiden Söhnen Marian und Aljoscha.

Der Weg nach Paris war lang. Die „heiße Phase“ begann bereits Anfang des vergangenen Jahres, als weltweit 125 Kampfrichter als Olympia-Kandidaten ausgewählt wurden. Immer wieder gab es Lehrgänge und natürlich mussten sich die Kampfrichter bei internationalen Einsätzen wie der Weltmeisterschaft beweisen. Nach den Interkontinental Meisterschaften in Istanbul wurde der Kader auf 70 Schiedsrichter reduziert, aus dem schließlich die 48 Olympia-Fahrer ausgewählt wurden. Der Druck was beständig und groß.

„Nur die Besten sollen zu den Olympischen Spielen fahren“, sagt Karl-Peter Schmitt. Antonio Silvestri führt als Kampfrichterreferent des Weltverbandes seit 2015 ein strenges Regiment und verlangt von den Anwärtern immer Höchstleistungen. Erbhöfe gibt es keine, es zählt nur das Leistungsprinzip. So mussten sich auch früherer Olympia-Teilnehmer erneut qualifizieren. „Das finde ich gut, dass nicht immer die Gleichen dabei sind “, sagt Schmitt. Und er hat bei seinem „Chef“ Eindruck hinterlassen – genauso wie Ramona Scherer. „Sie zeigen beide eine hohe Kompetenz und Ausstrahlung auf der Matte. Können beide auch sehr schwierige Kämpfe souverän und sicher leiten, ohne dabei selbst in Stress zu geraten. Beide zeigen durch ihre langjährige Erfahrung ein sehr gutes Feeling und starke Bewertung von Aktionen und Erkennen von Fouls oder Passivitäten. Vor allem haben beide eine großartige Kampfkontrolle und Bewertung. Karl-Peter kann vielmehr auch noch als Mattenpräsident eingesetzt werden“, sagte Silvestri im Gespräch mit dem Deutschen Ringer-Bund.

Stabsfeldwebel bei der Bundeswehr

Karl-Peter Schmitt sagt selbst, dass er von seiner langen Erfahrung natürlich profitiere. Ansonsten lege er die Regeln konsequent aus – wenn andere ihn dafür als „streng“ bezeichnen, kann der Berufssoldat damit leben. Die Bundeswehr stellt ihn für die Olympischen Spiele wie auch schon bei internationalen Wettkämpfen frei. Schmitt ist beim Luftwaffen-Ausbildungsbataillon in Germersheim stationiert. Die 70 Kilometer in die Pfalz pendelt er und kann auch zwei Tage von zu Hause arbeiten. „Wir sind für die militärische Vorbereitung der Soldaten, die ins Ausland gehen, zuständig“, sagt Schmitt. Auch dem Ende der Bundeswehr-Auslandseinsätze in Afghanistan und Mali gibt es viel zu tun.

Der Computer lost aus

Nach einem finalen fünftägigen Lehrgang in Athen ist am 2. August Anreise in Paris. Die Wettkämpfe beginnen am 8. August. Am 12. August ist nach den letzten Medaillenentscheidungen die Heimreise geplant. Einen Einsatz wird Schmitt sicher haben. Welche Klasse und welche Kämpfe – das entscheidet der Computer. Die Kampfrichter bekommen erst eine Viertelstunde vorher Bescheid über ihr „Los“.

Schmitt weiß auch nicht, ob er Kampfrichter, Punktrichter oder als Mattenpräsident eingesetzt wird. Aber diese Ungewissheit bringt ihn nicht so schnell aus der Ruhe. „Die Vorfreude ist sehr groß und die Nervosität wird noch kommen“, gibt Schmitt zu. Er bereitet sich gut vor und macht zur Entspannung Stretching und Gymnastik – eigentlich so wie die Ringer, wenn sie sich vor dem Kampf warm machen. Nur die Klamotten werden nicht durchgeschwitzt.

Schon bei drei Militär-Weltspielen

Apropos Bekleidung: Ausgerüstet werden die Kampfrichter nicht vom Deutschen Olympischen Sport-Bund, sondern vom Ausrichter Paris, „der übernimmt die Ausstattung“, so Schmitt, der mit seinen Kollegen auch nicht im Olympischen Dorf wohnen wird. Da gibt es eine konsequente Trennung zwischen Schiedsrichtern und Athleten, um allen möglichen Manipulationsvorwürfen gleich aus dem Weg zu gehen.

„Olympische Spiele sind das größte“, ist Schmitt gespannt auf das, was ihn in Paris erwartet. Dreimal war er schon als Kampfrichter bei den Militär-Weltspielen 2007 in Indien, 2015 in Südkorea und 2017 in China im Einsatz. Da konnte man sich mit seiner Akkreditierung auch die anderen Wettkämpfe anschauen. Bei Olympischen Spielen ist es strenger, „die Eintrittskarten müssen auch wir ganz normal kaufen“, sagt Schmitt. Ansonsten bleibt der Fernseher. Und ob die Zuschauer dort Karl-Peter Schmitt bei der Arbeit sehen können, ist leider fraglich. „Ringen ist eine Randsportart“, sagt Schmitt. Im TV übertragen wird nur, wenn ein Deutscher weit kommt – und dann muss Schmitt natürlich zuschauen.