SV Fürth will mit „brutaler Breite“ in sichere Fahrwasser
Gruppenliga-Neuling startet mit neuen Gesichtern, breiterem Kader und großem Optimismus in die Restrunden-Vorbereitung.
Fürth. Beim Trainingsauftakt nach der Winterpause herrschte bei Fußball-Gruppenligist SV Fürth vor Wochenfrist reges Treiben. Die Platzverhältnisse in der kalten Jahreszeit sah Trainer Jochen Ingelmann „noch im grenzwertigen Bereich“, während er den Spielern des Aufsteigers attestierte: „Die Jungs machen einen guten Eindruck.“ Vier Winter-Zugänge sollen mithelfen, dass es im engen Gruppenliga-Abstiegskampf kein böses Erwachen gibt.
Trotz ausgeglichener Bilanz (je acht Siege und Niederlagen, vier Remis) ist die Lage für den Tabellenneunten keineswegs komfortabel. Mit 28 Zählern trennen ihn nur drei Punkte vom ersten Abstiegsplatz. Entsprechend akribisch möchte Ingelmann in den nächsten Tagen arbeiten, um in den restlichen 13 Partien (das Spiel vom 33. Spieltag bei Eintracht Wald-Michelbach wird nach deren Rückzug mit drei Punkten und 3:0 Toren gewertet) nichts dem Zufall zu überlassen.
„Ich hoffe, dass wir jede Einheit auch als echte Einheit absolvieren“, äußert er einen Wunsch. Ein anderer: von Krankheit und Verletzungen verschont zu bleiben, was im ersten Halbjahr zum häufig dünnen Aufgebot führte. So gesehen ist Björn Kabel, der mit Syndesmosebandanriss und Knochenbruch im Fuß nur drei Mal spielte, ein halber Neuzugang. „Es scheint alles zu halten, sieht gut aus“, sagt Ingelmann zu einem der Garanten für die vergangene Bilderbuch-Saison, als Fürth mit nur einer Niederlage Kreisoberliga-Meister wurde und zudem im Kreispokal (5:4 n. E. gegen Eintracht Wald-Michelbach) triumphierte.
Diefenbach fehlt weiter
Kabel (31) hatte seinen Heimatverein SG Nieder-Kainsbach schweren Herzens verlassen, wurde in seiner Debütsaison für Fürth mit 28 Toren in 29 Ligaspielen dann auf Anhieb zweitbester Torschütze hinter einem anderen Neuzugang, der ebenfalls zu den „Sorgenkindern“ zählte und nach wie vor zählt: Chris Diefenbach, mit 46 Treffern in 29 Spielen als Kreisoberliga-Schützenkönig der Torgarant schlechthin, hat im zweiten Jahr nach dem Wechsel von Hessenligist SV Unter-Flockenbach mit körperlichen Problemen zu kämpfen, kam nur auf zehn Einsätze, in denen er zehn Mal traf –und wird laut Ingelmann weiter „auf unbestimmte Zeit fehlen. Es ist leider schwierig mit seinem Knöchel, er hat noch mal einen MRT-Termin.“
Weil auch Flügelspieler Julian Frank (23 Jahre) nach seinem zweiten Kreuzbandriss lange fehlt und eventuell sogar ganz aufhören muss, ist der Trainer umso mehr froh über den klaren Zuwachs. Mit Konstantin Braun vom Ligarivalen SKG Bickenbach hat sich ein echter Tempobolzer auf der Außenbahn dem SVF angeschlossen. „Konsti hätten wir gern im Sommer schon geholt, da entschied er sich noch für einen Verbleib. Er hat ein ungemeines Tempo, ist ein Teamspieler durch und durch, sehr diszipliniert und hart arbeitend.“
Ein Rückkehrer ist Jure Vucic (26, Archivbild: Fritz Kopetzky), der nach einem Halbjahr bei A-Ligist SV Gernsheim wieder den Weg nach Fürth gefunden hat. „Er ist im defensiven Mittelfeld heimisch und fußballerisch eine Bereicherung.“ Mitgebracht hat Vucic seinen jüngeren Bruder Franjo (20), der zuletzt in der kroatischen Heimat höherklassig unterwegs war. „Ich sehe ihn als Innenverteidiger, sehr athletisch, aber auch technisch versiert. Jüngere Menschen würden sagen: Er ist sehr stabil.“ Als Vierter im Bunde kam der erfahrene Angreifer Lars-Eric Schwinn von der zurückgezogenen Eintracht aus Wald-Michelbach, wo er sich nach anfänglicher Verletzung im Rundenverlauf zu steigern vermochte (drei Tore). „Er könnte sich als echter Glücksfall erweisen“, sagt Ingelmann über den verbandsligagestählten 32-Jährigen, der nach Diefenbachs Ausfall umso wichtiger werden könnte – auch mit Blick auf seine neuen jungen Offensivkollegen Patrik Babic und Robin Weber: „Beide haben viel Potenzial, konnten es aber noch nicht immer abrufen. Lars-Eric kann nicht nur uns als Team, sondern auch den beiden mit seiner Erfahrung weiterhelfen.“
Durch die Zugänge sind Engpässe wie zuletzt fast ausgeschlossen: „Wir haben jetzt eine brutale Breite im Kader. Die Jungs wissen daher auch, dass sie in jedem Training liefern müssen“, erklärt Ingelmann. „Wir werden den großen Kader auch dringend brauchen.“
Fürther Derby als Härtetest
Bevor am 1. März beim auf dem ersten Abstiegsplatz liegenden TSV Höchst die Gruppenliga wieder startet, steht bereits am Mittwoch, 26. Februar (19 Uhr) mit dem Kreispokal-Viertelfinale das erste Pflichtspiel an – und das beschert den Grün-Weißen ausgerechnet gegen den rot-weißen Nachbarn FC Fürth ein brisantes Derby. „Das ist sicher ein besonderes Spiel. Sie werden unbedingt zeigen wollen, dass sie die besseren Fürther sind, nachdem wir zuletzt die Rollen getauscht haben.“
Der Ex-Verbandsligist spielte jahrelang höher als der SVF, ehe die Grün-Weißen den just aus der Gruppenliga abgestiegenen Nachbarn im Vorjahr auf dem Weg zum Kreisoberliga-Titel überflügelten. Der FC ist aber drauf und dran, sich wieder anzunähern, diktiert die Kreisoberliga mit 18 Siegen aus 18 Partien nach Belieben – weshalb Ingelmann festhält: „Das ist eigentlich eine Mannschaft von Gruppenliga-Format.“ Und genau diesen Beweis möchten der 30-Jährige und sein Team in den nächsten Wochen und Monaten ebenfalls erbringen.