Fußball

Trainerduo wirft bei Eintracht Wald-Michelbach überraschend hin

Die Trainer Boubacar Siby und Sascha Amend erklären beim Gruppenligisten Eintracht Wald-Michelbach ihren Rücktritt - am sportlichen Erfolg liegt es nicht. Sportdirektor Amir Imsirovic übernimmt vorerst.

Spielertrainer Boubacar Siby (rechts) hat sein Amt bei Eintracht Wald-Michelbach überraschend niedergelegt. Foto: Fritz Kopetzky
Spielertrainer Boubacar Siby (rechts) hat sein Amt bei Eintracht Wald-Michelbach überraschend niedergelegt.

Trainerknall in Wald-Michelbach. Boubacar Siby und Sascha Amend haben bei Eintracht Wald-Michelbach hingeworfen. Der 35 Jahre alte Siby informierte Spieler und Verantwortliche des Tabellenachten der Fußball-Gruppenliga am vergangenen Sonntag über seine Entscheidung, das Amt niederzulegen. Dem Rücktritt des Aschbachers schloss sich Sascha Amend (Bild: Archiv) an. Beide Trainer hatten erst im Sommer nach dem Rückzug aus der Verbandsliga die Mannschaft übernommen und sollten den Neuaufbau begleiten. Amend war zuvor lange Zweitmannschaftstrainer.

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Es ist der zweite Trainerrücktritt im Odenwald in kurzer Zeit, denn in der vergangenen Woche hatte Riza Aydogan beim A-Ligisten SV/BSC Mörlenbach einen Schlussstrich gezogen.

ETW-Sportdirektor Amir Imsirovic fungiert nun interimsmäßig als Trainer. „Aber wir sind bereits in Kontakt mit möglichen Trainern“, sagt ETW-Vorsitzender Rütger Alexander. „Wir werden das Problem abfangen, auch wenn die Situation nicht schön ist – für uns bricht jetzt keine Welt zusammen. Wir geraten nicht in Panik.“

Siby informierte die Mannschaft am Montagabend. Und es habe Ruhe geherrscht, als der Coach sprach, sagt ETW-Spielausschussvorsitzender Josef D’Apuzzo. „Einige haben verdutzt geguckt.“ Siby machte interne Differenzen für seine Entscheidung geltend und Alexander räumt ein: „Es gab Unstimmigkeiten über die systematische Ausrichtung der Mannschaft.“ Der Trainer habe „etwas“ verändern wollen, was „nach unserer Auffassung nicht sinnvoll war“, wie der ETW-Vorsitzende meint. „Eine Systemumstellung zum gegebenen Zeitpunkt wäre kontraproduktiv“, so die Ansicht des Vorstands.

Die Überraschung ist groß

Die Überraschung bei allen Beteiligten war dennoch groß am Sonntag, als sich Siby zum Teil telefonisch bei seinen Weggefährten verabschiedete. „Aber wir respektieren seine Entscheidung und werden damit umgehen können“, sagt Alexander. Das Ziel der Eintracht am Donnerstag (15 Uhr) im Heimspiel gegen die SG Modau ist denn auch klar formuliert: Drei Punkte sollen es werden. Yannic Beisel ist aus dem Urlaub zurück und wird Siby, der als Spieler auf zentraler Position in der Abwehr eine große Lücke reißt, dann möglicherweise ersetzen.

Aus sportlicher Sicht sind die Wald-Michelbacher aktuell auf Kurs. Die Eintracht verlor zwar ihr Spiel am vergangenen Samstag zu Hause gegen den SV Geinsheim etwas unglücklich nach einem Last-Minute-Tor mit 0:1. Doch die Gründe für den Rücktritt von Siby sind nicht sportlicher Natur. Im Gegenteil: „Sportlich gibt es nichts zu sagen“, so Siby. „Ich bin mir sicher, dass die Eintracht am Ende der Saison ganz oben in der Tabelle zu finden ist.“

Ein paar Dinge nicht gepasst

Dem Übungsleiter haben bei seiner Arbeit vielmehr „ein paar Dinge nicht gepasst, die von außen kamen“. Nicht zuletzt die Unstimmigkeiten mit der Sportlichen Leitung seien der Grund für den Rücktritt gewesen. Siby war sieben Jahre lang für die Eintracht aktiv. Der gelernte Mittelfeld- und Abwehrspieler war unter Coach Ralf Ripperger in der Verbandsliga bereits Co-Trainer.„Als Trainer habe ich die Verantwortung für die Mannschaft“, sagt der Coach, der die Eintracht gemeinsam mit Sascha Amend trainierte, der am Wochenende ebenfalls seinen Rücktritt bekannt gab. „Und wir haben die Spieler nie verloren.“ Doch Siby sagt auch: „Wir wollen als Team mit kühlem Kopf arbeiten – und das war nicht immer möglich.“ Die Unruhe sei aus dem Umfeld gekommen. „Uns wurde von außen zu viel hereingeredet“, sagt der Übungsleiter. „Wir hatten nicht die nötige Macht, um das Team weiterzuführen.“

Eine gute Zeit gehabt

Siby verlässt den Verein schweren Herzens, wie er sagt. Die Entscheidung hat er aus eigenen Stücken getroffen. Die Sportliche Leitung der ETW um Sportdirektor Amir Imsirovic hätte ihn gerne gehalten. Und auch für die Spieler kam der Schritt des Trainers überraschend. „Die Spieler sind enttäuscht“, sagt Siby. „Sie haben gerne mit Sascha und mir gearbeitet.“

Die Entwicklung der jungen Mannschaft sei durchaus positiv gewesen. „Das haben wir als Trainer auf dem Platz auch gespürt.“ Siby geht nicht im Groll. „Ich habe bei der Eintracht eine gute Zeit und viel Spaß gehabt und bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich hier hatte. Aber es gibt gute und schlechte Momente, und ich habe mich dazu entschieden, zurückzutreten.“

Der Familienvater ist als Spieler bis zum Winter gesperrt. „Ich kann mein Hobby vorerst nicht ausüben“, sagt Siby, dem die Entscheidung auch deshalb nicht leichtgefallen ist. „Was dann ab Dezember kommt, das wird sich zeigen.“ Die Fußballschuhe an den Nagel hängen, das kommt für ihn jedenfalls nicht infrage.