Glosse

VfL Wolfsburg steigt ab: Offener Brief aus dem Odenwald an VW-Boss Oliver Blume

Abstieg, Sparzwang und Fußball-Resilienzmanagement: Nach der verlorenen Relegation des VfL Wolfsburg liefert WN/OZ-Redakteur Bernd Graber in einer Glosse VW-Konzernchef Oliver Blume die passende Restrukturierungsstrategie – inklusive Krautzun, Schlappner und Solardraisine.

Die Wolfsburger „Restrukturierungseinheit“ testet im Odenwald alternative Mobilitäts- und Zukunftskonzepte auf der Solardraisine am Mackenheimer Tunnel – ganz ohne Berater, aber mit maximaler Synergiekompetenz. Foto: Illustration: KI-generiert mit ChatGPT/OpenAI
Die Wolfsburger „Restrukturierungseinheit“ testet im Odenwald alternative Mobilitäts- und Zukunftskonzepte auf der Solardraisine am Mackenheimer Tunnel – ganz ohne Berater, aber mit maximaler Synergiekompetenz.

Lieber Oliver Blume,

nun ist es also passiert: Ihr VfL Wolfsburg hat den sportlichen Transformationsprozess erfolgreich abgeschlossen und sich aus dem Premiumsegment der Fußball-Bundesliga verabschiedet. Relegation verloren gegen Paderborn. Downsizing auf Rasenbasis.

Die einen nennen es tragisch. Die anderen überfällig. Und Sie? Vermutlich betrachten Sie das Ganze längst mit der Nüchternheit eines Konzernchefs. Schließlich muss Volkswagen sparen. Da wirken zweistellige Millionengehälter für lustloses Ballgeschiebe ohnehin wie ein überholtes Verbrennermodell.

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Fußball-Resilienzmanagement

Aber keine Sorge: Wir hätten da einige belastbare Lösungsansätze im Bereich Fußball-Resilienzmanagement.

Der Heppenheimer Trainer  Eckhard Krautzun führte den VfL Wolfsburg 1995 ins DFB-Pokalfinale. Foto: Sascha Lotz
Der Heppenheimer Trainer Eckhard Krautzun führte den VfL Wolfsburg 1995 ins DFB-Pokalfinale.

Zum Beispiel Eckhard Krautzun aus Heppenheim. Der Mann ist zwar 85 Jahre alt, verfügt aber über nachweisbare Turnaround-Kompetenz. Zwischen 1993 und 1995 führte er den damaligen Zweitligisten Wolfsburg sensationell ins DFB-Pokalfinale. Damals waren Sie noch im Audi-Traineeprogramm unterwegs und die Champions League ungefähr so weit weg wie ein funktionierender BER.

Mit Eckhard Krautzun und Klaus Schlappner

Krautzun bringt außerdem hervorragende China-Kontakte mit. Er trainierte dort die U20-Nationalmannschaft und arbeitete als Berater im Frauenfußball.

Und weil Synergien bekanntlich der Schlüssel jeder nachhaltigen Wachstumsstrategie sind, würden wir direkt Klaus Schlappner aus Biblis mit ins Kompetenzteam integrieren. Mit 86 Jahren zwar ebenfalls ein Oldtimer, aber auch Waldhof-Kultfigur, Peppia-Hut-Legende, China-Pionier – und vermutlich der einzige Mensch Deutschlands, der gleichzeitig Fußballtrainer, Motivationscoach und Außenwirtschaftsstrategie sein kann.

Waldhof-Trainerlegende Klaus Schlappner (Mitte) ist in der Region verwurzelt. Der „Botschafter der Bergstraße“ hat aber auch gute Kontakte nach China. Foto: Fritz Kopetzky
Waldhof-Trainerlegende Klaus Schlappner (Mitte) ist in der Region verwurzelt. Der „Botschafter der Bergstraße“ hat aber auch gute Kontakte nach China.

Mit der Bergsträßer Doppelspitze Krautzun/Schlappner ließe sich vermutlich nicht nur der VfL Wolfsburg stabilisieren, sondern nebenbei auch noch ein VW-Werk nach Peking veräußern.

Auch strukturell kann der Amateurfußball wertvolle Impulse liefern. Die SG Wald-Michelbach geht freiwillig zwei Klassen runter. Im Odenwald nennt man das Neuaufbau. Im Konzern würde vermutlich von einer „strategischen Fokussierung auf nachhaltige Kernkompetenzen“ gesprochen. Klingt jedenfalls dynamischer als „schwieriges Marktumfeld“.

Synergieeffekte für Wolfsburg nutzen

Oder denken Sie größer: Kooperationen.

Die KSG Mitlechtern und der SV Lörzenbach leben in der Kreisoberliga vor, was Unternehmensberater seit Jahren teuer verkaufen: Synergieeffekte durch Ressourcenbündelung. Vielleicht also bald VfL Wolfsburg-Hannover 96? Der Name „Niedersachsen Mobility Group“ wäre jedenfalls noch frei.

Und falls Ihre Betriebsräte mal wieder ein motivierendes Offsite zur Zukunftssicherung benötigen: Der Odenwald bietet hervorragende Möglichkeiten für entschleunigte Mobilitätsdialoge. Bei einer Fahrt mit der Solardraisine von Mörlenbach nach Wald-Michelbach können sich Vorstände und Arbeitnehmervertreter gemeinsam anschauen, wie Elektromobilität im Kleinformat funktioniert: wenig Reichweite, überschaubares Tempo, aber immerhin stabiler Vortrieb.

Regionale Sponsoring-Offensive

Natürlich wären wir hier in der Region auch offen für strategische Sponsoringpartnerschaften. Dem FC Fürth könnten Sie beispielsweise einige ID.Buzz in die Flotte integrieren. Aufgrund der Transferaktivitäten drohen dort inzwischen Kapazitätsengpässe im Bereich Mannschaftstransport.

Hier wäre noch ein Plätzchen für VW frei: Lias Kühne von der TSG 1862/09 Weinheim zeigt sein Trikot. Das Blau passt zur Konzernfarbe jedenfalls schon mal bestens. Foto: Dietmar Lohrer
Hier wäre noch ein Plätzchen für VW frei: Lias Kühne von der TSG 1862/09 Weinheim zeigt sein Trikot. Das Blau passt zur Konzernfarbe jedenfalls schon mal bestens.

Beim SV Unter-Flockenbach funktioniert die Kooperation mit Autowelt Ebert bereits seit Jahren belastbar. Der SVU steht gerade vor dem Aufstieg in die Hessenliga – und wäre damit wieder der höchstspielende Klub der Region. Im Grunde also schon jetzt erfolgreicher als manche Konzernmarke im internationalen Wettbewerb.

Und Ebert verkauft inzwischen sogar Skoda – also jene Fahrzeuge, bei denen viele Verbraucher heimlich vermuten, dass dort die Kernkompetenz des Volkswagen-Konzerns inzwischen effizienter umgesetzt wird.

Freie Werbefläche in Weinheim

Und dann wäre da noch die TSG 1862/09 Weinheim. Die Trikotbrust blieb in dieser Saison leer. Dabei wäre das doch eine ideale Marketingplattform für den neuen Polo: jung, entwicklungsfähig, regional verankert und mit klarer Nachwuchsstrategie.

Auch die Weinheimer müssen jetzt in die Relegation, um die Verbandsliga Baden zu halten.

Aber wissen Sie was? Die schaffen das noch aus eigener Kraft.

Ganz ohne Restrukturierungsberater.

Mit sportlich nachhaltigen Grüßen aus dem Odenwälder Kompetenzcluster,

Bernd Graber