Fußball

Warum sich TikTok-Star Okanfnw um die Jugend sorgt

Okan Ceneli liefert Fußball-Content für 400 000 Follower in den sozialen Netzwerken. Tendenz steigend. Der 23-jährige Mörlenbacher sorgt jetzt selbst mit seinem Wechsel von Rimbach nach Zotzenbach für Aufsehen und träumt vom dritten Aufstieg in Folge.

Hamit Altintop (rechts) spielte in der Bundesliga viele Jahre für den FC Schalke 04 und FC Bayern München. Bei einem Jugendturnier in Izmir stellte sich das Vorstandsmitglied des Türkischen Fußball-Verbandes den Fragen des Mörlenbachers Okan Ceneli.	Bild: Ceneli Foto: Ceneli
Hamit Altintop (rechts) spielte in der Bundesliga viele Jahre für den FC Schalke 04 und FC Bayern München. Bei einem Jugendturnier in Izmir stellte sich das Vorstandsmitglied des Türkischen Fußball-Verbandes den Fragen des Mörlenbachers Okan Ceneli. Bild: Ceneli

Das ist der Transfer des Sommers im Odenwald. Torjäger Ole Gärtner vom Verbandsligisten TSG 62/09 Weinheim zum FC Fürth? Geschenkt. Chris Diefenbach, der nach dem Abstieg mit dem SV Unter-Flockenbach aus der Hessenliga zum SV Fürth zurückkehrt? Er wird halt auch nicht jünger. Also doch Niklas Halblaub? In der Jugend des SV Waldhof ausgebildet und bei Eintracht Wald-Michelbach zum Verbandsliga-Spieler gereift – jetzt wieder bei seinem Heimatverein VfL Birkenau. Wirklich alles schön und gut, die Kreisoberliga darf sich auf tolle Spieler freuen – aber:

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Wenn die SG Unter-Abtsteinach nicht noch einen Waldhof-Profi ausgräbt oder der SV Unter-Flockenbach beim Zweitliga-Absteiger SV Sandhausen zuschlägt, dann geht die Krone des „Krachers“ in die B-Liga. Dafür sorgt der FSV Zotzenbach mit der Verpflichtung von TikTok-Star Okan Ceneli vom FSV Rimbach.

"Ich mache auch in der 90. Minute noch eine Blutgrätsche oder einen 50-Meter-Sprint" Okan Ceneli

„Er passt sowohl fußballerisch als auch menschlich zum Verein. Okan soll die Abwehr des FSV Zotzenbach verstärken“, heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung des B-Ligisten, der mit dem 23-jährigen Neuzugang auch extra einen Fototermin anberaumte. Das macht so auch der FC Bayern mit Harry Kane, wenn denn mal endlich die Engländer in die Pötte kommen.

Gute Nische gefunden

Okan Ceneli hat rund 400 000 Follower in den sozialen Netzwerken. 330 000 auf TikTok, 30 000 auf Youtube und 26 000 auf Instagram. Das ist schon eine ganze Menge für Okanfnw, so das Pseudonym des Content-Creators, der von seinen Videoschnipseln inzwischen leben kann. „Die Zahlen steigen stetig – und zur Europameisterschaft sollen sie explodieren“, sagt Ceneli, der dann auf TikTok die halbe Million Fans haben will.

Ceneli sagt, er habe eine gute Nische gefunden und bediene als „Kreisligakicker deines Vertrauens“, so seine Bezeichnung in der Bio, eine rein deutsche Fußball-Community. Das zeichnet den Mann, der beispielsweise 2022 auch von der Wüsten-WM in Katar berichtete, aus.

Inzwischen hat er sich auf Jugendfußball-Inhalte spezialisiert. Die große Weltbühne, mit oftmals lustlosem Alibigekicke, findet er nicht so spannend wie etwa ein U19-Turnier. „Da geht es für jeden Spieler immer um alles, weil die Tagesform entscheiden könnte, wie die weitere Zukunft im Verein aussieht. Da gibt es keine Schauspielerei.“ Denn Profi wollen sie alle werden. Und so fragt Ceneli nach seinen Besuchen vor Ort in seinen Videos beispielsweise: „Wie gut ist die Jugend von Real Madrid?“ Oder: „Warum ist der U15-Keeper von Manchester City so überheblich, aber dazu einfach so verdammt stark?“

Mit der Rückennummer 45 (der von Italiens ehemaligem Nationalspieler Mario Balotelli) spielt Okan Ceneli künftig beim FSV Zotzenbach. Vorsitzender Roland Agostin, Sportlicher Leiter Stefan Behle und Spielertrainer David Rauch (von links) freuen sich über den Neuzugang.	Bild: FSV Zotzenbach Foto: FSV Zotzenbach
Mit der Rückennummer 45 (der von Italiens ehemaligem Nationalspieler Mario Balotelli) spielt Okan Ceneli künftig beim FSV Zotzenbach. Vorsitzender Roland Agostin, Sportlicher Leiter Stefan Behle und Spielertrainer David Rauch (von links) freuen sich über den Neuzugang. Bild: FSV Zotzenbach

Er selbst würde sich nicht unbedingt als prominent bezeichnen. „Doch zwischen Fürth und Mannheim kennen mich schon viele Jugendliche von TikTok her.“ So besuchen tatsächlich Fans Spiele des FSV Rimbach und bitten Ceneli um ein Selfie. Wie das bei seinen Mannschaftskameraden ankommt? Nun ja, der eine oder andere Spruch wird dem berühmten Kreisliga-Kicker schon reingedrückt.

Jetzt darf sich also der FSV Zotzenbach wieder auf mehr Aufmerksamkeit freuen, die ging dem ehemaligen Bezirksligisten spätestens seit dem Abstieg aus der Kreisliga A 2013 etwas verloren. Die „Roten Teufel“ waren nach der Vorrunde noch dick im Aufstiegsrennen, wurden aber nach nur acht Punkten in der Rückrunde auf den achten Platz durchgereicht.

Klassischer Innenverteidiger

Der eins neunzig große Innenverteidiger ist ein Hoffnungsträger des FSV (natürlich zusammen mit dem neuen Co-Spielertrainer Luca Strubel, der bei Eintracht Wald-Michelbach schon vier Klassen höher in der Verbandsliga spielte). Kopfballungeheuer, hat man früher gesagt. Einer, der zur Not auch einen Kasten Bier aus dem Strafraum köpft. Keiner mit dem Zauberfüßlein, aber einer, auf den Verlass ist. „Ich zeige zu 100 Prozent Einsatz. Ich mache auch in der 90. Minute noch eine Blutgrätsche oder einen 50-Meter-Sprint“, verspricht Ceneli im Interview. Normalerweise kommentiert er in seinen Videos die anderen, jetzt muss er Worte für sich selbst wählen. Und das kann der 23-Jährige so routiniert wie Lothar Matthäus am Mikrofon: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir oben mitspielen.“

Der Neue legt die Messlatte schon einmal hoch, Spielertrainer David Rauch und den Vorsitzenden Roland Agostin wird es freuen. Immerhin weiß Ceneli, wie man aufsteigt. In der abgelaufenen Saison wurde er mit der zweiten Mannschaft des FSV Rimbach Meister in der D-Klasse, das Jahr davor feierte er mit der ersten Mannschaft die Rückkehr in die A-Klasse. Das ist ein Doppel-Wumms. Wer weiß, vielleicht gibt es mit Ceneli wieder „goldene Zeiten“ in Zotzenbach wie etwa 2004, als man mit 46 Toren von Spielertrainer Sven Dechant in die Bezirksliga aufstieg.

FSV Blau-Weiß und FSV 1955 – das ist wie Real und Atlético, United und City, Rangers und Celtic. Rivalen im Ort. Das findet Ceneli allerdings nicht ganz so schlimm, „solange es nicht in Richtung Mörlenbach geht“. Da ist es also, das Rimbacher rote Tuch. Eigentlich lustig, dass Ceneli als Zehnjähriger mit seiner Familie von Zotzenbach nach Mörlenbach gezogen ist. Derzeit sucht er noch eine 2,5- oder 3-Zimmer-Wohnung im Rimbacher Umfeld. Vermieter können ihm gerne eine „DM“ schicken.

B-Klasse ist etwas leichter

Cenelis Wechsel zeichnete sich in der vergangenen Saison ab, nachdem er und der inzwischen entlassene Spielertrainer Amir Duric keine Freunde mehr wurden. Zudem ist er beruflich oft unterwegs, sodass für ihn die B-Klasse etwas einfacher zu spielen ist als die A-Liga. „Ich halte mich schon fit, wenn ich reise“, sagt Ceneli. Gerade war er bei einem U12-Turnier in Izmir, wo er den ehemaligen Bayern-Star Hamit Altintop (inzwischen im Vorstand des Türkischen Fußball-Verbandes) interviewte und anschließend auf dem Platz auch ein paar Bälle schießen konnte.

Zusammen mit dem Bruder

Ceneli hat aber auch kein Problem, in der zweiten Mannschaft zu spielen („Ich bin da, um dem Verein zu helfen“), die künftig von seinem sechs Jahre älteren Bruder Ozan Ceneli trainiert wird. Brüderpaare sind im Fußball doch die Kirsche auf der Torte. Lars und Sven Bender, Klaus und Thomas Allofs, Friedhelm und Wolfgang Funkel, Michael und Brian Laudrup oder auch Ronald und Frank de Boer lassen schön grüßen.

„Es tut mir in der Seele weh, wenn die Kinder daheim beim Streamen versauern. Früher haben wir nichts anderes gemacht als kicken“ Okan Ceneli

Seinem FSV Rimbach, bei dem er zehn schöne Jahre hatte, bleibt Ceneli im Übrigen als Trainer der neu gegründeten zweiten Damenmannschaft – gemeinsam mit Christian Kohl – treu. Der Mädchenfußball erlebt einen Boom in Rimbach. Als der Verein auf Instagram ankündigte, dass Kohl und Ceneli noch Spielerinnen suchen, meldeten sich spontan zehn Kickerinnen.

Das freut Ceneli ungemein, der sich noch mehr Jugendliche beim Fußball wünscht. Die teilweise dramatisch sinkenden Zahlen sind ihm nicht verborgen geblieben. „Es tut mir in der Seele weh, wenn die Kinder daheim beim Streamen versauern. Früher haben wir nichts anderes gemacht als kicken“, sagt Ceneli und will mit seinen Videos einen kleinen Beitrag leisten, dass der eine oder andere vielleicht neu anfängt oder wieder Lust verspürt, sich einem Verein anzuschließen. Er hilft gerne, sagt Ceneli, und wäre auch bereit dazu, sich mit Vereinen einmal auszutauschen. Über den Klick zum Kick – das gibt ein fettes Like.

Auf TikTok, Instagram und Youtube ist Okan Ceneli mit seinen Videos unter Okanfnw zu finden.