Fußball

Wie der Adidas-Ball aus dem Champions-League-Finale in den Odenwald kam

Vom Wembley-Stadion in London ins Weschnitztal: Mörlenbacher sichern sich den Riesenball von Adidas. Ab sofort gibt es Königsklasse zum Anfassen im Stadion.

Die Arbeit ist getan: Steffen Knapp, Peter Jeck und Stefan Scholl (von links) vom SV/BSC Mörlenbach setzten das Mega-Puzzle richtig zusammen. Der Adidas-Riesenball aus dem Champions-League-Finale 2024 steht jetzt im Weschnitztalstadion. Foto: Steffen Knapp
Die Arbeit ist getan: Steffen Knapp, Peter Jeck und Stefan Scholl (von links) vom SV/BSC Mörlenbach setzten das Mega-Puzzle richtig zusammen. Der Adidas-Riesenball aus dem Champions-League-Finale 2024 steht jetzt im Weschnitztalstadion.

Mörlenbach. Wenn die Besucher am Donnerstag zur Saisoneröffnung des SV/BSC Mörlenbach in der Fußball-Kreisliga A gegen die SG Brandau/Gadernheim und zur offiziellen Kunstrasenplatzeinweihung ins Weschnitztalstadion kommen, werden sie zwar keine Bauklötze, aber einen Riesenball mit Champions-League-Aura bestaunen können. Im Eingangsbereich hinter dem Kassenhäuschen glänzt nämlich neuerdings der im Durchmesser knapp drei Meter große Kunststoff-Ball von Adidas, den der Sponsor beim Finale der Champions League 2024 im Wembley-Stadion in London prominent am Spielfeldrand positioniert hatte.

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Mörlenbacher Königsklasse: Der kleine Noah Knapp freut sich über den großen Champions-League-Finalball von Adidas. Foto: Steffen Knapp
Mörlenbacher Königsklasse: Der kleine Noah Knapp freut sich über den großen Champions-League-Finalball von Adidas.

Real Madrid gewann damals vor fast 90.000 Zuschauern nach Toren von Dani Carvajal und Vinícius Júnior mit 2:0 gegen Borussia Dortmund. Es war gleichzeitig das krönende Ende der Laufbahn von Toni Kroos – mehr Fußball-Royalty geht eigentlich nicht.

Warum weht jetzt aber ein bisschen große weite Fußballluft im Odenwald, und wie konnten sich die Mörlenbacher eine kleine Königsklassen-Scheibe abschneiden? Nun, wie so oft bei ungewöhnlichen Geschichten kommt einiges zusammen, es braucht ein bisschen Glück und Zufall und nicht zuletzt ein paar tatkräftige Fußballfans, die Initiative zeigen und anpacken können. So geschehen beim SV/BSC Mörlenbach. Aber der Reihe nach.

An ein Eisengerüst mussten die Kunststoffteile des Balls befestigt werden.
An ein Eisengerüst mussten die Kunststoffteile des Balls befestigt werden.

Tatkräftig angepackt

Mörlenbachs ehemaliger E-Jugendtrainer Peter Jeck erfuhr von seinem Bekannten Adrian Krause, der das soziale Möbelkaufhaus in Viernheim betreibt, dass Adidas den Finalball 2024 in gute Hände abgeben möchte – für den Sportartikelhersteller war es nur noch eine übergroße Requisite, die im Lager Platz verschlang. Für die Mörlenbacher ist es dagegen ein Stück Fußball-History – und das gab es letztlich für zwei Kästen Bier.

Voraussetzung war natürlich die Selbstabholung in Nürnberg. Und so lieh sich Peter Jeck einen Sprinter und lud die Kisten ein. Zweimal musste er fahren, um alles nach Mörlenbach zu bringen. „Er war neun Stunden auf der Autobahn“, sagt Steffen Knapp, bei dessen Vater Dieter Knapp die Kisten zwischengelagert wurden, ehe es zusammen mit Jugendtrainer Stefan Scholl und Peter Jeck sowie weiteren Helfern an den Aufbau ging. „Ich war eher der Handlanger, der die Kabelbinder festzog“, sagt lachend Knapp, selbst eingefleischter Werder-Bremen-Anhänger. Köln-Fan Scholl und Peter Jeck als ehemaliger Küchenbauer waren für die technische Seite zuständig. Denn der Aufbau war gar nicht so einfach und dauerte vier Stunden. An ein Eisengerüst im Inneren wurden die einzelnen Sterne aus Kunststoff angebracht – dabei musste man aufpassen, dass auch alle Löwenköpfe und Krallen an die richtige Stelle kommen und die fertige Skulptur am Ende so aussieht wie der offizielle Spielball – „Adidas Finale London 2024 PRO Matchball Spielball UEFA Champions League IN9340“, so die korrekte Bezeichnung.

Dass die Mörlenbacher das Mega-Puzzle geschafft haben, davon können sich jetzt die Zuschauer überzeugen. Dabei ist der Platz im Stadion noch nicht endgültig gefunden, sagt Steffen Knapp. Vielleicht will man den Ball als Blickfang noch ein bisschen auffälliger positionieren. Möglicherweise überträgt das Souvenir aus der Königsklasse seinen Geist auch auf die Leistungen der Mörlenbacher Spieler – Trainer Thorsten Bartmann würde es jedenfalls freuen.

Dortmund-Fans im Verein

Beim SV/BSC gibt es einige Dortmunder Fans. So wie B-Jugendtrainer Benjamin Kerker. „Er hat schon gesagt, dass wir das auch bei ihm im Garten hätten aufbauen können“, sagt Knapp. 1993 kam übrigens Borussia Dortmund mit Trainer Ottmar Hitzfeld und Stars wie Matthias Sammer, Karlheinz Riedle, Frank Mill und Lars Ricken zu einem Freundschaftsspiel vor über 3.000 Zuschauern gegen den von Hans-Jürgen Boysen trainierten Oberliga-Aufsteiger SV Mörlenbach ins Weschnitztalstadion. Mit von der Partie beim BVB, der gerade das Endspiel im UEFA-Pokal gegen Juventus Turin verloren hatte, war auch der Heppenheimer Thomas Franck, der 1995 und 1996 dann mit Dortmund Deutscher Meister wurde. Vielleicht will der 51-jährige Ex-Profi, der im Heppenheimer Ortsteil Mittershausen wohnt, ja sein Autogramm auf den Riesenball setzen? „Das wäre eigentlich eine Idee“, sagt Steffen Knapp.

Raducanu spielte schon beim SVM

Kurzzeitig hatte der SV Mörlenbach übrigens mit Marcel Raducanu eine echte Dortmunder Legende in der Mannschaft stehen. Der ehemalige rumänische Nationalspieler, der seit 1994 eine Fußballschule in Dortmund betreibt, half mit über 40 Jahren beim SVM aus.

Champions League hin oder her – die Eintrittspreise in der A-Liga liegen bei moderaten vier Euro. Nach vier Jahren wurde jetzt auf der Hinrundenbesprechung allerdings eine Erhöhung um 50 Cent aufgrund der gestiegenen Schiedsrichterspesen beschlossen.