Youngster Philipp Turzer freut sich auf Gänsehautmomente im Derby
Mit gerade einmal 19 Jahren ist der Rechtsverteidiger bereits zweiter Kapitän beim FC Fürth. Kurz vor dem Duell mit dem SV ist er noch überraschend gelassen, das könnte sich aber heute Mittag schnell ändern.
Lucas Oppermann hat in seiner Zeit als aktiver Fußballer schon viel erlebt, der Spielertrainer von Fußball-Kreisoberligist FC Fürth hat unter anderem vier Spiele im DFB-Pokal absolviert, hinzu kommen mehr als 150 Regionalliga-Spiele sowie knapp 90 Partien in der Oberliga.
Als früherer Spieler von Waldhof Mannheim, des VfL Bochum, des 1. FC Heidenheim oder von Viktoria Aschaffenburg sind auch vierstellige Zuschauerzahlen für den 37-Jährigen nicht wirklich außergewöhnlich – mit Blick auf die achtklassige Kreisoberliga ohne Frage aber eine Seltenheit. Eine solche Kulisse ist jedoch am heutigen Samstag, 6. April (Anstoß: 16.30 Uhr), durchaus möglich, wenn der FC Fürth den Lokalrivalen SV zum Derby erwartet.
Zum einen, weil das Fürther Derby ohnehin als Zuschauermagnet gilt, vor allem aber, weil es diesmal auch um den (Wieder-)Aufstieg in die Gruppenliga geht. Der SV ist Tabellenführer, der FC hat als Vierter zumindest Relegationsplatz zwei im Blick.
Drittes Derby für den Rechtsverteidiger
Während Oppermann oder die anderen erfahrenen Recken auf beiden Seiten die Stimmung rund um das Derby durchaus einzuschätzen wissen, ist es gerade für die jüngeren Akteure etwas ganz Besonderes, „vor so vielen Leuten aufzulaufen“, verrät Philipp Turzer, 19 Jahre alter Rechtsverteidiger beim FC Fürth.
Der Jungspund, der am Samstag sein drittes Derby bestreitet, spricht diesbezüglich gar von einem „Privileg“. „Richtig Gänsehaut“ habe er bekommen, als er vor dem Hinspiel den Fanmarsch der „Roten“ vom Klubhaus hinauf zur Schulstraße gesehen habe, sagt Turzer. „Das war schon ziemlich aufregend.“
Und wie ist es gut 24 Stunden vor dem Rückspiel um seine Gefühlslage bestellt? „Noch hält sich die Anspannung tatsächlich in Grenzen“, verrät der Fan des SV Darmstadt 98. Er bereite sich aufs Derby genauso vor, wie auf jedes andere Spiel. „Ich denke aber, dass das Kribbeln spätestens dann kommen wird, wenn ich wieder die vielen Zuschauer sehe.“
Seit den G-Junioren beim FC
Gehemmt habe ihn die stattliche Kulisse Mitte September – 800 Besucher sahen im Hinspiel ein leistungsgerechtes 2:2 – dennoch nicht, blickt der „waschechte Fürther“, der im Ortsteil Erlenbach groß geworden ist und seit den G-Junioren (Bambini) mit Stolz das rote FC-Trikot trägt, auf sein zweites Derby zurück. Der damalige Spielbericht in dieser Zeitung gibt ihm recht: Neben Spielertrainer Oppermann und dem ebenfalls höherklassig erfahrenen Sommer-Neuzugang Ole Gärtner zählte das Eigengewächs demnach zu den drei prägenden Akteuren beim FC.
Doch nicht nur im Hinspiel-Derby habe Turzer, der den brasilianischen Ex-Nationalspieler Dani Alves als sportliches Vorbild bezeichnet („Das bezieht sich aber ausschließlich auf seine fußballerischen Fähigkeiten“; Alves wurde im Februar wegen Vergewaltigung zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt, Anm. d. Red.), vollauf überzeugt, wirft Spielertrainer Lucas Oppermann ein: „Vom ersten Tag meiner eigenen Anwesenheit beim FC an, ist Philipp ein absoluter Leistungsträger. Als Trainer wie als Mitspieler schätze ich ihn überaus, vor allem ob seiner ehrgeizigen und ambitionierten Art. Er ist extrem lernwillig und ein Spieler, mit dem ich verhältnismäßig wenig sprechen muss, weil bei ihm das mentale Fundament absolut gegeben ist.“ Der 19-Jährige sei für ihn die „absolute Nummer eins auf der Position des rechten Verteidigers in der Kreisoberliga“, führt Oppermann weiter aus. Nicht umsonst sei der 19-Jährige inzwischen auch schon zum zweiten Kapitän aufgestiegen. Und so ist es für den Ex-Profi auch nur eine Frage der Zeit, wann Philipp Turzer in den höheren Spielklassen anzutreffen sei. „Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn ihm dies bei uns gelingt“, merkt Oppermann mit einem Augenzwinkern an.
Vorerst keine anderen Ambitionen
Turzer selbst nimmt diese Lobeshymnen dankend an und entgegnet mit sympathischer Bescheidenheit: „Ich bin FCler durch und durch und werde erst einmal hier bleiben. Egal, ob wir nächstes Jahr in der Kreisober- oder Gruppenliga spielen.“
Ohnehin richte er sein Augenmerk erst einmal auf das Derby am heutigen Samstagnachmittag, fügt er für sein junges Alter überraschend abgeklärt hinzu. Mit seiner Bissigkeit im Zweikampf, seiner guten Grundschnelligkeit und dem bereits von Oppermann hervorgehobenen Ehrgeiz „werden wir alles daran setzen, dieses Spiel zu gewinnen“.
Wie das Derby tatsächlich ausgehen wird, vermag der 19-Jährige nicht zu sagen. „Ein Tipp fällt mir schwer“, gibt er zu – um dann aber doch eine Aussage zu treffen: „Hauptsache, wir gewinnen.“ Sein Coach hat dem nichts entgegenzusetzen, fügt aber scherzend hinzu: „Gelobt wurde Philipp jetzt von mir genug, am Samstag muss er auf dem Platz abliefern.“