«Luft nach oben» - Zverev erreicht Wimbledon-Achtelfinale
Alexander Zverev ist seiner dritten Runde in Wimbledon zunächst klar überlegen. Danach tut sich der Hamburger schwerer, gewinnt aber glatt. Nun soll erstmals der Viertelfinaleinzug gelingen.
London (dpa) - Nach seinem glanzlosen Achtelfinaleinzug in Wimbledon war Alexander Zverev bester Laune. Wie er seinen Job im Drittrundenmatch gegen den US-Profi Marcos Giron erledigt habe, wurde er gefragt. «Ich habe den letzten Punkt gewonnen, das hilft immer», antworte der Hamburger schmunzelnd nach seinem 6:2, 7:6 (7:4) 6:4-Erfolg. «Für die Menschen, die es nicht wissen, ich habe einen sehr seltsamen Sinn für Humor.»
Zum insgesamt 25. Mal erreichte Zverev ein Grand-Slam-Achtelfinale und schrie nach dem genutzten Matchball seine Erleichterung heraus. Seine nächste Pflichtaufgabe hat der French-Open-Gewinner erfüllt und darf weiter auf seinen ersten Titel beim Rasenklassiker in London hoffen.
«Ich fühle mich anders als im letzten Jahr», betonte Zverev, der 2025 in der ersten Runde in London gescheitert war. In den wichtigen Momenten mehr Selbstbewusstsein zu haben, helfe, so der 29-Jährige. «Ich möchte viel mehr großartige Matches hier spielen. Ich genieße meine Zeit auf dem Platz. In Paris zu gewinnen, hierher zukommen mit einem Titel, hilft jedem», erklärte er weiter im Siegerinterview. Danach erfüllte er entspannt Autogrammwünsche.
Während des 2:34 Stunden dauernden Matches hatte der Weltranglisten-Dritte zwar unzufrieden in Richtung seiner Box geschimpft und sich Nachlässigkeiten erlaubt. Zweifel an seinem Weiterkommen ließ er aber nicht zu. «Manchmal gehst du aus diesen Matches gestärkt hervor, weil du weißt, du hast wahnsinnig Luft nach oben», sagte Ex-Wimbledonsieger Michael Stich als Experte bei Prime. «Den Tiebreak hat er sehr selbstbewusst gespielt», urteilte Stich. Ansonsten sei es von beiden Seiten kein gutes Match gewesen.
Viertelfinal-Premiere in Reichweite
Zum vierten Mal steht Zverev im Wimbledon-Achtelfinale und stellt damit sein bestes Resultat im All England Club bereits ein. Im Achtelfinale soll nun gegen den Weltranglisten-14. Jiri Lehecka aus Tschechien erstmals der erste Sprung ins Viertelfinale glücken.
Nach seinem Triumph in Paris ist der Weltranglisten-Dritte ein Titel-Mitfavorit in Wimbledon. Anders als bei den French Open, als der italienische Weltranglisten-Erste Jannik Sinner und der serbische Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic früh scheiterten, sind die beiden Topstars im All England Club aber noch dabei. Auf einen der beiden könnte Zverev erst in einem möglichen Finale treffen - und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Aufschlag ein Trumpf
In seiner Drittrundenpartie konnte sich Zverev insbesondere auf seinen Aufschlag verlassen, dem Giron oft wenig entgegenzusetzen hatte. So rauschte der 1,98 Meter große Olympiasieger von 2021 im ersten Satz durch seine Aufschlagspiele, während der 32 Jahre alte Kalifornier bei eigenem Service Probleme hatte. Zverev hätte es sich im ersten Durchgang noch leichter machen können, hätte er seine Breakchancen noch konsequenter genutzt.
Zverev meckert Richtung seiner Box
Zweimal nahm der erste deutsche Grand-Slam-Turniersieger seit Boris Becker dem US-Amerikaner den Aufschlag zum 2:1 und 5:2 ab. Im zweiten Satz ließ Zverev nach und leistete sich etliche leichtere Fehler.
Der Weltranglisten-92. Giron kam etwas besser in die Partie, die nun ausgeglichener wurde. Unzufrieden meckerte Zverev in Richtung seiner Box, holte sich aber im Tiebreak auch den zweiten Durchgang. Im dritten Satz gab Zverev ein 4:1 wieder her und verlor erstmals sein Aufschlagspiel. 39 direkte Gewinnschläge standen am Ende in der Statistik 39 unerzwungenen Fehlern gegenüber. Doch letztlich vermied Zverev einen Satzverlust und konnte erneut Kraft sparen.
Struff steht vor seinem größten Wimbledon-Auftritt
Zverev folgte mit seinem Sieg Jan-Lennard Struff ins Achtelfinale und machte das beste deutsche Wimbledon-Abschneiden bei den Männern seit 14 Jahren perfekt. Erstmals, seit 2012 Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber in der Runde der besten 16 standen, erreichte wieder ein Duo die Runde der besten 16. Die Statistik sollte aber nicht über die insgesamt wenig zufriedenstellende Situation im deutschen Männer-Tennis hinter Spitzenspieler Zverev hinwegtäuschen.
Der ungesetzte Struff hatte am Freitag mit einem imposanten Auftritt überraschend erstmals in seiner Karriere die dritte Runde überstanden. Am Sonntag hat der 36-jährige Sauerländer gegen den Polen Hubert Hurkacz die Chance auf seinen erstmaligen Viertelfinaleinzug bei einem Grand-Slam-Turnier.